Sport versus Naturschutz: Streit ums Paddeln auf Bayerns Flüssen

| Tourismus Tourismus

Bayerns Flüsse sind im Frühling und Sommer beliebt bei Paddlern und Bootsfahrern - doch mancherorts gibt es Streit um die Frage, ob Kanus, Kajaks und Stand-Up-Paddleboards auf den Flüssen erlaubt sein sollen. Grund für die Konflikte sind Naturschutz und Sicherheitsbedenken.

Als besonders romantische Strecke für Paddler, Kanu- und Kajakfahrer gilt die Wiesent in der Fränkischen Schweiz. Das zuständige Landratsamt Forchheim erlaubt, den Fluss zwischen Mai und September mit dem Boot zu befahren. Der Bund Naturschutz (BN) klagt seit 2021 beim Verwaltungsgericht Bayreuth gegen die Schifffahrtserlaubnis der Landkreisbehörde. Eine Entscheidung des Gerichts gibt es bislang nicht.

 

«Wir sind nicht einverstanden damit, wie es derzeit läuft», sagt ein Sprecher des BN-Kreisverbands Forchheim. Man sehe den Bootsverkehr auf der Wiesent in seiner jetzigen Form als eine zu starke Belastung für Flora und Fauna. Vor allem um die Vogelpopulation und die Unterwasservegetation machen sich die Naturschützer Sorgen.

Das Landratsamt Forchheim verweist auf eine Allgemeinverfügung der Regierung von Oberfranken, die Auflagen für Bootsfahrer und Paddler festlegt. So dürfen laut der Verfügung nur Kleinboote wie Kanus, Kajaks und Kanadier mit maximal vier Plätzen und sechs Metern Länge auf der Wiesent und dem Obermain zwischen Lichtenfels und Bamberg fahren. Bestimmte Flussabschnitte sind gesperrt.

Auf der Fränkischen Saale im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen gilt seit Februar 2024 ein Fahrverbot für nicht motorisierte Boote wie Kajaks, Kanus, Canadier, Schlauchkajaks, Schlauchboote und Stand-Up-Paddleboards. Das Verbot gilt mit Ausnahme zweier Teilstücke für den ganzen Landkreis. Das Landratsamt begründet diesen Schritt mit dem sehr alten und teils kranken Baumbestand an den Flussufern. Es könnten Bäume umstürzen oder Äste auf Bootsfahrer herabfallen und diese verletzen, heißt es. Zuvor hatte das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen vor den Gefahren durch mehr als tausend morsche Bäume gewarnt.

«Aufgrund der Vielzahl der betroffenen Bäume liegt eine konkrete Gefahr für Leben und Gesundheit vor, die über das allgemeine Lebensrisiko in Bezug auf naturtypische Gefahren hinausgeht», teilt eine Sprecherin des Landratsamtes Bad Kissingen mit. «Vor allem ist entscheidend, dass die schadhaften Bäume nicht unbedingt erkennbar sind und auch ohne konkreten Auslöser plötzlich brechen oder umfallen können.»

Gegen die Allgemeinverfügung der Landkreisbehörde hat der Bayerische Kanu-Verband (BKV) einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Würzburg eingereicht - den dieses ablehnte. «Schwimmer, Angler und Radfahrer sind von dem Verbot nicht betroffen», sagt Susanne Patzelt, Erste Vorsitzende des BKV-Bezirks Unterfranken. «Werden sie durch umstürzende Bäume nicht gefährdet? Diese Ungleichbehandlung verstehen wir nicht.»

Das Würzburger Verwaltungsgericht argumentierte, Schwimmer seien von der Gefahr nicht im selben Maße betroffen wie Paddler oder Bootsfahrer, da sie schneller das Ufer erreichen könnten. «Dass ein schwimmendes Kind im Notfall schneller ans Ufer kommt als unsere sehr gut ausgebildeten Paddler, wage ich zu bezweifeln», kritisiert Susanne Patzelt. Der Verband werde die Entscheidung beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München anfechten.

