Jeder Zweite wünscht sich kürzere Arbeitszeiten

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Mehr als jeder zweite Beschäftigte in Deutschland wünscht sich kürzere Arbeitszeiten. Bei Männern mit Kind sind es sogar 63 Prozent, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer insgesamt wünschen sich zu 53 Prozent kürzere Arbeitszeiten, wie eine Umfrage des Umfragezentrums Bonn (uzbonn) im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zeigt. Der DGB kritisiert schon länger Pläne der Regierung zur Flexibilisierung der Arbeitszeit und sieht sich durch die Umfrageergebnisse darin bestärkt.

«Leer und ausgebrannt»

Männer arbeiten laut der Umfrage im Durchschnitt 37,1 Stunden, Frauen 30,8 Stunden pro Woche, wie die der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Erhebung zeigt. 42 Prozent der weiblichen, aber nur 36 Prozent der männlichen Beschäftigten sind in die Betreuung und Erziehung eines Kindes eingebunden.

Die mehr als 4.000 zwischen Januar und Mai 2025 befragten Beschäftigten wurden auch gefragt: «Wie oft kommt es vor, dass Sie sich nach der Arbeit leer und ausgebrannt fühlen?» Bei den Männern sagten 29 Prozent «oft» oder «sehr oft», bei den Frauen sogar 40 Prozent. Besonders deutlich zeige sich die Belastung bei Alleinerziehenden und Frauen, die Angehörige pflegen. Die Umfrage ist nach Angaben der Herausgeber repräsentativ für die arbeitenden Beschäftigten in Deutschland. 

Mehr Wachstum durch flexiblere Arbeitszeit?

«Die aktuelle Arbeitszeitdebatte geht an der Lebenswirklichkeit von Familien komplett vorbei», sagte DGB-Vizechefin Elke Hannack der Deutschen Presse-Agentur. Teil der schwarz-roten Reformpläne ist, dass es statt eines Acht-Stunden-Tages in Zukunft eine wöchentliche Höchstarbeitszeit geben soll.

Das Argument, alles müsse gegen die Wachstumsschwäche der Wirtschaft getan werden, lässt Hannack nicht gelten: «Wenn Beschäftigte bis zur Erschöpfung arbeiten, steigen nicht die Wachstumskräfte, sondern die Krankenstände und Unfallzahlen. Echtes Wachstum entsteht durch motivierte, gesunde Arbeitskräfte – nicht durch entgrenzte Arbeitszeiten ohne Schutz.»

DGB: Beschäftigte mehr selbst entscheiden lassen

Hannack sprach sich dafür aus, dass die Beschäftigten mehr selbst über ihre Arbeitszeit mitbestimmen können sollten. Gerade für Frauen würden Job, Kinder, Pflege und Haushalt oft zur Zerreißprobe. Die vielen Anforderungen bekämen sie am besten mit planbaren Zeiten unter einen Hut. Deshalb dürfe «das Weisungsrecht des Arbeitgebers» nicht durch eine Abschaffung der täglichen Höchstarbeitszeit erweitert werden.

Auf die politische Agenda gehörten kürzere Arbeitszeiten und die gerechtere Verteilung unbezahlter Sorgearbeit, forderte die Gewerkschaftsvertreterin. Damit ist etwa Pflege von Angehörigen daheim gemeint. 

Zuletzt hatte die CDU-Politikerin Gitta Connemann Änderungen bei der Wochenarbeitszeit gefordert. «Das heißt, dort, wo der Bedarf ist, auch am Wochenende oder in der Nacht arbeiten zu dürfen», sagte die Chefin der Mittelstandsunion im RTL/ntv-«Frühstart». 

Spannungen im Vorfeld von Reformen 

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte für diesen Juni einen Gesetzentwurf zur Arbeitszeit angekündigt. Auf dem DGB-Bundeskongress Mitte Mai hatte die SPD-Chefin gesagt: «Wenn es nach der SPD und mir persönlich geht, fassen wir das Thema gar nicht erst an, aber es steht im Koalitionsvertrag.» Nach dem DGB-Kongress gab es Kritik aus der CDU-Zentrale an den Gewerkschaftern. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte für Reformen geworben und war von Teilen des Publikums ausgebuht worden. 

Als Teil des Reformprozesses wollen sich die Koalitionsspitzen mit Gewerkschaften und Arbeitgebern im Kanzleramt treffen. Bis zur Sommerpause soll ein Reformpaket bei Steuern, Arbeitsmarkt, Rente und Bürokratieabbau stehen. (dpa)


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