Wendung im Block-Prozess: Angeklagter ändert Angaben

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Einer der Hauptangeklagten im Hamburger Prozess um die Entführung der Block-Kinder hat seine Angaben in einem entscheidenden Punkt korrigiert. Der 36-Jährige sagte auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft vor dem Landgericht, die angeklagte Unternehmerin Christina Block habe sich kurz vor der Rückholaktion in der Silvesternacht 2023/24 mit den mutmaßlichen Entführern im Hotel «Grand Elysée» getroffen. 

Block habe dem Team für die Rettung der Kinder danken wollen. Die meisten Männer bei dieser Zusammenkunft seien maskiert gewesen, sagte der Mann, der als einziger Angeklagter in U-Haft sitzt. In früheren Aussagen hatte der Israeli das Treffen nicht erwähnt, sondern angegeben, er habe Block vor der Entführung nur aus der Ferne gesehen. Er habe nicht gewollt, dass die Mutter der Kinder ins Gefängnis müsse, und es deshalb verschwiegen. «Ich möchte mich tief entschuldigen.»

Block bestreitet Auftrag zur Entführung

Der mutmaßliche Chef der Entführer hatte vor einigen Wochen erstmals von diesem Treffen berichtet. Der 68-Jährige hatte im Prozess ausgesagt, dass die angeklagte Mutter von der geplanten Rückholung gewusst habe. Sein gesamtes Team sei aus Israel nach Hamburg gereist und habe sich am 28. Dezember 2023 im «Grand Elysée» mit Christina Block getroffen. 

Für seine Aussage in Hamburg hatte die Staatsanwaltschaft dem 68-Jährigen sicheres Geleit gewährt. Der Chef einer Sicherheitsfirma gilt als Beschuldigter, ist aber kein Angeklagter im aktuellen Prozess.

Langer Sorgerechtsstreit um die Kinder

Christina Block soll laut Anklage nach einem langen Sorgerechtsstreit die Entführung ihrer beiden Kinder vom Wohnort ihres geschiedenen Mannes in Dänemark in Auftrag gegeben haben. Sie bestreitet das. Die israelische Firma habe auf eigene Faust gehandelt.

Der damals zehnjährige Junge und das 13-jährige Mädchen sollen von der Sicherheitsfirma gewaltsam nach Deutschland geholt worden sein. Am 5. Januar 2024 entschied das Hanseatische Oberlandesgericht, dass die beiden Kinder zu ihrem Vater zurückgebracht werden müssen.

Verteidiger konfrontiert Angeklagten mit weiteren Aussagen

Ihr Verteidiger Ingo Bott konfrontierte den israelischen Angeklagten mit seinen früheren Aussagen. Dabei bestätigte der 36-Jährige, dass er ein weiteres Treffen mit Block und dem Team der Entführer auf einem Bauernhof in Süddeutschland nicht erwähnt hatte. «Ich glaubte, dass je weniger Einzelheiten ich erzählen würde, umso besser», sagte der Angeklagte nach den Worten eines Dolmetschers und bekräftigte: «Ich wollte nicht, dass Christina im Gefängnis sitzt.» Auf dem Bauernhof hatte die 52-Jährige nach eigenen Angaben ihre Kinder abgeholt.

Firma sollte sich angeblich nur um Cybersicherheit kümmern

Block hatte in ihrer Aussage zu Beginn des Prozesses erklärt, dass sich die israelische Sicherheitsfirma eigentlich nur um die Cybersicherheit im zur Block-Gruppe gehörend Hotel kümmern sollten. Sie sei davon ausgegangen, dass die Israelis vor Silvester in ihre Heimat abgereist seien. Eine Mitarbeiterin der Firma habe sie am Neujahrsmorgen 2024 angerufen und ihr mitgeteilt, sie solle zu einem Treffen mit ihren Kindern nach Süddeutschland fahren. Das habe sie damals völlig überrascht.

Angeklagte Verwandte bricht in Tränen aus

Bereits am Vormittag des Verhandlungstages war es zu einer dramatischen Szene gekommen. Die Strafkammer lehnte den Antrag einer Mitangeklagten ab, die Anklagevorwürfe gegen sie zu erläutern. Der Verwandten und engen Vertrauten von Christina Block wird Beihilfe vorgeworfen, weil sie den Jungen und das Mädchen sowie die Mutter nach der Rückholaktion Anfang 2024 das letzte Stück des Weges von einem Hamburger Vorort mit einem Auto nach Hause fuhr. 

Die 49-Jährige brach in Tränen aus. Ihr Verteidiger Reinhard Daum unterbrach die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt und beantragte eine Pause. Seine Mandantin lief schluchzend aus dem Gerichtssaal. 

Prozess könnte bis Ende des Jahres gehen

Daum hatte bereits in der Vergangenheit vergeblich beantragt, das Verfahren gegen seine Mandantin abzutrennen. Diese flüchtete vor den Pressefotografen auf dem Gerichtsflur in eine Toilette. Christina Block und die Verteidigerin eines weiteren Mitangeklagten, Gül Pinar, standen ihr bei und versuchten, sie zu beruhigen. Einen Antrag von Daum und anderen Verteidigern, die Verhandlung für eine weitere halbe Stunde zu unterbrechen, lehnte die Kammer ab. Blocks Verteidiger Ingo Bott rief dem Gericht zu: «Dieses Verfahren wird mit einer Härte geführt.»

Zeugin: Großeltern waren «todtraurig»

Zuvor hatte eine Mitarbeiterin des Unternehmers Eugen Block (85), der der Großvater der entführten Kinder ist, als Zeugin ausgesagt. Sie beschrieb die enge Bindung der Großeltern zu ihren Enkeln. Der Gründer der Steakhaus-Kette «Block House» und seine Ehefrau Christa seien «todtraurig» gewesen, dass sie ihre Enkelkinder in Dänemark über so lange Zeit nicht sehen konnten, sagte die 36-Jährige. Vorher seien die Kinder regelmäßig bei den Großeltern zu Besuch gewesen.

Der Vater der Kinder, Stephan Hensel, hatte die Kinder im Sommer 2021 nach einem Wochenendbesuch nicht wie vereinbart zurückgebracht. Kurze Zeit vor der Entführung an Silvester 2023/24 wollte Eugen Block seinen Enkelkindern über einen Sicherheitsdienst Weihnachtsgeschenke am Wohnhaus in Süddänemark überreichen. «Ich muss doch irgendwie meinen Enkelkindern zeigen, wie lieb ich sie habe», erinnerte die Zeugin seine Worte. Zur Übergabe der Geschenke kam es nicht, die Polizei wurde gerufen.

Ermittlungen gegen Eugen Block wurden eingestellt

Auch gegen Großvater Block hatte die Staatsanwaltschaft ermittelt, das Verfahren wurde aber eingestellt. Es gibt insgesamt sieben Angeklagte, darunter auch der Lebensgefährte von Christina Block, Gerhard Delling (66). Der frühere Sportmoderator ist wegen Beihilfe angeklagt. Er bestreitet, etwas Unrechtes getan zu haben. (dpa)


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