Der Name: Schlüssel zum Menschen

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

Viele Führungskräfte haben Probleme, sich die Namen von Kunden, Gästen, Geschäftspartnern, ja sogar von ihren Mitarbeitern einzuprägen. Nicht selten vergeben sie dabei wertvolle Chancen. Dabei lässt sich das Namensgedächtnis mit ein paar Kniffen aufmöbeln.

„Der Chef hat mich heute sogar mit meinem Namen begrüßt!“ berichtete die Mitarbeiterin aus dem Housekeeping strahlend über ihre Begegnung mit dem Hotel Manager. Für sie war das mehr wert als alle Belobigungen ihrer Vorgesetzten. „Der kennt mich, hat mich wahrgenommen, das macht mich stolz“. Dieses kleine Beispiel zeigt: Namen sind der Schlüssel zu Personen. Sich diese einzuprägen und bei der persönlichen Anrede anzuwenden, ist ein Signal von Wertschätzung und Respekt – genaugenommen ein Zeichen der Höflichkeit, des guten Tons.

Doch in Coaching Sessions geben Führungskräfte nicht selten zu, dass sie Mühe haben, sich Namen von Menschen zu merken. Ein Manager gestand neulich: „Bei geschäftlichen oder feierlichen Anlässen, sogar bei meiner morgendlichen Runde durch die Abteilungen ist mir das oft peinlich. Ich versuche mich dann durchzumogeln und vermeide es, den Namen der angesprochenen Person bei der Verabschiedung zu nennen“. Auch bei der Begrüßung von Bewerbern zum Vorstellungsgesprächs zeigen manche HR'ler diese Namensschwäche. Geht‘ s Ihnen auch so?


Über den Autor Albrecht von Bonin

Albrecht von Bonin ist einer der profiliertesten Personalberater in der Hospitality Industry. Die Suche und Auswahl von Spitzenkräften, der Einsatz von Interim Managern sowie Management Coaching für Führungskräfte und Unternehmer – das sind die Kernkompetenzen, mit denen VON BONIN und die avb Management Consulting echte Mehrwerte bietet.

Mit seinem Fachbeiträgen bei Linkedin, die auf der Erfahrung von 40 Jahren Beratungspraxis fußen, erreicht von Bonin seit Jahren viele tausend Leser. Jetzt gibt es seine Beiträge auch bei Tageskarte.


Ein kleiner Trost: Viele Zeitgenossen haben das gleiche Problem. Aber warum? Ein nachvollziehbarer Grund für die Namensschwäche könnte die allgemeine Reizüberflutung sein. Wenn wir „Augentiere“ einen Menschen kennenlernen, gilt unsere ganze Aufmerksamkeit der „Oberfläche“, also dem Gesicht. Die Ohren, das Gehör, sind auf die Schnelle für die Aufnahme der Namensnennung noch nicht bereit. Ein weiterer Grund könnte sein, dass heutzutage viele Namen keinen Anknüpfungspunkt mehr in unserer Sprache haben. Bei Namen wie Müller, Schneider, Weber kann man sich noch eine Berufstätigkeit vorstellen und diese mit dem Gesicht des Menschen verknüpfen. Bei komplizierteren Namen kann das schon schwieriger werden. Das soll allerdings nicht wie eine Rechtfertigung klingen.

Eine nach meiner Beobachtung recht weit verbreitete Namensschwäche könnte aber in einer gewissen Überheblichkeit liegen, die bei menschlichen Begegnungen automatisch das Gegenüber in vermeintlich „wichtige“ und „unwichtige“ Personen einteilt. Nicht nur bei der Bewerbungszeremonie wäre das fatal und unverzeihlich. Das wäre nicht nur unhöflich, sondern verspielt wertvolle Chancen in der Gewinnung von Talenten.

Erfolgreiche Vertriebler z. B. wissen, dass ein Akquisitionsbesuch bei einem potenziellen Kunden viel geschmeidiger läuft, wenn sie ihr Gegenüber öfter mit seinem Namen ansprechen. Rezeptionisten in der Top Hotellerie punkten bei ihren Gästen damit, dass sie ihnen bei jeder passenden Gelegenheit zeigen, dass sie ihren Namen kennen und sie schon bei der Ankunft im Hotel ohne großes Nachfragen mit „Herzlich willkommen, Herr Dr. Müller-Lüdenscheid (oder Frau Professor Schlaberdanz)“ begrüßen. Der Gast findet sich als Individuum wahrgenommen und nicht als Nummer 175 „abgewickelt“. Auch bei der Führung von Mitarbeitern stellen wir fest, dass Menschen geradezu aufblühen, wenn wir sie persönlich mit ihrem Namen ansprechen. Das zeugt von Wertschätzung, Respekt. Das stimmt positiv.

Selbst bei einem Kündigungsgespräch entspannt die namentliche Ansprache die Situation. Ein bekannter Comic brachte das vor einiger Zeit auf den Punkt: „Lieber Herr Wanzl, wie Sie wissen sind wir hier alle eine große Familie, in der wir von Zeit zu Zeit jemanden zur Adoption freigeben müssen. Und heute sind Sie an der Reihe, Herr Wanzl“.

Wie war doch gleich Ihr Name?

