Hotel fliegt von Booking-Plattform - Herberge lehnt Buchung mit antisemitischer Begründung ab

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Keine Juden erlaubt - mit dieser Antwort an einen Gast aus Israel hat ein Hotel in der Oberpfalz für Fassungslosigkeit gesorgt. «Sind wir wieder in den 1930er Jahren?», fragte die Generalkonsulin des Staates Israel für Süddeutschland auf der Plattform X mit Blick auf die systematische Entrechtung und Ermordung von Juden im Nationalsozialismus. Das «Hotel zum Hirschen» in Lam im Bayerischen Wald entschuldigte sich und lud den Gast zu einem kostenlosen Urlaub ein. Dennoch könnte ein strafrechtliches Nachspiel folgen - Volksverhetzung steht im Raum. 

Das ist passiert

Öffentlich gemacht hatte den Vorfall unter anderem die Generalkonsulin Talya Lador-Fresher. In dem Post auf X zitierte sie die Antwort, die ein Mann aus Israel auf seine Buchungsfrage über die Plattform Booking.com erhalten hatte: «Sorry, there are no Jews allowed in our hotel» («Entschuldigung, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.»). 

So reagiert das Hotel

Das Hotel ist um Schadensbegrenzung bemüht. «Wir sind keine Antisemiten», sagte Juniorchef Andreas Vogl auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. «Das ist überhaupt nicht unser Weltbild.» Im Grunde genommen sei es ein Irrtum gewesen, «ein dummer Irrtum auf unserer Seite und die falsche Reaktion darauf». 

Bei dem Gast entschuldigte sich der Familienbetrieb: «Es war definitiv falsch von uns, auf diese Art und Weise im Chat zu antworten», heißt es in einer E-Mail, die auch an die Bayerische Staatskanzlei ging. Darin erläutern die Betreiber, wie es zu der Äußerung kam. Man kämpfe seit längerer Zeit mit gefälschten Buchungen und Phishing-Versuchen über eine Buchungsplattform, bei denen Nutzerdaten gestohlen worden sein sollen, so ihre Begründung. 

Auch bei der Anfrage aus Israel habe man fälschlicherweise angenommen, dass es sich um einen Fake handele. «Es ist uns aber wirklich äußerst wichtig, dass Sie verstehen, dass diese Äußerung nicht im Hinblick auf Menschen jüdischen Glaubens gemacht wurden, sondern aus Ärger über die zahlreichen Fake-Buchungen», heißt es in dem Schreiben. «Das war nichtsdestotrotz inakzeptabel und darf so in einem professionellen Betrieb nicht passieren.»

Doch woher kam dann der Zusammenhang zu Juden? «Das war eine Buchung aus Israel», sagte Vogl der dpa. Dass der Gast jüdisch war, habe man nicht gewusst. 

Mögliche strafrechtliche Folgen

Die Justizbehörden sind bereits tätig. Der Zentrale Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Justiz habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, teilte die Generalstaatsanwaltschaft München mit. Es gehe um den Anfangsverdacht der Volksverhetzung. Gegenstand der Ermittlungen sei zunächst «die vollständige Aufklärung des Sachverhalts». Nähere Angaben machte die Behörde nicht, stellte aber klar: «Es gilt die Unschuldsvermutung.»

Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle ordnet den Vorfall als «eindeutig antisemitische Äußerung eines Hotels im Landkreis Cham» ein. Diese habe man an die zuständigen Behörden zur Prüfung und Weiterbehandlung weitergeleitet. «Es ist wichtig, dass wir mit offenen Augen auf solche Vorfälle reagieren und konsequent handeln», so Spaenle. 

Eine Überprüfung strafrechtlicher Konsequenzen hat auch der Zentralrat der Juden in Deutschland gefordert. «Die menschenverachtende Aussage "keine Juden erlaubt" lässt sich unabhängig vom Versuch ihrer Kontextualisierung keinesfalls rechtfertigen», sagte Zentralratspräsident Josef Schuster. «Auch wenn ich die Entschuldigung für diese inakzeptable Äußerung zur Kenntnis genommen habe, bleibt es schockierend, dass jemand diesen Gedankengang nicht nur haben, sondern auch verschriftlichen und verschicken würde.»

Hotel fliegt von Plattform

Bei Booking.com war das Hotel nicht mehr zu finden. «Wir dulden keinerlei Diskriminierung», hieß es dazu von dem Unternehmen. «Wenn wir auf diskriminierendes Verhalten eines Unterkunftspartners aufmerksam gemacht werden, gehen wir dem immer umgehend nach und können Unterkünfte von unserer Plattform entfernen – so wie wir es auch in diesem Fall getan haben.» Ob das Hotel irgendwann auf die weit verbreitete Plattform zurück darf, dazu gab es keine Angaben. Hotel-Juniorchef Vogl räumt ein: «Das ist ein Riesen-Problem.» 

Das Landratsamt Cham und die Marktgemeinde Lam haben nach eigenen Angaben den Hotelbetreiber bis auf weiteres auf touristischen Webseiten gesperrt und aus dem touristischen Marketing genommen. «Antisemitismus hat im Landkreis Cham keinen Platz», hieß es. «Ein solcher Einzelfall darf nicht das Bild unserer zahlreichen engagierten und weltoffenen Gastgeber prägen.»

Juniorchef Vogl kritisierte indes die Art und Weise, wie das Ganze in den sozialen Medien ausgeschlachtet werde. Die Folge: Beleidigungen und sogar Morddrohungen auf verschiedensten Kanälen. 

Hoffen auf Wiedergutmachung

In der E-Mail lud das Hotel den Gast und dessen Familie für eine Woche kostenlos in die Oberpfalz ein, «um uns persönlich kennenzulernen, und um Ihnen zu beweisen, dass wir keine schlechten Menschen sind, die andere diskriminieren». Beim Hotel hofft man: «Vielleicht entsteht eine Freundschaft, wie auch immer». Was der Gast dazu sagt? Unklar. Er wolle sich nicht äußern und bitte darum, seine Privatsphäre zu respektieren, sagte er der dpa in Tel Aviv. 

Internationale «Empörung und Trauer»

Der Imageschaden dürfte indes gewaltig sein. Weltweit hörten Überlebende der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager diese Nachricht des antisemitischen Hasses «mit Empörung und Trauer», hieß es vom Internationalen Auschwitz Komitee. Dessen Präsidentin Eva Umlauf verwies auf ein von ihr verfasstes Buch über Beobachtungen im Deutschland von heute. «Es trägt den Titel: "Genau so fängt es an". Es ist dennoch entsetzlich, wenn meine Eindrücke jetzt auf erneute und so bizarre Weise bestätigt werden.» 

Und Christoph Heubner, Exekutiv-Vizepräsident des Komitees erinnert an eine Begegnung in Argentinien. «"Haben sie dort überhaupt irgendetwas gelernt?", fragte mich eine über 90-Jährige, die als jüdisches Kind aus dem Warschauer Ghetto geschmuggelt wurde und so überlebt hat.» (dpa)



 

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