Der schwierige Weg zur Wahrheit - ein Jahr Block-Prozess

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Wer hat den Auftrag zur Entführung der Kinder der Unternehmerin Christina Block gegeben? Die Mutter selbst, der Anwalt der Familie, eine ganz andere Person oder handelten die Täter gar auf eigene Faust? Seit einem Jahr versucht das Landgericht Hamburg die Ereignisse in der Silvesternacht 2023/24 in Dänemark juristisch aufzuarbeiten.

63 Prozessetage sind vergangen. Dutzende Zeugen wurden befragt. Verteidiger und Nebenklage stellten unzählige Anträge. Sechs der sieben Angeklagten weisen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. Der Vorwurf der Lüge wurde von unterschiedlichen Seiten schon mehrmals erhoben. Weiterhin ist unklar: Wer sagt die Wahrheit?

Was steht noch aus, bis ein Urteil fällt?

Nach mehr als zwei Wochen Pause soll der Prozess Ende Juli mit der Befragung der forensisch-jugendpsychiatrischen Sachverständigen fortgesetzt werden. Das mit Spannung erwartete Gutachten will klären, wie stark die Folgen der Entführung für die seelische Entwicklung der Kinder ist.

Im August sind dann noch einmal sechs Verhandlungstage für die Befragung der Hauptermittlerin der Hamburger Polizei reserviert. Verteidigung und Staatsanwaltschaft könnten jederzeit neue Anträge stellen. Insgesamt hat die Kammer rund 100 Prozesstage bis Jahresende angesetzt. Ob sie alle gebraucht werden, ist offen.

Wer sind die Angeklagten?

Christina Block (53), der langjährige Anwalt der Familie, Andreas Costard (64), und ein 36-jähriger Israeli sind die Hauptangeklagten. Block und Costard sollen einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung der Kinder vom dänischen Wohnort des Vaters erteilt haben. Vier weitere Angeklagte - Blocks Lebensgefährte, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling, sowie ein deutscher Sicherheitsunternehmer und ein Ehepaar - stehen wegen Beihilfe vor Gericht.

Alle Angeklagten bestreiten, etwas Unrechtes getan zu haben - bis auf den Israeli. Der 36-Jährige betont allerdings, er glaubte, als Held an einer Rettungsaktion teilzunehmen. Für alle Beschuldigten in dem spektakulären Fall gilt die Unschuldsvermutung.

Welche Erkenntnisse brachte die Verhandlung über die Tatnacht?

Mehrere Männer sollen dem Vater und den Kindern aufgelauert haben, während sie an ihrem Wohnort Gråsten (Gravenstein) das Feuerwerk beobachteten. Nach Angaben der Anklage wurde Blocks Ex-Mann Stephan Hensel zusammengeschlagen. Die Täter zerrten den Jungen und das Mädchen (damals 10 und 13), die sich wehrten, in ein Auto.

Laut Staatsanwaltschaft sollen die Entführer die Fahrzeuge in der Nähe der Grenze gewechselt haben. Dabei verschlossen sie den Kindern mit Klebeband den Mund. Die Tochter sei an den Händen gefesselt worden. Mit einem Wohnmobil fuhr die Gruppe demnach weiter nach Baden-Württemberg. Dort blieben die Kinder bis zum Eintreffen der Mutter am 1. Januar 2024, dann ging es weiter nach Hamburg.

Wie konnte es so weit kommen?

Nach der Trennung des Ehepaares Block/Hensel lebten die vier Kinder erst bei der Mutter in Hamburg. Der Vater lernte eine neue Frau kennen. Die Kinder besuchten den Vater regelmäßig in Dänemark.

Im Sommer 2021 kam es zum Streit zwischen der Mutter und ihrer ältesten Tochter. Die Teenagerin wollte daraufhin lieber beim Vater wohnen und bekam dafür die Erlaubnis der Mutter. Nur wenige Wochen später fuhr der Ex-Mann die beiden jüngsten Kinder nach einem Besuch nicht wie vereinbart zurück nach Hamburg. Der Kontakt der Mutter zu dem Jungen und dem Mädchen brach ab. Die zweitälteste Tochter lebt weiter bei der Mutter in Hamburg.

Wie verlief der Sorgerechtsstreit?

Block kämpfte jahrelang juristisch, bekam in Deutschland das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zugesprochen. Doch im Februar 2023 entschied ein dänisches Gericht, dass der Junge und das Mädchen zwar widerrechtlich nach Dänemark gebracht worden seien, sie aber nicht zurückgeführt werden könnten.

Wenige Tage nach Neujahr 2024 entschied das Hanseatische Oberlandesgericht aufgrund seines Eilantrags, dass dem Vater die nun wieder in Deutschland befindlichen Kinder zurückgegeben werden müssen. Das geschah noch am selben Tag.

Was sagt er, was sagt sie?

Der Fall Block hat eine lange Vorgeschichte geprägt von gegenseitigen Vorwürfen. All das wird im Gerichtssaal ausgebreitet - vor der Öffentlichkeit, begleitet von Livetickern und Podcasts.

Hensel wirft der Mutter vor, den Kindern Gewalt angetan zu haben. Deshalb hätten der Junge und das Mädchen im August 2021 nicht zu ihr zurückgewollt. Er hindere die Kinder nicht am Kontakt zur Mutter, aber sie wollten nichts mehr mit ihr zu tun haben.

Block bestreitet, dass es Gewalt gab, als die Kinder bei ihr lebten. Die Lüge habe sich ihr Ex-Mann aus Rache ausgedacht, er manipuliere die Kinder. Unter Tränen schildert sie, wie sehr sie ihren Sohn und ihre Tochter vermisse. Die Entführung bezeichnet sie als eine «Katastrophe». So etwas hätte sie niemals gewollt und habe von den Planungen auch nichts gewusst.

Was hat der mutmaßliche Chef der Kidnapper gesagt?

Mitten im Prozess meldete sich der Chef der israelischen Cyber-Sicherheitsfirma, David Barkay, und bekam für seine Zeugenaussage sicheres Geleit. Die Version des 69-Jährigen: Er sei engagiert worden, um die Familie des Ex-Mannes auszuspionieren und Informationen zu sammeln, die im Sorgerechtsstreit helfen sollten. Als das nicht den gewünschten Erfolg gebracht habe, sei der Druck auf ihn immer größer geworden.

Auch der Vater von Christina Block, der Gründer der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, sei informiert gewesen. Christina Block sei bei einem Treffen mit maskierten Männern im Hotel Grand Elysée kurz vor der Tat dabei gewesen und habe ihnen gedankt. Die Angeklagte bestreitet, dass es so ein Treffen gab.

Wie ist die Stimmung im Gerichtssaal?

Sehr angespannt. Fester Bestandteil sind die Wortgefechte, die sich Verteidiger, Nebenklage und Vorsitzende Richterin liefern. So dürfte es auch an den nächsten Prozesstagen weitergehen. (dpa)


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