Diese floskelhafte Frage ist sprachlich nicht besonders geschickt gewählt, doch leider weit verbreitet. Denn „Wie war doch gleich Ihr Name?“ müsste korrekt lauten: „Wie ist Ihr Name?“ (denn er ist ja immer noch…). Eine Alternative könnte auch sein: „Sorry, ich habe Ihren Namen nicht verstanden. Wie schreibt er sich?“. Wem das immer noch nicht hilft, der kann auch um die Visitenkarte bitten.

Wie kann es nun gelingen, dass wir uns bei menschlichen Begegnungen den Namen unseres Gegenübers besser merken können? Einige Tipps können helfen, dass es uns dabei besser geht:

Schenken Sie der Person bei der Namensvorstellung Ihre volle Aufmerksamkeit. Fragen Sie insbesondere bei ungewöhnlich klingenden Namen nach, woher der Name kommt, was er eventuell bedeutet. Das erleichtert das Verständnis und trainiert Ihr Gedächtnis beim Abspeichern.

Begrüßen Sie die vorgestellte Person sofort mit ihrem Namen. Wiederholungen sind wichtig für unser Gedächtnis. Repetieren Sie auch im Geist den Namen und flechten Sie die namentliche Anrede immer wieder in die Konversation ein.

Versuchen Sie den Namen Ihres Gegenübers mit einem charakteristischen Merkmal (Haarfarbe, Gesicht) zu verknüpfen oder mit passenden Bildern zu assoziieren. Machen Sie eine kurze Geschichte daraus. Je verrückter, umso besser. Mit diesem Schritt verbinden wir unsere beiden Gehirnhälften miteinander und vereinfachen die Namensspeicherung.

Und letztlich – schreiben Sie den Namen auf. Mit dem Aufschreiben lässt sich das Gedächtnis ebenfalls trainieren.

Das Ziel dieser Maßnahmen ist es, sich ausführlich mit dem Namen des anderen zu beschäftigen und dem Gehirn zu signalisieren, dass diese Information wichtig ist und abgespeichert werden muss. Sich Namen besser zu merken und bei passender Gelegenheit, z. B. bei Begrüßungen abrufen zu können, ist wie das Schmieröl im Getriebe des gesellschaftlichen Miteinanders. Das ist eine Fähigkeit, die man lernen kann. Wir erinnern uns: „Behandele andere stets so, wie Du selbst behandelt werden willst“. Üben Sie also ganz entspannt und setzen Sie sich dabei nicht unter Erfolgsdruck. Am Ende werden Sie als Führungskraft davon profitieren.


Autor

Albrecht von Bonin
avb Management Consulting
www.avb-consulting.de
VON BONIN + PARTNER Personalberatung
www.von-bonin.de


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die vom Dehoga befragten Gastgewerbebetriebe in Mecklenburg-Vorpommern melden für Januar bis September 2026 sinkende Umsätze. 84,7 Prozent beobachten geringere Gästeausgaben, fast die Hälfte beurteilt die wirtschaftlichen Aussichten für das vierte Quartal als eher schlecht oder sehr schlecht.

Wem wie viel Pausenzeit während der Arbeit zusteht, ist gesetzlich klar geregelt. Doch wie sieht das mit der Aufteilung aus: Kann der Arbeitgeber einfach vorschreiben, wann man zu pausieren hat?

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im September wieder unter die Drei-Millionen-Grenze gefallen. Dennoch fällt die Herbstbelebung in diesem Jahr schwach aus.

Destatis meldet für 2025 einen Anteil von 56 Prozent Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte unter Köchen. Im gastronomischen Service lag er bei 47 Prozent, im Hotelservice bei 40 Prozent.

Die Unternehmen in Deutschland treten beim Stellenabbau auf die Bremse. Das Beschäftigungsbarometer des Münchner Ifo-Instituts ist den dritten Monat in Folge gestiegen. Eine echte Erholung sei aber noch nicht in Sicht, so das Institut.

Wer in den Feierabend geht, möchte bis zur nächsten Schicht nicht über die Arbeit nachdenken. Doch was passiert, wenn in der Zwischenzeit eine wichtige Nachricht eingeht? Müssen Arbeitnehmer diese auch außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit beantworten?

„Nachhaltiges Hotel“, „umweltfreundliches Frühstück“ oder „klimaneutrale Übernachtung“: Seit dem 27. September gelten strengere Vorgaben für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen. Hotels und Restaurants sollten ihre Werbung auf Websites, in Buchungsstrecken, auf Speisekarten und in weiteren Materialien überprüfen.

Eine NGG-Sonderauswertung des DGB-Ausbildungsreports 2026 weist auf hohe psychische Belastungen und Überstunden unter Auszubildenden im Hotel- und Gastgewerbe hin. Die Gewerkschaft bewertet die Zahlen kritisch und verweist auf Personalmangel und Arbeitsverdichtung.

37 Prozent der Menschen ab 14 Jahren nutzen KI-Onlinetools mindestens wöchentlich, nach 22 Prozent im Vorjahr. Die ARD/ZDF-Medienstudie zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

Prompten, recherchieren, automatisieren: Wie wichtig wird Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt? Einer repräsentativen Umfrage der IU Internationalen Hochschule in Erfurt zufolge erwarten etwas mehr als die Hälfte der Arbeitnehmenden, dass KI-Kompetenzen wichtige Voraussetzung für den Jobeinstieg werden.