Das Landratsamt Bad Kissingen bemüht sich nun in Absprache mit Kanu-Verband und Bootsverleihern, auf dem 12 bis 13 Kilometer langen Abschnitt zwischen den Orten Morlesau und Hammelburg die besonders gefährdeten Bäume möglichst bald zu fällen. «Wir ziehen mit den Bootsverleihern und örtlichen Gastronomen an einem Strang», sagt Susanne Patzelt.

Auch in Nürnberg gibt es Streit um eine geplante Verordnung der Stadt zum Kanusport auf der Pegnitz. Das Konzept sieht vor, die Flusslandschaft zwischen Lederersteg und westlicher Stadtgrenze vom 1. März bis einschließlich 15. Juli für Sportboote zu sperren. Grund dafür ist ein Fachgutachten, das den hohen ökologischen Wert der Pegnitz betont. Der Fluss sei ein Lebensraum für bedrohte Vogel- und Fischarten. Man müsse die sensible Natur schützen, sagte Nürnbergs Umweltreferentin Britta Walthelm (Grüne).

Neben kommerziellen Bootsverleihern beträfe die geplante Verordnung auch Sportvereine. Unter anderem die Sektion Nürnberg des Deutschen Alpenvereins (DAV) übte Kritik an dem Vorhaben. «Seit über 70 Jahren ist der Kanusport ein fester Bestandteil unseres Vereinslebens», schrieb der DAV auf Instagram. «Wir nutzen die Pegnitz für Übungsfahrten und führen regelmäßig Müllsammelaktionen durch, um unsere Natur zu schützen. Doch jetzt sollen uns diese Möglichkeiten genommen werden.» (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Unter dem Motto „Heritage meets innovation in the Green Heart of Germany“ lädt die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) vom 20. bis 23. September 2026 gemeinsam mit der Thüringer Tourismus GmbH zum Thuringia Travel Summit nach Erfurt.

Eine aktuelle Datenanalyse beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung deutscher Touristen für die Gastronomie und Hotellerie in europäischen Reisezielen im Sommer 2026.

Auf dem Tegernsee ist das erste elektrische Passagierschiff in Betrieb genommen worden. Die neue „Gmund“ bietet Platz für bis zu 180 Fahrgäste und verfügt laut dpa über eine Batteriekapazität für rund zehn Stunden Fahrbetrieb.

 

Der Tourismus in Sachsen kommt nach neu berechneten Daten auf einen Bruttoumsatz von 9,8 Milliarden Euro und eine Wertschöpfung von rund 4,6 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2026 stiegen zudem Gästeankünfte und Übernachtungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Der Schiefe Turm von Bad Frankenhausen ist mittlerweile schiefer als der Turm von Pisa und nach einer Sicherung und dem Ausbau als Besucherzentrum für Gäste eröffnet worden. Das Projekt kostete rund 14,5 Millionen Euro und soll die touristische Entwicklung der Kyffhäuserregion stärken.

Uber bietet im September erstmals Tagesausflüge mit dem sogenannten Weintaxi von Frankfurt in den Rheingau an. An vier Wochenenden stehen täglich vier Fahrzeuge für Touren zu Weingütern im Rheingau zur Verfügung.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat Booking.com verklagt. Streitpunkt ist die Weiterleitung bei „Flug + Hotel“-Angeboten zu lastminute.com der COMVEL GmbH, die nach Auffassung der Verbraucherschützer nicht ausreichend deutlich gemacht wird.

Erstmals seit der Flutkatastrophe im Himalaya-Gebirge im Grenzgebiet zu Nepal haben chinesische Behörden Details zu den auf ihrer Seite vermissten Ausländern bekanntgegeben. Unter den 261 Vermissten sind auch drei Deutsche.

Camping gewinnt in Deutschland weiter an Bedeutung. Laut einer aktuellen Umfrage des ADAC zählt inzwischen jeder Vierte ab 16 Jahren zur Camping-Zielgruppe. Besonders stark gewachsen ist der Anteil in der Altersgruppe der 16- bis 39-Jährigen.

TUI will im Geschäft mit günstigeren Reisen wachsen und setzt dafür auf die neue Low-Cost-Marke Sundeals. Das Angebot ist zunächst auf Großbritannien ausgerichtet und wird ausschließlich online vertrieben. Beim Aufbau greift der Reisekonzern auf Erfahrungen von l’tur zurück.