Ausblick: Geschäftsreisen und MICE-Geschäft nach der Pandemie

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Das Prüfinstitut Certified hat im April eine Umfrage in seinem Netzwerk durchgeführt. Dort sind unter anderem Travel-Manager, Einkäufer, Assistentinnen und Event-Planer vertreten. Im Befragungszeitraum vom 14. April bis 3. Mai 2021 gab es 263 Antworten und wie nicht anders zu erwarten, gaben 76 Prozent an, dass sie persönliche Geschäftsmeetings und Präsenzschulungen extrem oder sogar ganz extrem vermissen.

Im Detail wird bedauert, die anderen Teilnehmenden nicht mit allen fünf Sinnen wahrnehmen zu können, auch fehlende körperliche Nähe und die Unmöglichkeit, auch „zwischen den Zeilen lesen zu können“, wird als Nachteil der Online-Lösungen gesehen. Besonders deutlich fällt das Urteil aus, wenn es um Emotionen geht: diese finden digital nur sehr eingeschränkt statt, ebenso der Smalltalk beim Kaffee oder der Zigarette.

Mit Online Meetings wie Teams, Zoom, Webex & Co. haben 41Prozent der Befragten positive Erfahrungen gesammelt, während 45 Prozent neutral dazu stehen und lediglich 14 Prozent negative Erlebnisse angeben.

Jedoch geben 75 Prozent an, dass Online Meetings auch in der Zukunft Bestand haben werden. Das liegt an mehreren Faktoren wie kurzer Vorlaufzeit in der Planung, preiswerte und technisch ausgereifte Lösungen, die mittlerweile von nahezu Jedem erlernt und angewendet wurden, weniger Stress durch weniger Reisezeit, geringere Kosten insgesamt durch wegfallende Reise- und Hotelkosten.

Die Befragten halten neben Teambesprechungen besonders kurze Halb- oder Eintages-Seminare und Schulungen, Beratung und Consulting, Projekttreffen, Kundendienst und Support sowie Gremien- und Ausschusssitzungen für diejenigen Bereiche, die auch künftig als Online Meetings gut durchgeführt werden können.   

Längere Seminare und Konferenzen ab einer Dauer von 3 Tagen, Prüfungen, Vertragsabschlüsse und Team-Events sowie Incentives werden eher wieder in Präsenz stattfinden. Bei Vorstandssitzungen, Mitgliederversammlungen und Akquisegesprächen ergibt sich ein gemischtes Meinungsbild. Hier darf interpretiert werden, dass solche Treffen wechselweise mal in Präsenz, mal digital absolviert werden oder als hybride Events umgesetzt werden.

Von den 263 Befragten geben 33 Prozent an, dass das Aufkommen an Geschäftsreisen „nach Corona“ etwas niedriger als vor der Pandemie ausfallen wird (Rückgang um 20-30 Prozent). Ganze 38 Prozent vermuten jedoch, dass der Bereich Business Travel um 30-50 Prozent zurückgehen wird. Immerhin 27 Prozent der Umfrageteilnehmer sind noch skeptischer und prognostizieren einen Rückgang um 50-70 Prozent.

Momentan reisen, so sagen 62 Prozent, mit einem sicheren Gefühl, wobei der Wunsch nach einer schnellen Impfung stark ausgeprägt ist. 49 Prozent geben an, die Art der Anreise verändert zu haben, die überwiegende Mehrheit fährt mit dem PKW. Als positive Maßnahmen sind vor allem die Abstandsregeln und der verpflichtende Mund-Nasen-Schutz sowie die hohe Verfügbarkeit an Desinfektionsmittel-Spendern wahrgenommen worden. Negativ ist bei aktuellen Geschäftsreisen in der Pandemie besonders der Bereich Frühstück aufgefallen. Das Angebot ist sehr reduziert und eingeschränkt, fast schon emotions- und seelenlos: Von Bundesland zu Bundesland wird das Thema unterschiedlich gehandhabt, manchmal holt man sich Papiertüten mit Brötchen, Apfel oder Banane, Wasser und Saft, Schokoriegel und eventuell einem hartgekochten Ei ab, mal gibt es ein Buffett mit halbwegs guter Auswahl an Marmeladen, Aufschnitt und Cerealien sowie Eierspeisen nach Wunsch. Dazwischen gibt es alle Facetten, leider ist nahezu überall der Trend des „einzeln Verpackten“ zu entdecken, ein Rückschlag für jegliche Nachhaltigkeitsbemühungen.

