Tourismusseelsorge - Kirche sucht Nähe zu Urlaubern am Meer

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Zuhören im Strandkorb und gemeinsames Beten am Strand: Zum Ende des Sommers ziehen die Nordkirche und das Erzbistum Hamburg eine positive Bilanz ihrer Tourismusseelsorge an Nord- und Ostsee in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Besonders gefragt waren demnach offene Angebote wie Strandgottesdienste, Abendsegen und Gespräche im Strandkorb. 

Zum Programm der Kirchen gehören aber auch Familienfrühstücke und -feste, Geschichten und Bastelangebote für Kinder, Atemübungen im Kurpark, geführte Wanderungen mit einer Einführung ins Pilgern und vieles mehr. Bei den Gesprächen ging es nicht nur um Urlaubserlebnisse, sondern auch um Einsamkeit, familiäre Konflikte, Krankheit, Trauer und andere persönliche Krisen. 

Kirche dort, wo Menschen Urlaub machen

Doch warum dieses Angebot? «Im Urlaub öffnen sich Menschen für Fragen, die im Alltag oft keinen Raum finden», sagte die Referentin für Kirche und Tourismus der Nordkirche, Doris Hamer. Die Nordkirche wolle deshalb dort präsent sein, wo Menschen Ruhe und Erholung suchten - nicht nur in Kirchengebäuden, sondern auch an Stränden, auf Spazierwegen oder an anderen unerwarteten Orten. Ehrenamtliche gestalteten die Angebote mit ihren persönlichen Begabungen und machten so Gastfreundschaft und Offenheit erfahrbar.

Auch das Erzbistum Hamburg versteht seine Tourismuspastoral als eine Form der aufsuchenden Seelsorge. «Als flächenmäßig größtes Bistum von Deutschland macht das Erzbistum Hamburg sein Herz ganz weit auf, um Menschen in ihrer Vielfalt willkommen zu heißen», heißt es. Einheimische, Zugezogene und Urlauber sollten mit ihren Interessen und kulturellen Wurzeln im Mittelpunkt stehen.

Abendsegen und Gottesdienst am Strand

Als einen besonderen Höhepunkt der Nordkirche nennt Hamer den Abendsegen am Nordseestrand in Büsum. Wenn der Posaunenchor spiele, die Sonne untergehe und die Wärme des Tages nachklinge, entstehe ein Moment, der viele Menschen tief berühre. Familien mit kleinen Kindern nähmen besonders die Gute-Nacht-Geschichten mit Liedern, Handpuppenspiel und Mitmachaktionen gerne an.

Pater Ralf Winterberg, Tourismusseelsorger des Erzbistums in Dahme (Ostholstein), hebt die Strandgottesdienste in Dahme und Hohwacht hervor. Wenn sich Menschen vor oder auf der Seebrücke versammelten, werde spürbar: «Gottes Nähe kennt keine Mauern.» Viele Gäste sagten anschließend, dies sei ihr schönster Urlaubsmoment gewesen - verbunden mit Frieden und Gemeinschaft.

Gespräche entstehen oft nebenbei

Die Tourismusseelsorge unterscheidet sich nach Einschätzung beider Kirchen vor allem durch ihre niedrige Zugangsschwelle von anderen seelsorgerischen Angeboten. «Die Veranstaltungen finden häufig direkt dort statt, wo sich die Menschen aufhalten: am Strand, auf der Promenade, an der Seebrücke, im Kurpark, im Wald oder an einem Kloster», sagte Pater Winterberg. 

«Es muss keine Tür durchschritten werden», sagte auch Julia Most, Tourismusseelsorgerin des Erzbistums zwischen Flensburger Förde und Schlei. Die meisten Angebote seien kostenlos. Urlauber hätten oft Zeit, sich auf neue Themen einzulassen. Zugleich fielen Ablenkungen des Alltags weg, sodass wichtige Fragen manchmal überhaupt erst zum Vorschein kämen.

Gespräche entstünden häufig beiläufig - beim Basteln, während eines Spaziergangs oder nach einer Andacht. «Viele Menschen sprechen im Urlaub offener, weil der Abstand zum Alltag guttut», sagte Hamer. Belastungen, die sich zu Hause nur schwer ansprechen ließen, könnten in der Distanz leichter zur Sprache kommen. «Im Urlaub kommen Menschen sich selbst wieder näher, oft ohne die "Maske", die sie im Alltag tragen.» Diese Offenheit sei ein Geschenk, das die Kirche seelsorgerlich begleite. 

Zuhören im Strandkorb

Ein Beispiel für diesen Ansatz ist der «Zuhörkorb» des Erzbistums Hamburg, der in Ostholstein entwickelt wurde. Die Seelsorgenden berichten dort von spontanen Sympathiebekundungen, Informations- und Hilfegesuchen sowie Gesprächen über Einsamkeit im Urlaub.

Manche Kontakte beginnen mit Fragen zum Wetter, zum Sport oder zum Heimatort. Daraus können Gespräche über familiäre Belastungen, persönliche Projekte, die Partnerschaft oder die Situation im Beruf entstehen. In der Regel ergeben sich pro Öffnungszeit ein bis drei längere Gespräche mit erhöhtem Zuhörbedarf, sagte Pater Winterberg.

Auch Most war von Mai bis Ende Juli regelmäßig mit einem Strandkorbangebot in Glücksburg und Damp unterwegs. «Bei jedem Mal hatte ich sehr interessante, tiefgründige und bereichernde Gespräche. Selbst bei Regen und Sturm - bei diesem Wetter war es sogar am intensivsten.» Die meisten Menschen seien spontan vorbeigekommen, einige auch gezielt aufgrund ihrer Plakate.

Im Urlaub für die Seele sorgen

Die Passanten hätten es positiv aufgenommen, dass die Kirche sichtbar und unmittelbar ansprechbar sei, sagte Most. Es habe sowohl kurze Gespräche als auch Begegnungen über Krankheit, Trauer, Überforderung, Hoffnungslosigkeit und persönliche Krisen gegeben. «Aussprechen tut gut - dadurch kommt etwas in Bewegung», sagte Most. Die Weite des Meeres, der Himmel und der Sand unter den Füßen machten es leichter, Gedanken zu ordnen, findet sie.

Auch Hamer von der Nordkirche hat beobachtet, dass viele einfach dankbar, seien, dass Kirche da ist - offen, zugewandt und ansprechbar. «Urlauberseelsorge heißt: Im Urlaub für die Seele sorgen. Und genau das tun wir.» (dpa)


 

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