Sieben Fettnäpfchen auf Reisen

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Endlich wieder unterwegs, in fremde Kulturen eintauchen und so richtig entspannen: Der Sommer 2022 war und ist wieder ein echter Reisesommer. Doch Achtung! Was hierzulande nicht der Rede wert ist, kann anderswo zu Irritationen führen. Eine Auswahl an Fettnäpfchen, in die wir im Ausland schnell hineintreten:

1. Unpassende Begrüßung wählen

Handschlag oder Küsschen? Umarmung oder Verbeugung? Oder nur ein leichtes Nicken? Die Auswahl ist groß und falsche Entscheidungen bei der Begrüßung lassen sich nur schwer wieder ausgleichen.

Ein wunderbares Beispiel dafür war der «Bow-Shake» des damaligen US-Präsidenten Barack Obama: Bei seiner ersten Begegnung mit dem japanischen Kaiser im Jahr 2009 streckte er die rechte Hand zum Handschlag aus und verbeugte sich gleichzeitig - ein echter Fauxpas, den der Kaiser mit einem Lächeln quittierte.

Im Ausland bekannt sind Deutsche für den «Knochenbrecher»-Handschlag. Nur: Damit hinterlässt man keinen guten Eindruck, sondern allenfalls Druckstellen beim Gegenüber.

2. Unbedacht gestikulieren

Ausufernde Gesten gelten in vielen Ländern nicht nur als irgendwie ungehobelt, sie sind auch oft missverständlich. Wer weiß schon, dass die «Daumen hoch»-Geste in Deutschland und den USA zwar «spitze» bedeutet, in diversen Ländern des Orients jedoch einem ordinären «Verpiss dich» entspricht (das ist noch die schöne Formulierung) und in Israel als Zeichen der Prostitution gilt?

Oder dass die Halsabschneider-Geste in Polen und Russland mit «sturzbesoffen» übersetzt wird? Und das sind nur zwei Beispiele von vielen Situationen, in denen Gestik zu Missverständnissen führt.

3. Falsch Trinkgeld geben

Mit der deutschen Zehn-Prozent-Regel liegt man zwar in vielen Ländern richtig, aber eben nicht überall. In den USA beispielsweise, wo die Angestellten auf die Trinkgelder angewiesen sind, darf es auch doppelt so viel sein.

In anderen Ländern, wie Singapur oder Japan, sind Trinkgelder überhaupt nicht üblich und werden schlicht nicht angenommen, denn guter Service ist selbstverständlich. Drückt man das Trinkgeld der Bedienung auch noch gönnerhaft in die Hand, ist der Fettnapf perfekt. Besser ist: nach dem Zahlen diskret auf dem Tisch liegen lassen.

4. Die Toilette nicht verstehen

Es gibt Bedürfnisse, die sind international gleich. Dies gilt aber nicht für deren Umsetzung: Wieso steht also auf einer thailändischen Toilette ein Eimer in der Ecke? Fürs Klopapier natürlich. Wer ihn nicht nutzt, verursacht eventuell peinliche Überschwemmungen.

Und was macht man, wenn es keine Schließvorrichtung an der öffentlichen Toilette gibt? Vor dem Betreten klopfen natürlich, und nicht mit Schwung hineinfegen.

Einer der schönsten Fettnäpfchen-Vorlagen weltweit sind die japanischen Toilettenschuhe, die beispielsweise im Restaurant vor dem stillen Örtchen warten. Man trägt sie - der Name ist Programm - aus hygienischen Gründen auf der Toilette, und nur dort. Natürlich vergessen westliche Besucher regelmäßig, sie wieder gegen reguläres Schuhwerk auszutauschen und schlappen damit zurück an den Tisch, zum großen Ekel der japanischen Gäste.

Gut möglich, dass besagter Toilettenschuhträger auch noch durch einen großen Fleck auf der Hose auffällt, weil er auf der Suche nach der Spülung (Achtung, japanische Beschriftung!) den Knopf für die Po-Dusche erwischt hat.

5. (Un-)Pünktlich sein

Nette Leute kennen gelernt und im Ausland sogar auf eine Party eingeladen worden? Prima! Jetzt heißt es, die richtige Ankunftszeit zu finden. Wer in Brasilien oder Indien pünktlich erscheint, hat gute Karten, die Gastgeber im Feinripp-Unterhemd oder mit Lockenwicklern zu erwischen - und danach einige Zeit alleine rumzusitzen. Denn bis zu eine Stunde Verspätung ist Standard.

Hat man diese Lektion gelernt und wendet sie bei einer Dinner-Einladung in Schweden oder in der Schweiz an, gibt es allerdings kaltes Essen und angefasste Gastgeber. Besser ist: vorher diskret erkundigen, wie der Begriff «pünktlich» lokal ausgelegt wird.

6. Glauben, man würde nicht verstanden

Natürlich macht es Spaß, sich über die Erlebnisse im Urlaubsland zu unterhalten. Oder auch mal eine Runde abzulästern, wenn nicht immer alles reibungslos funktioniert. Was die meisten deutschen Reisenden aber gnadenlos unterschätzen, ist die Zahl derer, die im Ausland Deutsch lernen - und ergo auch verstehen.

Da mag man in Italien, Belgien oder Holland zurückhaltend sein, wenn es darum geht, die komplizierte deutsche Grammatik selbst anzuwenden. Das heißt aber nicht, dass ätzende Bemerkungen über Land und Leute nicht verstanden werden. Entgegen aller Vorurteile gibt es sogar in Frankreich jede Menge Menschen mit soliden Grundkenntnissen in der Fremdsprache Deutsch.

7. Bestimmte Körperteile nutzen oder zeigen

Das Kleingeld schnell mit der linken Hand aus der Hosentasche gekramt und bezahlt? Im Orient und in Indien ist das ein Fauxpas, die linke Hand gilt hier als unrein. Logisch kommt die linke Hand daher auch bei Tisch nicht zum Einsatz.

In Thailand wiederum sollte man niemandem, auch keinen Buddha-Statuen, die nackten Füße entgegenstrecken - und einen davonflatternden Geldschein lieber nicht mit einem beherzten Fußtritt aufhalten. Denn darauf ist der König abgebildet, dies könnte als Majestätsbeleidigung gewertet werden. (dpa)


 

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