Neue Ehefrau im Block-Prozess: «Hier lügt jemand»

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Mutter und Stiefmutter in einem Gerichtssaal: Die Sitzplätze der Angeklagten Christina Block und der neuen Ehefrau ihres Ex-Mannes im Saal sind fast nebeneinander. «Hier lügt jemand», sagt die Dänin Astrid Have als Zeugin über den seit Juli laufenden Prozess um die Entführung zweier Block-Kinder aus Dänemark. Die Tochter wünsche sich, die Mutter solle «endlich mal die Wahrheit sagen», sagt die 39-Jährige und wendet sich direkt an Block: «Denn das würde deinen Kindern helfen, Christina.»

Have, die fließend Deutsch spricht, berichtet über die Folgen der Entführung für die Familie. «Wir als Familie waren schockiert über die Erlebnisse», sagt Have, die sich nach eigenen Angaben als Hausfrau um die fünf Kinder der Patchwork-Familie in Dänemark kümmert. Weil ihr Ehemann Stephan Hensel bei dem Überfall verletzt wurde, ist der 51-Jährige auch Nebenkläger in dem Mammut-Prozess mit sieben Angeklagten. Das Hauptverfahren soll nach einer neuen Entscheidung des Gerichts erst am 10. Dezember fortgesetzt werden.

Block und Hensel, deren Ehe 2018 geschieden wurde, haben vier gemeinsame Kinder. Block und ihr Ex-Mann führen seit Jahren einen erbitterten Sorgerechtsstreit um die zwei jüngsten davon.

Block bestreitet Auftrag zur Entführung

Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, ist angeklagt, den Auftrag zur Entführung des damals zehn Jahre alten Jungen und der 13-jährigen Tochter in der Silvesternacht 2023/24 erteilt zu haben. Die 52-Jährige bestreitet das.

Die Kinder waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft von einer israelischen Sicherheitsfirma ihrem Vater gewaltsam entzogen und nach Deutschland gebracht worden. Laut Christina Block handelte das Unternehmen auf eigene Faust. Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling (66) ist wegen Beihilfe angeklagt. Der frühere Sportmoderator bestreitet, etwas Unrechtes getan zu haben.

«Das kann kein Psychologe mehr reparieren»

Die beiden Kinder seien sehr verändert gewesen, sagt Have, die seit 2020 mit Hensel verheiratet ist. Die Erlebnisse belasten die Kinder ihrer Aussage zufolge bis heute. «Das geht nie weg. Das kann auch kein Psychologe mehr reparieren.»

Das Mädchen habe ihr erzählt, sie habe während der Entführung nach Deutschland «Todesangst» gehabt. Die Kinder verbrachten drei Tage bei ihrer Mutter in Hamburg, dann sollten sie gemäß einer neuen Gerichtsentscheidung wieder nach Dänemark.

Im Sommer 2021 hatte der Vater die Kinder nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch zurück nach Deutschland gebracht - seither leben sie bei ihm und seiner zweiten Ehefrau. Wegen der Zurückhaltung der Kinder hat die Staatsanwaltschaft 2023 Anklage gegen das Paar erhoben. Hensel wird Kindesentziehung, Have Beihilfe vorgeworfen. «Eine endgültige Entscheidung über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens ist bislang noch nicht ergangen», lautet die Auskunft der Staatsanwaltschaft.

Zeugin muss sich vor Gericht nicht selbst belasten

Weil sich ein Zeuge nicht selbst vor Gericht belasten muss, äußert sich Have nur zu der Zeit nach der Rückkehr der Kinder und zu dem, was sie erzählten. Das Mädchen habe von Schmerzen berichtet, sagt die Stiefmutter. Den Geschwistern sei Klebeband über den Mund und um den Kopf gewickelt worden. Im Auto hätten die Entführer immer wieder ihren Kopf nach unten gedrückt. Die 13-Jährige habe davon Schmerzen im Nacken bekommen. Im Wald an der Grenze habe ihr ein Mann eine Kette vom Hals gerissen und weggeworfen. 

Der Zehnjährige trug einen Alarmknopf der dänischen Polizei. Die Aufnahmen dieses Geräts hatte das Gericht am vergangenen Verhandlungstag vorgespielt. Die Aufnahmen - unterdrückte Schreien, Wimmern und Keuchen sowie Männerstimmen - hatten große Betroffenheit im Gerichtssaal ausgelöst. 

«Sie sind uns in die Arme gesprungen»

Auch das Entfernen des Klebebands aus den Haaren habe wehgetan. Beim Wiedersehen auf einer Hamburger Polizeiwache habe die 13-Jährige noch Reste des Tapes an der Hand gehabt. «Sie sind uns in die Arme gesprungen», erinnert sich Have an das erste Treffen nach der Entführung. «Das war sehr emotional.»

Nach der Rückkehr nach Dänemark hätten die Geschwister und auch die übrigen drei Kinder im Haushalt große Angst gehabt. Wochenlang seien sie nicht aus dem Haus gegangen. Wenn sie die Einkäufe gemacht habe, seien Nervosität und Angstzustände bei den Kindern besonders groß gewesen, sagt die Zeugin. Der Vater habe nicht am Fenster sitzen dürfen, weil die Kinder Angst gehabt hätten, er werde erschossen.

Nach Entführung mehrfach umgezogen

Nach mehrfachen Umzügen seien die Kinder erst wieder ab Ende April 2024 zur Schule gegangen. Der Zehnjährige und seine Schwester hätten neue Namen angenommen, die sie vor der Einschulung geübt hätten. Zum Glück hätten sie neue Freunde gefunden. Bis heute gingen sie aber nicht gern aus dem Haus, seien ängstlich, wenn ihnen dunkel gekleidete Männer entgegenkämen, und hätten Alpträume.

Die 13-Jährige habe versucht, sich während der Entführung alle Details einzuprägen, sagt Have. Anhand ihrer Erinnerungen habe die Familie den Bauernhof, zu dem die Entführer die Kinder am 1. Januar 2024 gebracht hatten, in Süddeutschland lokalisieren können. Von dort hatte Christina Block sie nach eigenen Angaben abgeholt. Einer der Entführer hatte sie am 2. Januar in die Nähe von Hamburg gefahren.

Block-Prozess wird bis 10. Dezember unterbrochen

Wegen der Vernehmung eines wichtigen Zeugen durch die Staatsanwaltschaft außerhalb des Prozesses beantragt die Verteidigung die Aussetzung des Verfahrens. Die Anwälte müssten Gelegenheit bekommen, die viertägige Vernehmung des Chefs einer israelischen Sicherheitsfirma gründlich auszuwerten, sagt Blocks Verteidiger Ingo Bott zum Auftakt des 23. Verhandlungstages. Auch eine Unterbrechung für vier oder drei Wochen komme in Betracht. Die Vorsitzende Richterin verkündet zum Abschluss des Prozesstages die Unterbrechung bis zum 10. Dezember. (dpa)


 

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