Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, doch viele Betroffene leiden bis heute: Am Abend des 26. September 1980 explodierte am Haupteingang des Oktoberfests die Bombe eines rechtsextremen Attentäters. Zwölf Menschen starben, rund 200 wurden verletzt. Am Samstagmorgen gedachten ihnen nun Vertreter der Stadt, der Hinterbliebenen und der DGB-Jugend, die das Gedenken über Jahre aufrechterhalten hatte.
Helfer und ihre seelischen Wunden
In diesem Jahr lenkten die Veranstalter den Blick auch auf diejenigen, die als Erste zur Stelle waren und geholfen haben. Einer von ihnen war Ramin Assisi.
Er berichtete, wie er das Blut eines Mannes mit weggefetztem Bein mit einem Gürtel stillte. Wie er bei einem anderen Mann mit einer schweren Gesichtsverletzung wenig helfen konnte - und dass er den Schrei, den dessen Frau nach dem langsamen Tod des Opfers ausstieß, nie vergessen habe.
Assisi schilderte, wie er im Anschluss das Geschehene verdrängte. «Ich funktionierte, ich arbeitete, ich glaubte, davongekommen zu sein.» 35 Jahre später jedoch, als mit neuen Ermittlungen zur Tat Bilder des Attentats in der Zeitung abgedruckt wurden, erlitt er mit einer posttraumatischen Belastungsstörung einen Zusammenbruch. Er kam in die Klinik, wurde arbeitsunfähig. Assisi machte deshalb darauf aufmerksam, dass auch die seelischen Wunden ebenso wie körperliche ohne gute Versorgung nicht heilen.
Assisi erinnerte zugleich an jene, die an diesem Tag nicht nach Hause kamen, und an ihre Familien, die seither mit dem Verlust leben. «Was hier geschah, war kein Unglück, kein Schicksal, kein Zufall. Es hatte einen Urheber, und es hatte eine Gesinnung. Der Mann, der die Bombe legte, handelte aus rechtsextremer Überzeugung», betonte Assisi. «Der ungeheure Schatten, den der Nationalsozialismus über das vergangene Jahrhundert geworfen hat, reichte an diesem Septemberabend bis auf die Theresienwiese - und er reicht, und das müssen wir nüchtern aussprechen, bis in unsere Tage.»












