Ifo-Umfrage: Fast jedes fünfte Gastgewerbe-Unternehmen sieht Existenz bedroht

| Zahlen & Fakten Zahlen & Fakten

In den Bereichen Beherbergung und Gastronomie sieht sich fast jedes fünfte Unternehmen wirtschaftlich bedroht. Das geht aus der aktuellen ifo Konjunkturumfrage für April hervor, die am 11. Mai veröffentlicht wurde.

Nach Angaben des ifo Instituts liegt der Anteil existenzgefährdeter Unternehmen im Gastgewerbe bei knapp 20 Prozent. Insgesamt sehen 8,1 Prozent aller Unternehmen in Deutschland ihren Fortbestand gefährdet.

„Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen, laut Mitteilung. „Die Insolvenzzahlen dürften vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheit in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau bleiben.“

Schwache Nachfrage und hohe Kosten belasten viele Betriebe

Branchenübergreifend nennen die Unternehmen laut ifo vor allem fehlende Aufträge und eine schwache Nachfrage als Belastung. Hinzu kommen steigende Betriebs- und Energiekosten sowie zunehmende Bürokratie.

Viele Betriebe berichteten zudem von Liquiditätsengpässen, weil Kunden sparen oder insolvent werden. „Die Krise überträgt sich entlang der Lieferketten“, sagte Wohlrabe laut Mitteilung. „Wenn Kunden wegbrechen oder Aufträge stornieren, trifft das die Zulieferer und Dienstleister mit voller Wucht.“

Dienstleistungssektor meldet steigenden wirtschaftlichen Druck

Im gesamten Dienstleistungssektor sehen sich laut Umfrage 7,6 Prozent der Unternehmen existenziell bedroht. Überdurchschnittlich hoch ist der Anteil neben dem Gastgewerbe auch in der Werbung und Marktforschung mit 14,3 Prozent.

Besonders kritisch bleibt die Lage nach Angaben des ifo Instituts im Einzelhandel. Dort sehen sich 17,4 Prozent der Unternehmen wirtschaftlich bedroht. Als Gründe nennt das Institut die Kaufzurückhaltung der Verbraucher, den wachsenden Online-Handel sowie Billiganbieter aus dem Ausland.

Industrie und Bauwirtschaft ebenfalls unter Druck

In der Industrie ging der Anteil existenzgefährdeter Unternehmen laut ifo leicht auf 7,5 Prozent zurück. Hohe Energie- und Rohstoffkosten sowie internationale Wettbewerbsnachteile belasteten weiterhin insbesondere exportorientierte Branchen.

Im Bauhauptgewerbe stieg der Anteil leicht auf 7,3 Prozent. Der Auftragseinbruch im Wohnungsbau halte an, zudem belasteten lange Genehmigungsverfahren und die Zurückhaltung der Banken bei der Baufinanzierung den Sektor.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Düsseldorf meldet für 2025 einen neuen Übernachtungsrekord von 5,67 Millionen. Während die Internationalisierung und das Messegeschäft boomen, kämpft die Hotellerie trotz Rekordnachfrage mit sinkenden Raten.

Die Beschäftigung im Gastgewerbe sinkt erstmals seit einem Jahr wieder unter das Vorkrisenniveau. Während die Zahl der offenen Stellen leicht steigt, melden Hotellerie und Gastronomie wachsende Arbeitslosenzahlen.

Wer gerade im Nahen Osten festsitzt, kann höchstens mobil arbeiten. Warum das arbeitsrechtlich womöglich heikel ist und welche Risiken Arbeitgeber und Beschäftigte in solchen Fällen kennen sollten.

Struktureller Wandel bei der dfv Mediengruppe: Die eigenständige redaktionelle Arbeit der Fachmedien tw tagungswirtschaft und m+a report wird zum 31. März 2026 eingestellt. Die Marken werden in die veranstaltungsorientierte dfv Conference Group überführt.

Ferienzeit, alle wollen weg – aber wer darf zuerst? Arbeitgebende müssen bei der Urlaubsplanung soziale Aspekte berücksichtigen. Das kann bedeuten, dass Eltern Vortritt haben, muss es aber nicht.

Rund 8,70 Euro für eine Tasse Cappuccino - dieser Preis an einer Raststätte in Österreich sorgte zuletzt für Aufsehen. Doch anderswo in Europa werden vereinzelt zweistellige Preise für Kaffee verlangt. Wie leistbar ist das Getränk in europäischen Ländern? Ein Überblick

Die erweiterte Verdienstungleichheit in Deutschland stagniert. Laut aktuellem Bericht des Statistischen Bundesamtes liegt der Gender Gap Arbeitsmarkt weiterhin bei 37 Prozent, wobei erhebliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen bleiben.

Das deutsche Gastgewerbe kämpft weiterhin mit den Folgen der Krise. Im Jahr 2025 lagen die realen Umsätze fast 15 Prozent unter dem Niveau von 2019. Steigende Kosten und eine schwache Konsumstimmung belasten die Betriebe trotz nominaler Zuwächse.

Die aktuelle Dehoga-Umfrage zum Jahresauftakt 2026 belegt eine anhaltende Flaute im Gastgewerbe. Hohe Personalkosten und bürokratische Hürden belasten die Betriebe nach dem sechsten Verlustjahr in Folge massiv.

Die neue DIN 33463 definiert erstmals bundesweite Mindeststandards für Tagungspauschalen. Die Norm soll für mehr Transparenz im MICE-Markt sorgen und die Vergleichbarkeit von Hotelangeboten bei Veranstaltungen signifikant erleichtern.