Times Square in New York wird 120

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Der eigentliche Namensgeber ist längst weitergezogen, aber der weltberühmte Name bleibt. Anfang des 20. Jahrhunderts baute sich die «New York Times» ein Hochhaus an der 42nd Street in Manhattan, zwischen 7th Avenue und Broadway. Der damalige Bürgermeister George McClellan unterzeichnete daraufhin am Montag (8. April) vor genau 120 Jahren eine Resolution, die die nördlich des Gebäudes gelegene, langgezogene dreieckige Kreuzung offiziell in «Times Square» umbenannte. «Times Square ist der Name des neuen Zentrums der Stadt», titelte die namensgebende Tageszeitung am nächsten Morgen. 

Vorher hatte der Platz Long Acre Square geheißen, nach einem früheren Kutschenviertel in London, denn auch rund um den heutigen Times Square waren einst Pferde und Kutschen untergebracht. Aber an diesem Namen hing niemand so richtig und mit der Ankunft von immer mehr Autos und Wolkenkratzern wie dem der «New York Times» schien der neue Name zeitgemäßer. Die Tageszeitung selbst zog allerdings schon 1913 weiter in den Westen Manhattans und verkaufte den «One Times Square»-Turm 1961. 

Der Turm bleibt Wahrzeichen des Platzes, der längst zu einer der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Millionenmetropole geworden ist. Umhüllt wird das Gebäude - das seit vielen Jahren fast komplett leer steht, renoviert wird und nach derzeitigen Plänen in ein Museum mit Aussichtsplattform verwandelt werden könnte - inzwischen von Nachrichten-Laufbändern und riesigen bunten Werbebildschirmen, so wie auch viele andere Häuser rund um den Platz. Das ist mit ein Grund dafür, dass es dort immer fast taghell und das Strahlen auch aus der Ferne zu sehen ist.

Fast 400 000 Menschen laufen nach Zählungen des Nachbarschaftsverbands Times Square Alliance inzwischen jeden Tag rund um die Uhr über die «Kreuzung der Welt». Rund dreimal so viele sind es jährlich an Silvester, wenn auf dem Platz mit Konfetti sowie den Liedern «Auld Lang Syne» und «New York, New York» das neue Jahr eingeleitet wird. Die Augen von Millionen Menschen - auf dem Platz selbst und auf Bildschirmen weltweit - sind dann auf die Spitze von «One Times Square» gerichtet, wo für den sogenannten «Ball Drop» traditionell eine leuchtende Kristallkugel an einem Fahnenmast heruntergleitet.

Aber nicht nur an Silvester, am Times Square ist immer Programm. Wenige Jahre nach der Umbenennung wandelte sich die Gegend rund um den langgezogenen Broadway-Verkehrsknotenpunkt, an dem sich rund ein halbes Dutzend U-Bahn-Linien kreuzen, zu einem Theaterviertel und ist bis heute das Zentrum der Szene in New York. Drumherum aber verkam der Platz jahrzehntelang, wurde zu einem Anziehungsort für Drogen, Kriminalität, Pornokinos, Sexshops und Prostituierte. 

In den 1980er Jahren entschied sich die Stadtverwaltung, dagegen vorzugehen. Rund um den Times Square herum wurde aufgeräumt, gesäubert und renoviert. Inzwischen ist der Platz selbst zu großen Teilen Fußgängerzone. Der Broadway-Theaterszene verhalf das zu einem Boom, Erfolgsstücke wie «Der König der Löwen» oder «Hamilton» ziehen jeden Abend tausende Menschen an, dazu gibt es Geschäfte, Hotels, Restaurants, Bars und ein ganzes Broadway-Museum. Meist als Comicfiguren verkleidete Straßenkünstler oder auch ein inzwischen berühmt gewordener nur mit Unterhose, Cowboy-Hut und Gitarre bekleideter Mann belustigen gegen Spenden die vielen Touristen.

So richtig ruhig, fast schon gespenstisch, war es auf dem Times Square bislang wohl nur in den ersten Monaten der Corona-Pandemie. Damals war dann auch zum ersten Mal ein ganz besonderes Kunstwerk gut zu hören: Die Klang-Installation «Times Square» des 2009 gestorbenen US-Künstlers Max Neuhaus, bei der Glockenklänge aus einem Bodengitter dringen - ohne jedes erklärende Hinweisschild.

«Wir wollen, dass der Times Square ein Platz ist, der unsere Kultur auf jede Art und Weise erfasst und feiert», heißt es vom Nachbarschaftsverband Times Square Alliance. «Wir wollen, dass es ein vibrierender und demokratischer öffentlicher Ort ist, der das zivile, kulturelle und kommerzielle Leben in unserer Stadt veranschaulicht. Wir wollen, dass es ein Ort von und für New Yorker ist, den wir stolz mit dem Rest der Welt teilen.» Deswegen organisiert der Verband neben der großen Silvester-Party beispielsweise Kunstaktionen, Hochzeiten und Verlobungen am Valentinstag und anlässlich des Welt-Yoga-Tages jedes Jahr im Juni Massen-Yogastunden mitten auf dem Platz. 

Für viele New Yorker aber ist der Platz zur Touristenfalle verkommen. Zwar müssen viele den vollgestopften Verkehrsknotenpunkt häufig nutzen, auf dem Weg zur Arbeit oder ins Theater etwa, so richtig gerne und freiwillig machen das aber nur die wenigsten. Man sei nur «zu Forschungszwecken da», solle man raunen und dann schnell wieder verschwinden, wenn man doch einmal auf dem Times Square sei und dort zufällig auch noch einen Bekannten treffe, riet ein Stadtmagazin. Manche wünschen sich sogar schon die Zeit zurück, bevor der Platz sauber und verkehrsberuhigt war, so wie die berühmt-kritische Autorin Fran Lebowitz: «Der Times Square ist inzwischen die schlimmste Gegend der Welt.» (dpa)


 

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