Die Befragten haben vier Wünsche, wenn es darum geht, welche Maßnahmen auch nach der Pandemie beibehalten werden sollten: 

  • Desinfektionsmittel in öffentlichen Bereichen
  • Luftreinigung (Lüften oder Frischluftsysteme oder Filtersysteme)
  • Erhöhter Reinigungsturnus
  • Größerer Abstand

Jubiläen und ähnliche Formate dürften ähnlich häufig wie „vor der Pandemie“ als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden. Seminare und Tagungen dürften gleich oder ein wenig mehr als vorher gebucht werden, wohl um vor allem das abhanden gekommene Gefühl der Nähe und Vertrautheit wieder zurückzugewinnen. Arbeitskreis- und Ausschusssitzungen sowie Messen wurden als „Verlierer“ eingestuft, hier wird mit einem deutlichen Rückgang gerechnet.

Die Teilnehmer an der Umfrage sollten angeben, was künftig bei der Auswahl und Buchung von Unterkünften an Bedeutung gewinnen wird:

  • Hygiene und Sauberkeit (65 Prozent)
  • Sicherheit (46 Prozent)
  • Nachhaltigkeit (41 Prozent)
  • Der Preis, so gaben 62 Prozent an, würde in der Zukunft keine wichtigere Rolle spielen als vor der Pandemie.

Das Expertenpanel des Certified Insider Talks, der am 5. Mai erstmals stattfand, hat die Umfrageergebnisse zum großen Teil nachvollziehen und bestätigen können. Jedoch wurden auch Punkte kontrovers diskutiert. Während Andreas Schönfeld von HRS prognostiziert, dass vor allem kleinere Seminare und Tagungen schnell wieder in Präsenz gebucht werden, sahen die meisten anderen Teilnehmer dies eher als Online Lösung an. Global agierende Firmen wie der Technologiekonzern ZF erwarten eine schnelle Wiederkehr von internationalen Reisen, da globales Zusammenarbeiten im interkulturellen Umfeld auch auf persönliche Treffen setzt. Auch große Leitmessen würden wieder in den Fokus genommen, um hier Präsenz zu zeigen – das unterstützt auch Thomas Wieland von der Vector Informatik GmbH. Cornelia Schlick vom globalen Vermittlungsspezialisten HelmsBriscoe berichtet von einem hohen Anfragevolumen für 2022, auch für den Herbst sieht sie knappe Ressourcen an verfügbaren Tagungskapazitäten in den Hotels. Nicole Stigler sprach für internationale Vorstandsassistenzen und ruft dazu auf, den Digitalisierungsprozess in den Hotels endlich voranzutreiben. So seien kontaktloser Check in und Check out sowie eine korrekte digitale Rechnungsstellung immer noch weitgehend Wunschdenken.

Der Hotellerie wird empfohlen, sich auf hybride Events einzustellen und Studios einzurichten bzw. stabile und schnelle Internetverbindungen vorzuhalten. Auch großzügige und kreativ gestaltete Tagungs- und Besprechungsräume werden künftig mehr gefragt werden, so die Runde. Die Beratung und Betreuung der Kunden durch qualifiziertes Personal sollte ebenfalls nicht vernachlässigt werden, denn die angebotene Technik muss reibungslos funktionieren und der Kunde möchte sich auf die Inhalte konzentrieren und fokussieren.

Insgesamt wirkten alle Expertinnen und Experten optimistisch, es ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen! Emotional ausgehungert sehnen sich die Mitarbeitenden nach persönlichem Austausch, nach einem Glas Wein an der Bar, nach Smalltalk beim Kaffee.


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