Bundespresseball im Adlon: Keine Einladung für AfD

| War noch was…? War noch was…?

Früher ging es nur ums Feiern, nun wird der Bundespresseball in Berlin zusehends politischer. Vor zwei Jahren war der ukrainische Botschafter Stargast beim großen Fest der Hauptstadtjournalisten und der Politik, voriges Jahr ging es im Hotel Adlon um Iran. Beim 71. Ball an diesem Freitag lautet das Motto: «Für die Pressefreiheit. Demokratie schützen.» Bewusst wolle man damit den Blick in diesem Jahr auch nach Innen, also auf Deutschland richten, sagte der Vorsitzende des Vereins Bundespressekonferenz, Mathis Feldhoff, der Deutschen Presse-Agentur. Als Konsequenz gilt die AfD bei dem traditionellen Ball nicht mehr als erwünscht. 

Erstmals seit dem Einzug der Partei in den Bundestag 2017 seien AfD-Politiker und ihre Pressesprecher nicht eingeladen worden, sagte Feldhoff. Er begründete die Entscheidung mit dem Verhalten der AfD gegenüber Journalisten und Medien, die gezielt von Veranstaltungen ausgeschlossen oder dort unter Druck gesetzt würden. Pressefreiheit und Demokratie seien aber untrennbar miteinander verbunden. «Die Partei passt nicht zu uns. Mit denen kann man kaum die Demokratie verteidigen.» 

Der Ball und das Motto richteten sich gegen jede Form von Extremismus und Unterdrückung von Pressefreiheit, sagte Feldhoff. «Das ist auch unser großes Thema: Wie schützen wir die Demokratie?» In einigen anderen europäischen Ländern könne man leider das Gegenteil sehen, die Unterdrückung der Medien gehe einher mit einer Abkehr von der Demokratie. Keine Einladungen gab es in diesem Jahr für die Botschafter Russlands und Saudi-Arabiens. 

Ein Sprecher der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel teilte mit: «Der Bundespresseball und die AfD haben in der Kürze der gemeinsamen Zeit eine besondere Beziehung zueinander aufgebaut, die nie ganz unkompliziert war.» Die AfD nehme es gelassen zur Kenntnis, «dass die Hauptstadtpresse lieber mit der etablierten Politik ungestört unter sich bleiben möchte». Dennoch wünsche man allen Teilnehmern «von Herzen eine rauschende Ballnacht».

Der Bundespresseball wird traditionell von der Bundespressekonferenz, dem Zusammenschluss der Hauptstadtjournalisten, veranstaltet. Eingeladen werden Journalisten, Verleger und Lobbyisten sowie die Bundesregierung und die großen Parteien mit ihren Abgeordneten. 2014 und 2015 erhielt die AfD-Parteispitze Einladungen, die AfD-Vorsitzende Frauke Petry kam ein Mal und feierte. 2016 wurde die AfD nicht dazu gebeten. Ab Herbst 2017, als sie in den Bundestag gewählt wurde, gab es Einladungen für die Parteispitze und die Fraktion. 2017 nahm kein AfD-Politiker teil, ab 2018 sagten einzelne AfD-Politiker zu.

Prominentester Gast bei dem Ball mit 2300 Gästen ist wie üblich der Bundespräsident. Frank-Walter Steinmeier kommt mit seiner Frau und eröffnet den Abend offiziell mit einem Walzer. Zugesagt haben außerdem bislang mehrere Minister, darunter Gesundheitsminister Karl Lauterbach mit seiner neuen Freundin, Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (beide SPD), Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und Familienministerin Lisa Paus (beide Grüne). Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner will mit seiner erst kürzlich öffentlich vorgestellten Lebensgefährtin, Schulsenatorin Katharina Günther-Wünsch (beide CDU) dabei sein. 

Party-Muffel sind wie früher Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), die absagten. Finanzminister Christian Lindner (FDP) ist verhindert, Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) kann ebenfalls nicht, wird aber beim Tanzen von ihrem Mann vertreten, der schon in den vergangenen Jahren ein ausdauernder Feierprofi war.

Wichtige Rollen bei dem Ball übernehmen drei andere Frauen. Die Deutschlandfunk-Journalistin Nadine Lindner wird mit dem Preis der Bundespressekonferenz ausgezeichnet. Sie habe höchst sachlich und analytisch über die Transformationsprozesse in Ostdeutschland und das Erstarken der AfD berichtet, teilten die Veranstalter mit. Die türkischstämmige Fernsehmoderatorin Pinar Atalay führt im Dinnersaal durch den Abend und die Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes moderiert im Ballsaal.

Angekündigt sind außerdem mehrere Auftritte des Zauberweltmeisters Marc Weide. Für die 400 Gäste beim Dinner stehen Jakobsmuscheln und Kalbsbacken mit grünem Spargel an, die Flaniergäste müssen wahlweise mit Lamm oder Fisch, Maultaschen oder Raclette und Currywurst oder Austern leben. Verschiedene Bands sorgen für Musik. Ein DJ trägt einen bekannten Sportler-Nachnamen. Noah Becker, Sohn von Ex-Tennisstar Boris Becker, legt vor und nach Mitternacht zweimal auf. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Castel Fragsburg bei Meran nimmt einen renovierten Tennisplatz in Betrieb. Die Anlage aus den 1970er-Jahren wurde nach einer langen Phase der Verwilderung für den Hotelbetrieb wieder instand gesetzt.

Neue Erkenntnisse nach der Feuerkatastrophe in Thailand: Ermittler sprechen von blockierten Notausgängen in dem Lokal und möglichen Verstößen gegen Brandschutzauflagen. Derweil steigt die Zahl der Toten.

27 Tote, mindestens 63 Verletzte – ein Brand in einem Lokal in der thailändischen Hauptstadt Bangkok erschüttert. Laut Bangkoks Gouverneur Chadchart Sittipunt prüfen die Ermittler unter anderem, ob Notausgänge versperrt gewesen seien und das Lokal die Brandschutzauflagen erfüllt habe. 

Auf ihrem Ryanair-Flug nach Bayern hören Passagiere kurz nach dem Start einen lauten Knall. Eine Fensterscheibe zerbricht, es folgen dramatische Szenen - und ein wohl glimpfliches Ende des Vorfalls.

Am 11. Juli 2025 startete am Landgericht Hamburg der spektakuläre Prozess um die Entführung der Block-Kinder. Was 63 Verhandlungstage später immer noch offen ist.

Kein Ganzkörper-Badeanzug für Musliminnen im Hotelpool? Das wertet die österreichische Justiz als Diskriminierung. Für die Tourismusbranche hat der Fall Signalwirkung.

Tausende protestieren in Tirana gegen Luxus-Resorts im Naturschutzgebiet – und setzen mit rosaroten Flamingos Regierungschef Edi Rama unter Druck. Bahnt sich im kleinen Balkanland ein Umbruch an?

Angebranntes Essen in einer Personalküche hat in Bad Reichenhall einen nächtlichen Feuerwehreinsatz ausgelöst. Rund 250 Hotelgäste mussten das Gebäude verlassen, verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand.

In einem ehemaligen, leerstehenden Hotel in Boppard-Bad Salzig sind Geschossdecken eingestürzt. Nach der Untersuchung durch einen Fachberater des THW und die Feuerwehr bestehe keine Einsturzgefahr für das Gebäude; Trümmerspürhunde fanden keine Hinweise auf Personen im Objekt.

Kochen mit Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey: Die SPD-Politikerin hat ein kleines Kochbuch verfasst. Sie reagiert damit auf die Bitten ihrer Follower, wie Giffey bei Instagram erklärt.