In der deutschen Wirtschaft zeichnet sich eine zunehmende Zahl von Geschäftsaufgaben im Mittelstand ab. Laut dem aktuellen Spotlight von DATEV, das auf Befragungen von Steuerberatungskanzleien basiert, nehmen sowohl geplante als auch ungeplante Einstellungen der Geschäftstätigkeit sowie Verlagerungen ins Ausland zu. Die Quote dieser Aufgaben stieg innerhalb eines Jahres von 1,62 Prozent im Herbst 2024 auf aktuell 2,43 Prozent der Kanzleimandate.
Damit übersteigt die Quote der Betriebsaufgaben die aktuelle Insolvenzquote deutlich. Diese liegt laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes für einen vergleichbaren Zeitraum und eine ähnliche Grundgesamtheit bei lediglich 0,67 Prozent.
Ursachen für den Rückzug aus dem Markt
Die Gründe für die Beendigung der Geschäftstätigkeit sind vielfältig und hängen oft mit der Art der Aufgabe zusammen. Bei geplanten Betriebsaufgaben stehen primär persönliche Gründe im Fokus. Dazu zählen Erkrankungen, der Eintritt in den Ruhestand ohne eine geregelte Nachfolge sowie die berufliche Neuorientierung der Inhaber. Ein wesentlicher Faktor ist zudem die mangelnde Rentabilität, die im Vergleich zum Herbst 2024 deutlich häufiger angeführt wurde. Mittlerweile nennen 43 Prozent der Befragten die fehlende Wirtschaftlichkeit als Grund für eine geplante Aufgabe, während dieser Wert im Vorjahr noch bei 37 Prozent lag.
Im Falle von ungeplanten Geschäftsaufgaben sind die Auslöser meist finanzieller Natur. Hier dominieren Liquiditätsengpässe und eine unzureichende Rentabilität bei mehr als zwei Dritteln der betroffenen Unternehmen. Wenn Betriebe ins Ausland verlagert werden, geschieht dies vornehmlich aufgrund mangelnder Rentabilität am Standort Deutschland, persönlicher Motive oder Schwierigkeiten bei der Umsetzung neuer rechtlicher und regulatorischer Anforderungen.
Einschätzung der wirtschaftlichen Lage
Die DATEV-Daten verdeutlichen eine strukturelle Veränderung in der mittelständischen Wirtschaft. Die Quote der geplanten Betriebsaufgaben ist im Vergleich zum Vorjahr von 0,97 Prozent auf 1,51 Prozent gestiegen, was einem Zuwachs von 56 Prozent entspricht. Ungeplante Aufgaben betreffen derzeit 0,73 Prozent der Mandate nach 0,54 Prozent im Jahr 2024. Der Anteil der Auslandsverlagerungen erhöhte sich leicht von 0,12 Prozent auf 0,18 Prozent.
Prof. Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV eG, bezeichnet die aktuelle Entwicklung als einen schleichenden Rückzug des Mittelstands. Er erklärt hierzu: „Der Mittelstand gibt auf. Es ist keine Schockwelle, sondern ein schleichender Rückzug, getrieben von hohen Kosten, schwacher Nachfrage, erdrückender Bürokratie und dem Mangel an Nachfolgelösungen.“ Besonders die starke Zunahme der geplanten Aufgaben sei laut Mayr ein alarmierendes Signal für den Wirtschaftsstandort.












