Außengastronomie bleibt in Rheinland-Pfalz geöffnet

| Gastronomie Gastronomie

Nach der Rücknahme des «Oster-Lockdowns» durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kehrt Rheinland-Pfalz zu seinem ursprünglichen Plan in der Pandemie-Bekämpfung zurück. Das teilte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Mittwoch nach der überraschenden Entwicklung in Berlin mit. In Kommunen mit einer Inzidenz zwischen 50 und 100 ist daher Außengastronomie mit Schnelltest ebenso erlaubt wie erweitertes Terminshopping. Museen, Galerien, Zoos oder botanische Gärten können mit Terminbuchung besucht werden. Individualsport ist nur außen möglich.

In Kommunen mit einem Wert über 100 greift die Notbremse. Landkreise und kreisfreie Städte mit einer Sieben-Tages-Inzidenz unter 50 können nach Ostern an einem Modellversuch teilnehmen und dabei behutsame Schritte aus dem Lockdown testen. «Wir wollen damit mehr Möglichkeiten schaffen, wieder ein Stück mehr Normalität zu leben», beschrieb Dreyer das Ziel. «Aber alles sehr kontrolliert und sehr überprüft, so dass wir kein Risiko eingehen und trotzdem Erkenntnisse darüber gewinnen, wie kann man eigentlich in der Pandemie Normalität auch ein ganze Stück weiter leben.» Wie viele Kommunen mitmachen können, sagte Dreyer nicht. Die Städte Koblenz und Neuwied bekundeten bereits Interesse.

Wenn die Kriterien für eine Modellregion erfüllt werden könnten, seien Kultur, Sport, Gastronomie und Einzelhandel möglich, sagte Dreyer. Voraussetzungen seien Schnell- und Selbsttests in «ausreichender Zahl». Dabei müssten einheitliche Dokumente für den Nachweis eines negativen Ergebnisses vorliegen, «also nicht irgendeinen Wisch, wie man ihn auch vom Computer runterladen kann mit hohen Fälschungsmöglichkeiten», betonte Dreyer. «Wir wollen das alles IT-gestützt machen.»

Dabei setzt das Land auf die kostenfreie App Luca. Die Regionen, die mitmachen wollen, brauchen Gesundheitsämter, die das System Sorma und die Schnittstelle zu Luca bei der Kontaktnachverfolgung nutzen. Zudem müsse klar sein, «wie Ordnungsämter oder der Einzelhandel drauf schauen, dass die beschlossenen Hygienemaßnahmen eingehalten werden», sagte Dreyer. Bei Missbrauch seien hohe Bußgelder vorgesehen. «Wir wollen auf das Prinzip setzen: Anstrengung lohnt sich!»

Das sogenannte Rheinland-Pfalz-Modell solle auch wissenschaftliche Ergebnisse liefern. «Die Modellkommunen sollen durch ihre Gesundheitsämter die Daten im Rahmen des Modells evaluieren.» Dabei gehe es darum um die Infektionsfälle zu erkennen. «Die Erkenntnisse aus diesem Projekt sollen so aufgearbeitet werden, dass sie hilfreich bei der Öffnung von weiteren Einrichtungen sind.»

Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen bezogen auf 100 000 Einwohner in den zurückliegenden sieben Tagen, lag am Mittwoch in ganz Rheinland-Pfalz bei 84,1. Das ist der höchste Stand seit dem 29. Januar. Vor einer Woche waren es 66,0, vor zwei Wochen 48,0.

Die höchste Inzidenz gibt es im Kreis Altenkirchen im nördlichen Westerwald mit 174,7. Danach folgen der Kreis Neuwied (161,9), die Stadt Ludwigshafen (159,6) und die Stadt Speyer (132,5). Von den 36 Kreisen und Städten des Bundeslands sind 10 über einer Inzidenz von 100 und 7 unter einem Wert von 50. Die niedrigste Inzidenz meldet der Kreis Bernkastel-Wittlich mit 28,4. In der Landeshauptstadt Mainz liegt der Wert bei 67,3.

