Eis aus Kamelmilch: Deutscher fliegt zur WM in die USA

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Auf den ersten Blick wirkt der unscheinbare Nebenraum im hinteren Teil seiner Eisdiele wie eine Abstellkammer, die kaum mehr als drei Personen Platz bietet. Doch genau dort kreierte Thomas Micolino das beste deutsche Eis 2025, mit dem er schon bald zur Weltmeisterschaft nach Las Vegas fliegen wird. 

«Kamelatte» nennt er seine Kreation – und der Name ist Programm. Denn statt herkömmlicher Kuhmilch nutzt der Inhaber des Eiscafés Rino in Rottenburg am Neckar (Landkreis Tübingen) die Milch von Kamelen. 

Micolino probiert sich gerne aus

Bei seinen Kunden ist die Sorte längst einer der Favoriten. Doch wie schmeckt das sogenannte weiße Gold der Wüste? Immer wieder fällt bei den Rottenburgern der Begriff «anders». Stammkundin Simone Schmid wird etwas konkreter: «Es ist sehr cremig, erfrischend und gleichzeitig knackig.» Micolino selbst findet sein Eis «leicht salziger» als gängige Kuhmilch.

Für Stammkunden des Rino sind ungewöhnliche Sorten nichts Neues. In der Eisdiele am Marktplatz gab es auch schon die Sorten Lachs, Holz, Gorgonzola und Leberwurst. Ein Insekteneis mit Grillen schaffte es sogar ins indische und US-amerikanische Fernsehen. «Man muss sich trauen im Leben. Ich traue mich immer», sagt Micolino. Spätestens mit seinem Kameleis zahlt sich dieser Mut aus. 

Krankheit führt zur Erfindung

Es ist aber nicht die Kamelmilch allein, die sein Eis zum besten in ganz Deutschland machte. Gerhard Schenk, Präsident des Deutschen Konditorenbundes, saß im vergangenen Jahr in der Jury, die Micolino zum Deutschen Meister kürte. «Das hatte nicht unbedingt was mit der Kamelmilch zu tun», erinnert er sich. «Das beste Eis ist nicht immer das leckerste oder originellste.» Entscheidend sei das Gesamtpaket, unter anderem aus Optik, Deko oder Konsistenz.

Teil der Bewertung war auch die Geschichte hinter dem Eis. Bei Micolino ist es eine sehr persönliche: Wegen der chronischen Darmentzündung Morbus Crohn musste der 36-Jährige lange auf herkömmliche Milchprodukte verzichten. Kamelmilch dagegen war erlaubt. «Da ist mir ein Licht aufgegangen», sagt der Gelatiere.

Nach drei Monaten Tüftelei war das Eis fertig. Micolino tritt mit seiner Kombination aus Kameleis, geräuchertem Dattelhonig, Pistazien und Polenta an. Er kämpft im Finale der Gelato Festival World Masters vom 24. bis 26. März in Las Vegas um den WM-Titel. 

Dort tritt er gegen die 70 besten Eismacher aus aller Welt an, zwei von ihnen kommen ebenfalls aus Deutschland. Allein die Teilnahme ist für Micolino schon eine «Riesenehre», wie er sagt. Stammkundin Schmid ist zuversichtlich, was die WM-Chancen angeht: «Er wird auf jeden Fall gewinnen. Da bin ich mir ganz sicher.» 

Auch Micolino verspricht: «Ich bin zu 110 Prozent auf diese Weltmeisterschaft fokussiert.» So sehr, dass er bis Ende März sogar darauf verzichtet, an neuen Sorten zu basteln.


 

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