Lebensmittelkontrolleure im Südwesten: Metall im Brötchen, Potenzmittel im Honig

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Restaurants, Imbisse und Kantinen haben die Lebensmittelkontrolleure im Südwesten im vergangenen Jahr kontrolliert - aber auch das Trinkwasser, Nahrungsergänzungsmittel, Tabakprodukte. Was die Prüfer dabei entdeckt haben - und welche Folgen das für die Betroffenen hatte. Ein Überblick: 

Weniger Schließungen

Rund 60.000 Betriebe haben die Lebensmittelkontrolleure im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg geprüft. Festgestellt haben sie dem Jahresbericht der Lebensmittelüberwachung zufolge rund 8.400 Verstöße. In 725 Fällen waren diese so gravierend, dass Betriebe geschlossen wurden. 2024 mussten die Kontrolleure noch in 956 Fällen zu diesem äußersten Mittel greifen. Allerdings wurde 2025 auch weniger Betriebe kontrolliert als noch im Vorjahr. 

Die Verstöße seien von den Verantwortlichen häufig sofort abgestellt worden. Passiere das nicht, würden weitere Maßnahmen ergriffen - bis hin zur Betriebsschließung. Die Verantwortlichen können zudem Bußgelder oder Strafanzeigen bekommen. Zudem würden Betriebe mit Verstößen häufiger kontrolliert und unter bestimmten Bedingungen im Internet veröffentlicht.

Ekelfunde in Bäckereien, Restaurants und Imbissen

In den meisten Fällen wurden Hygieneprobleme bemängelt. So fanden die Kontrolleure etwa Metalldrähte in Brötchen, verschimmelte Würste oder gammlige Schneidebretter. 

Auch den kreativen Umgang mit Abfällen dokumentieren die Prüfer in ihrem Jahresbericht. Im Garten eines Imbisses fanden die Prüfer etwa gekochte Nudeln und Müllsäcke mit anderen Speiseabfällen in einem Beet vergraben. In einem Restaurant entdeckten die Kontrolleure eine selbst aus Eimer gebaute Müllrutsche, die den Abfall vom Küchenfenster in die im Hof stehende Mülltonne leiten sollte. Das sei nicht nur für die Mülltrennung ein Problem, es könnten so auch etwa Schaben ohne Probleme in die Küche gelangen, schreiben die Prüfer.

Gefährliche Nahrungsergänzungsmittel

Sie werden in den sozialen Medien zur Entgiftung beworben, sind aber nach Untersuchung der Lebensmittelchemiker selbst gefährlich: Zeolithe. In Proben fanden die Prüfer aber einen gesundheitsgefährdend hohen Bleigehalt.

Als Wundermittel beworben wird dem Jahresbericht zufolge auch das teerartige Gemisch Shilajit aus dem Himalaya. Gefährlich war der Inhalt der untersuchten Proben den Prüfern zufolge zwar immerhin nicht - allerdings enthielten sie auch nicht die hohen Mengen an Mineralstoffen, mit denen geworben wurde.

Landwirtschaftsministerin Marion Gentges rief Verbraucher zu einer gesunden Skepsis gegenüber Versprechen auf. «Glauben sie nicht jedes Gesundheitsversprechen auf dem Bildschirm», sagte die CDU-Politikerin bei der Vorstellung des Jahresberichts in Fellbach bei Stuttgart. 

Kühlstoffe in E-Zigaretten

Untersucht haben die Prüfer auch die Inhaltsstoffe in E-Zigaretten. Diese enthalten oft auch sogenannte Kühlstoffe, die das Kratzen des Nikotins im Hals überdecken sollen. In einigen Produkten seien bis zu sechs Prozent Kühlmittel festgestellt worden. «Die milde Wahrnehmung kann über Suchtpotenzial und gesundheitliche Belastungen hinwegtäuschen», sagte Gentges. Bei besonders hoch dosierten Produkten könnten auch gesundheitlich bedenkliche Schwellenwerte erreicht werden. 

Pflanzenschutzmittel und Aluminium in Matcha

Sehr beliebt ist seit einigen Jahren auch Matcha. Der leuchtend grüne Tee aus Asien wird auch hierzulande viel konsumiert. Die Lebensmittelkontrolleure raten, beim Kauf auf Bio-Produkte zu achten. In diesen seien im Labor keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln festgestellt worden. Anders habe das bei zwei Tees aus konventionellen Anbau ausgesehen. 

In fast allen untersuchten Proben, egal ob Bio oder nicht, fanden die Prüfer Aluminium, das durch die Teesträucher aus dem Boden aufgenommen wird. Bei häufigem Konsum von Matcha könne dadurch die empfohlene Höchstmenge von Aluminium überschritten werden, heißt es im Jahresbericht. Ein gelegentlicher Genuss sei aber unbedenklich.

«Natürlicher» Potenzhonig mit Medikament versetzt

Die Prüfer untersuchten sogenannte Potenzhonige, die laut Aufmachung mithilfe natürlicher Pflanzenextrakte wie Ginseng oder Maca zu einem erfüllten Liebesleben verhelfen sollte. In allen untersuchten Proben fanden die Experten aber auch den Wirkstoff Sildenafil, der in Medikamenten zur Behandlung von Erektionsstörungen verwendet wird. Vom Verzehr solcher Honige raten die Kontrolleure dringend ab. Es gebe ein Risiko für Überdosierungen des eigentlich verschreibungspflichtigen Medikaments oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Vorsicht bei Grillzubehör

Die Labors des Landes prüfen nicht nur klassische Lebensmittel, sondern auch Gegenstände des täglichen Bedarfs auf Gesundheitsgefahren. Dabei stellten die Experten bei vielen Grillutensilien Probleme fest. Vor allem Einwegschalen aus Metall, aber auch Einweggrills und Grillspieße könnten in bestimmten Fällen Elemente ins Essen übertragen, etwas Aluminium, Nickel oder Eisen. Besondere Gefahr besteht den Experten zufolge, wenn Lebensmittel mit hohem Säuregehalt verwendet werden, etwa Tomaten oder saure Marinaden. (dpa)


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