Soll ich Unternehmer werden?

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Die Chancen für den Schritt zum selbständigen Unternehmer sind gerade in Krisenzeiten so groß wie nie. Mit antizyklischem Denken und der richtigen Idee bestehen gute Chancen. Kreditzinsen sind (noch) niedrig, Crowdfunding in aller Munde und sogar Banken sind wieder offen für Entrepreneure – wenn der Business Plan stimmt und die Idee erfolgsversprechend ist. Doch warum zögern so viele Manager, ob sie ihr sicheres Leben in der Komfortzone als Angestellter aufgeben sollen? Ein Gastbeitrag von Albrecht von Bonin.

Nach der Prüfung verschiedenster Karriereoptionen kommt im Coaching oft das Thema auf den Tisch: Soll ich mich selbständig machen? Ausgerechnet jetzt. Habe ich überhaupt das Zeug zum Unternehmer? Auch wenn es manchmal hart ist, auf fremden Stühlen zu sitzen, statt auf eigenen Beinen zu stehen – die Risiken des Angestelltendaseins sind überschaubar: das Gehalt kommt in aller Regel am Ende des Monats automatisch auf den Tisch. Die Familie ist versorgt, das Haus kann abbezahlt werden. Zugegeben – es ist ein großer Schritt über den Jordan ins gelobte Land der Selbständigkeit. Dem Zögerer gebe ich dazu meist den Rat, die Dinge sportlich zu betrachten:

Die sportliche Sicht der Dinge

Ein wenig Sarkasmus darf erlaubt sein: „Glauben Sie mir“, höre ich mich sagen, „der Schein des Unternehmerdaseins trügt. Das ist eher was für Masochisten - ein täglicher Kampf, ein Job, in dem knallharte Leistung gefordert ist, denn die Konkurrenz ist groß, der Kunde will erstmal gewonnen werden und dann ist er König - und die Mitarbeiter sind seine Hofnarrenschar. Vergessen Sie alle Ihre Illusionen vom Freiraum zur Selbstverwirklichung. Als Unternehmer werden Sie mehr ins Schwitzen kommen als mancher Küchenchef am Herd, eher Ihr Magengeschwür haben als Ihr Buchhalter. Überlegen Sie sich's also gut, bevor Sie sich mit Haut und Haaren für dieses Lebensziel entscheiden.


Über den Autor Albrecht von Bonin

Albrecht von Bonin ist einer der profiliertesten Personalberater in der Hospitality Industry. Die Suche und Auswahl von Spitzenkräften, der Einsatz von Interim Managern sowie Management Coaching für Führungskräfte und Unternehmer – das sind die Kernkompetenzen, mit denen VON BONIN und die avb Management Consulting echte Mehrwerte bietet.

Mit seinem Fachbeiträgen bei Linkedin, die auf der Erfahrung von 40 Jahren Beratungspraxis fußen, erreicht von Bonin seit Jahren viele tausend Leser. Jetzt gibt es seine Beiträge auch bei Tageskarte.


 

Zunächst die Warnung

Erstens: Ihr Business Plan steht. Jetzt kommt es auf Sie allein an. Sie sind ein Verkäufer. Der Beste Ihres Unternehmens. Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Sie das Buhlen um die Gunst der Zielgruppe einer Verkaufsabteilung allein überlassen können. Clevere digitale Präsenz ist nur eine Seite. Hinaus an die Front, vor den Schreibtisch des Kunden, heißt heute und in Zukunft die Devise. Das gilt übrigens auch für Ihre Verhandlungen mit Banken. Natürlich müssen Sie auch etwas vom Pokern verstehen. Glauben Sie ja nicht, der Kunde akzeptiert heute jeden Preis, den Sie verlangen.
Das verhindert schon Ihr Konkurrent an der nächsten Straßenecke. Ein Unternehmer-Leben ist und bleibt ein Verkäufer-Leben.

Zweitens: Der Tag des Unternehmers hat – zumindest in den ersten Jahren - in der Regel 24 Stunden, in Sonderfällen auch mal 25. Es wird Ihnen häufig passieren, dass Sie die Hälfte davon über Ihrem Schreibtisch gebeugt verbringen, mit sorgenvollem Blick in die Betriebsanalyse. Sie werden sich das Hirn zermartern, um die Ergebnisse Ihres Start Ups zu verbessern. Denn wenn Sie es nicht tun, dann wird es ein anderer tun. Und Sie? Sie werden dann bald mit Ihrem neuen Laden baden gehen.

