Firmeninsolvenzen erreichen höchsten Quartalsstand seit 21 Jahren

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Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland ist im zweiten Quartal 2026 auf den höchsten Stand seit 21 Jahren gestiegen. Nach dem am 9. Juli 2026 veröffentlichten IWH-Insolvenztrend wurden von April bis Juni 4.996 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert. Gegenüber dem ersten Quartal entspricht das einem Anstieg um neun Prozent.

Einen höheren Wert habe es zuletzt im zweiten Quartal 2005 gegeben. Damals seien 5.295 Insolvenzen verzeichnet worden. Von den Insolvenzen im zweiten Quartal 2026 seien nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) rund 45.500 Arbeitsplätze betroffen gewesen. Im Vergleichsquartal 2005 habe die Zahl bei etwa 41.500 gelegen.

Insolvenzen steigen im Juni deutlich über das Vorkrisenniveau

Allein im Juni 2026 weist der IWH-Insolvenztrend 1.702 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften aus. Das seien zwölf Prozent mehr als im Mai und 20 Prozent mehr als im Juni 2025 gewesen. Gegenüber einem durchschnittlichen Juni der Jahre 2016 bis 2019 liege die Zahl sogar 80 Prozent höher.

Außergewöhnlich hohe Werte registrierte das Institut im Juni in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Weitere konkrete Länderzahlen nennt das vorliegende Material nicht.

Bei den größten zehn Prozent der insolventen Unternehmen seien im Juni mehr als 14.000 Arbeitsplätze betroffen gewesen. Das entspreche einem Anstieg um 26 Prozent gegenüber Mai. Im Vergleich zum Juni 2025 liege die Zahl elf Prozent niedriger, gegenüber einem typischen Juni der Jahre 2016 bis 2019 jedoch 30 Prozent höher.

Gastgewerbe erreicht neuen Höchstwert seit Beginn der Erhebung

Der Anstieg erfasst nach der IWH-Analyse nahezu alle großen Wirtschaftszweige. Seit Beginn der Erhebungen zum Jahresanfang 2020 seien im zweiten Quartal 2026 in fast allen großen Branchen neue Höchstwerte erreicht worden.

Das Institut nennt ausdrücklich das Baugewerbe, das Grundstücks- und Wohnungswesen, den Handel, das Gastgewerbe und die Dienstleistungen. Eine der wenigen Ausnahmen sei das Verarbeitende Gewerbe gewesen. Dort hätten die Werte unter dem Höchststand aus dem zweiten Quartal 2025 gelegen.

Auch regional seien in den meisten Bundesländern neue Höchstwerte seit Januar 2020 registriert worden. Ausnahmen bildeten mehrere ostdeutsche Flächenländer, die bereits im zweiten Quartal 2025 besonders hohe Werte verzeichnet hätten.

Frühindikatoren bleiben über dem Niveau des Vorjahresquartals

Das IWH erhebt nach eigenen Angaben Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen um zwei bis drei Monate vorauslaufen. Diese seien im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal leicht zurückgegangen, hätten aber 13 Prozent über dem Wert des zweiten Quartals 2025 gelegen.

„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das Insolvenzgeschehen weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau liegt“, sagt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. „Die Lage ist schwierig: Die Insolvenzen treffen die Wirtschaft in der Breite. Viele Branchen und Regionen sind gleichzeitig betroffen. Für das dritte Quartal ist weiterhin mit höheren Insolvenzzahlen als im Vorjahr zu rechnen.“

Für den monatlichen Insolvenztrend wertet das IWH nach eigenen Angaben aktuelle Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus und verknüpft diese mit Bilanzkennzahlen betroffener Unternehmen. Die Untersuchung bezieht sich auf Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften und ist damit anders abgegrenzt als die amtlichen Statistiken zu Regel- und Unternehmensinsolvenzen.

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