Forschungsstation Neumayer III - Zu Weihnachten gibt es in der Antarktis Bratapfel-Tiramisu

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Foto: Felix Riess - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25468298

Auch in der Antarktis wird es zu Weihnachten etwas Besonderes zu essen geben: Die aktuelle Mannschaft der Forschungsstation Neumayer III kann sich auf Hochrippe vom Rind mit Sauce béarnaise, Marktgemüse und Herzoginkartoffeln freuen, wie Koch Thorben Koeppen sagt. Vorweg wird eine Apfel-Blumenkohl-Suppe mit Zimtnüssen serviert, den Abschluss des Menüs bildet ein Bratapfel-Tiramisu. 

Die Zubereitung wird allerdings sein Nachfolger Richard Pozgaj aus Landsham bei München übernehmen. Nach einem Jahr in der Eiswüste verlässt Koeppen kurz vor Weihnachten die Antarktis. Zunächst bleibt er drei Wochen in Südafrika, bevor es in seine Heimatstadt Wilhelmshaven geht. Dort wird er als Erstes ein Fischbrötchen essen. «Das ist eine kleine Tradition von mir, wenn ich von meinen Reisen zurückkomme», sagt Koeppen, der auch schon auf einem Eisbrecher am Nordpol gekocht hat.

Wilhelmshavener kochte ein Jahr in der Eiswüste

Ein Jahr lang hat Thorben Koeppen auf der Neumayer-Station III in der antarktischen Eiswüste gekocht. Dabei hat er viele besondere Momente erlebt - auch bei einer ungewöhnlichen Tätigkeit.

Dieses Weihnachten wird Thorben Koeppen wieder in einem urbanen Umfeld sein. Das Fest 2024 und das ganze zu Ende gehende Jahr war der gebürtige Wilhelmshavener weit davon entfernt: Der Koch war Teil des 45. Überwinterungsteams auf der deutschen Forschungsstation Neumayer III in der Eiswüste der Antarktis. 

Das bedeutete: die Mannschaft abwechslungsreich zu bekochen, auch wenn Frisches Mangelware ist. Pro Jahr kommt nur eine große Lieferung mit Lebensmitteln mit dem Eisbrecher Polarstern und drei kleinere mit dem Polarflieger. «Als ich das erste Mal nach Monaten wieder an frischem Obst und Gemüse riechen konnte, war das ein absolutes Erlebnis», berichtet der 37-Jährige.

«Ich kriege sehr schnell Fernweh»

Thorben Koeppen hat in Bad Zwischenahn Koch gelernt und liebt das Reisen sowie das Abenteuer - auch bei der Arbeit. Er hat schon in Küchen im österreichischen Skigebiet, auf Sylt und auf Kreuzfahrtschiffen gekocht. In Neuseeland war er ein halbes Jahr. 

«Ich kriege sehr schnell Fernweh», sagt er. Bisheriger Höhepunkt für ihn war ein Job auf einem russischen Eisbrecher während einer Arktis-Expedition vor gut sieben Jahren. «Wir haben uns am Nordpol einfrieren lassen und für die Gäste auf dem Eis ein Barbecue veranstaltet», berichtet er. «Spaßeshalber habe ich gesagt: Jetzt will ich auch noch am Südpol kochen.»

Im Sommer für 55 Leute gekocht, im Winter für neun

Als er hörte, dass es möglich sei, sich für einen Job in der vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut betriebenen Forschungsstation in der Antarktis zu bewerben, zögerte er nicht lang - und bekam den Zuschlag. «Zwar ist es nicht ganz der Südpol geworden, aber die Richtung stimmt», sagt Koeppen.

Im November 2024 kam er an, kochte im antarktischen Sommer für rund 50 Bewohnerinnen und Bewohner. Im Winter, als die Station nicht mehr erreichbar war, bestand das Team noch aus neun Leuten.

Pinguine ein Jahr lang begleitet

Der Aufenthalt auf dem Ekström-Schelfeis in der Ostantarktis habe alle seine Erwartungen übertroffen. «Jeden Tag sieht hier die Schneelandschaft anders aus», betont er. Das Leben der Kaiserpinguine in der nahen Atkabucht ein Jahr zu begleiten, sei einer der Höhepunkte gewesen. 

«Wir haben beobachtet, wie sie sich gepaart haben, wie sie die Ei-Übergabe geprobt haben und wie Küken geboren wurden. Das war Wahnsinn.» Wenn er jetzt an die tierischen Nachbarn denke, komme bereits Wehmut auf. Aber auch im Schnee zu laufen, wenn es richtig kalt ist, und absolut nichts zu riechen, sei faszinierend. Auch die Polarlichter seien beeindruckend gewesen. «Es gab so viele Momente, die besonders waren.»

Bei einem Notfall musste er als Zahnarzt tätig werden

Der Wilhelmshavener war aber nicht nur als Koch tätig, sondern nebenbei auch noch Assistent der Stationsärztin. Dafür hatte es in Bremerhaven extra Vorbereitungskurse gegeben. Tatsächlich kam es zu einem ganz besonderen Einsatz: Als die Ärztin Zahnschmerzen hatte, musste er ihr eine Betäubungsspritze geben, den Zahn behandeln und eine provisorische Füllung einsetzen - angeleitet von einem Zahnarzt im niedersächsischen Otterndorf per Videoübertragung. «Das war spannend», erzählt er. Seinen Job machte er gut: Anschließend hatte die Patientin keine Schmerzen mehr. 

Endlich wieder Fenster öffnen

Entgegen seinen Erwartungen sei es selbst in der Phase der Überwinterung in kleiner Besetzung nicht einsam gewesen. «Wir hatten ein wunderbares Team», betont er. Außerdem sei man durch das Internet gefühlt nicht weit weg von Zuhause. Was er am meisten vermisst hat? «Einfach mal das Fenster zu öffnen.» Das sei wegen des in sich geschlossenen Belüftungssystems der Station nicht möglich. 

Bald kann er wieder Fenster öffnen. Seinen Nachfolger Richard Pozgaj hat er schon eingearbeitet. Der Kollege wird in diesem Jahr für das Weihnachtsmenü der Crew zuständig sein.

Für Thorben Koeppen geht es zunächst für drei Wochen nach Kapstadt - ein bisschen Wärme tanken. Im neuen Jahr führt ihn sein Weg in seine Heimat Wilhelmshaven, wo er seine Mutter besucht. Dort wird er als Erstes ein Fischbrötchen essen. «Das ist eine kleine Tradition von mir, wenn ich von meinen Reisen zurückkomme», sagt Koeppen. (dpa)


 

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