Drittens: Und bedenken Sie auch - an der Spitze eines Unternehmens ist es meist windig, kalt, einsam und eng. Bekannte haben Sie viele, aber Freunde? Alle diejenigen, die Ihnen vor Ihrer Selbständigkeit Aufträge versprochen haben, sind plötzlich seitwärts in den Büschen verschwunden. Wenn es Ihnen endlich gelungen ist, durch jahrelangen, unermüdlichen Einsatz Ihren Betrieb im Markt zu etablieren, ist Ihre Familie auf Schmollkurs oder sogar auf und davon. Sie sind ganz allein, umgeben von Neidern, seltener von Bewunderern, von Konkurrenten mit scharfen Zähnen und von Kunden, denen Sie zwar immer noch lieb, aber inzwischen zu teuer geworden sind.Viertens: Vergessen Sie auch nicht - Unternehmertum ist auch Show-Business, ist wie Zirkus. Und Sie sind der Direktor in der Manege. Stets höflich, freundlich, gutgelaunt und hilfsbereit. Auch wenn Ihnen nicht danach ist.

Fünftens: Was wäre Ihr Betrieb ohne die Mitarbeiter. Moderne Führung fordert Motivation statt Peitschenknallen, Sinngebung statt Diktat. Und das täglich auf' s Neue. Spätestens jetzt wird Ihnen klar, was die deutsche Sprache mit dem Begriff "Führungskraft" eigentlich ausdrücken will - Führen ist ein Kraftaufwand, der Energien verschleißt.

Sechstens: Und zu guter Letzt noch - ist Ihnen eigentlich noch nie aufgefallen, welch schlechten Ruf Unternehmer in der Bevölkerung haben? Straßenräuber, Wegelagerer sind noch die zahmsten Beschimpfungen. Natürlich sind diese Urteile alle nicht objektiv und sehr verallgemeinert. Aber unter uns gesagt, da gibt es schon ein paar Haifische und Lackaffen, die besser keine Unternehmer geworden wären.

Das Positive kommt zum Schluss

Soweit meine abschreckenden Worte. Sagen Sie selbst, wollen Sie da immer noch Unternehmer werden? Ich sehe, meine düsteren Kommentare haben Sie immer noch nicht abgeschreckt. Sie brennen für Ihre unternehmerische Idee. Gut so! Dann will ich Ihnen der Wahrheit halber auch sagen: Solange Sie auf Ihrem Weg zum Unternehmer mit Fleiß und Geduld Ihr Bestes geben, sich auf Ihre „Sache“ fokussieren, für Ihr Idee kämpfen, Engagement zeigen, nach Spitzenleistung streben und
all die Herausforderungen Ihres Betriebes annehmen, werden Sie eine Menge Spaß haben. Sie werden abwechslungsreiche Aufgaben bewältigen, gutes Geld verdienen, täglich dazulernen, eine Menge faszinierender Leute treffen, selbst schlimmste Krisen überwinden und - unternehmerisch aktiv sein.

Betrachten Sie es sportlich, dann ist der Weg zum Unternehmer wie der eines Joggers: Jeden Tag muss er sich auf' s Neue überwinden, seine Kilometer zu laufen. Jeden Tag die gleichen Ausreden: Ist es nicht zu früh? Oder vielleicht zu spät? Zu warm oder zu kalt? Er muss sich einfach zwingen loszulaufen, weiterzulaufen, durchzuhalten - bis er sein Ziel erreicht hat. Doch dann kommt die Belohnung - die herrlichen 10 Minuten unter der Dusche. Er fühlt sich wie neu geboren, ist mit sich
und der Welt zufrieden. Und am nächsten Morgen - geht alles wieder von vorne los.“ Übrigens, ich kenne viele joggende Unternehmer - und die sehen gar nicht so unzufrieden aus. Sie erkennen - ohne Frust keine Lust. Viel Erfolg – beim Schritt ins gelobte Land der Selbständigkeit!


Autor

Albrecht von Bonin

avb Management Consulting

www.avb-consulting.de

VON BONIN + PARTNER Personalberatung

www.von-bonin.de


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