«Auch ohne Oster-Lockdown werden wir mit ganz großer Konsequenz unseren Weg weiter gehen», betonte Dreyer. «Als Schutzwall setzen wir ganz generell auf Impfen, Impfen, Impfen und Testen, Testen, Testen.» Testzentren seien auch Ostern geöffnet - und Testen sei wichtig, solange es nicht genügend Impfstoff gebe.

Mit den Kirchen sei die Landesregierung im Gespräch, «dass die Gottesdienste vielleicht vergleichbar mit Weihnachten, auf jeden Fall sehr verantwortungsvoll und zurückhaltend durchgeführt werden». Eine Öffnungsperspektive für Ferienwohnungen, Campingplätze, Wohnmobile oder Hotels sehe sie derzeit nicht. «Wir haben im Moment nicht die Tendenz, weitere Öffnungen zu machen.»

Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Christian Baldauf begrüßt es, wenn Religionsgemeinschaften letztlich selbst über Ostergottesdienste in Corona-Zeiten entscheiden können. «Keiner kann besser einschätzen, ob ein Gottesdienst in der jeweiligen Gemeinde sicher gefeiert werden kann oder nicht, als die dort Verantwortlichen», teilte Baldauf am Mittwoch mit. Die Kirchen in Deutschland hatten kritisiert, dass sie von der Bitte von Bund und Ländern, an Ostern auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, überrascht worden seien. Baldauf betonte: «Ostern ist nicht irgendein Fest. Vielmehr ist es als höchstes christliches Fest von zentraler Bedeutung für die Christinnen und Christen.» Gerade in der Pandemie könnten klassische Gottesdienstbesuche Halt und Zuversicht bieten. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Bayerische Oberste Landesgericht hat die Vergabe der Festzelte Paulaner und Schottenhamel für das Oktoberfest 2026 bestätigt. Ein Wirt hatte eine europaweite Ausschreibung gefordert.

Vier Gastronomiebetriebe haben das Finale der Uber Eats Awards 2026 erreicht und treten am 26. Oktober 2026 in Berlin gegeneinander an. Eine Jury um Tim Raue entscheidet über die Vergabe von insgesamt 55.000 Euro Preisgeld.

Der Leaders Club Deutschland besteht seit 25 Jahren und zählt inzwischen mehr als 450 Mitglieder aus über 230 Unternehmen. Das Jubiläum wird am 13. November 2026 im Rahmen des Leaders Club Award in Hamburg gefeiert.

Die Althoff Hotels starten mit dem Althoff Eats Club ein kostenfreies Angebot rund um Kulinarik, Wein und Reisen. Grand Chef Joachim Wissler teilt Restaurantempfehlungen und stellt Produzenten sowie kulinarische Entdeckungen vor.

Pizza Pilgrims kündigt sein erstes deutsches Restaurant für den 2. November 2026 in München an. Ein zweiter Standort soll im Januar 2027 folgen; insgesamt strebt die Marke bis zu 50 Standorte in Deutschland an.

Bayerns Gastronomie verzeichnete im August 2026 einen realen Umsatzrückgang von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Beherbergung erzielte dagegen preisbereinigt ein Plus von 2,6 Prozent.

Die Deutsche Kreditbank (DKB) hat gemeinsam mit Sodexo den neuen Campus „Upbeat“ in der Berliner Europacity eröffnet. Sodexo übernimmt die gastronomische Versorgung sowie weitere Bewirtungsleistungen am Standort.

Das Bristol Berlin hat am Kurfürstendamm das Restaurant Flaneur eröffnet. Die Brasserie bietet französisch geprägte Küche und verfügt über 120 Plätze im Innenbereich sowie 86 Terrassenplätze.

Das Hotel der Stern in Bad Hersfeld kündigt die Schließung des L’étable zum 2. Januar 2027 an und nennt fehlende Gäste als Grund. Küchenchef, Restaurantleiter und Mitarbeiter würden im Haus bleiben und an einem neuen gastronomischen Konzept mitarbeiten.

An einer Tankstelle in München kann man sich von einem Kochroboter Käsespätzle, Kaiserschmarrn oder eine asiatische Tom-Kha-Gai-Suppe kochen lassen. In etwa fünf Minuten bereitet der autonome Koch eine warme Mahlzeit zu.