Bald wieder Bier in englischen Pubs? - Johnson: «Uraltes Recht»

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Bitte ein Pint! Nach mehr als drei Monaten Corona-Zwangspause könnten die beliebten englischen Pubs bald wieder öffnen. Noch am Montag wollte Premierminister Boris Johnson mit Ministern und Wissenschaftlern hinter verschlossenen Türen über eine Lockerung der Corona-Maßnahmen auch in der Gastronomie diskutieren. Johnson werde die Ergebnisse am Dienstag vorstellen, bestätigte eine Regierungssprecherin der Deutschen-Presse-Agentur in London.

Viele Pubs gelten in Großbritannien als zweites Wohnzimmer, in denen man sich in geselliger Runde nach Feierabend zum Bier trifft. Gerade im Sommer stehen oft Menschentrauben vor den Eingängen und trinken ihr Pint, das etwas mehr als einem halben Liter entspricht.

Als Johnson in der zweiten Märzhälfte strenge Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie verkündete, wurde er beim Thema Pub-Schließungen fast theatralisch: «Ich weiß, dass wir etwas Außergewöhnliches machen. Wir nehmen das uralte und unveräußerliche Recht frei geborener Menschen, in den Pub zu gehen, weg.»

Die Geschäftsführerin des britischen Bier- und Pub-Verbandes, Emma McClarkin, warnte erst kürzlich: «47 000 Pubs und 2000 Brauereien in Großbritannien haben einen kritischen Moment erreicht und brauchen nun ein konkretes Datum, wann sie wieder öffnen können.» Die Branche fürchtet den Verlust Hunderttausender Arbeitsplätze.

Schon seit Jahren kämpfen die Betreiber gegen ein Pub-Sterben vor allem in ländlichen Gebieten. Eine gesündere Lebensweise, die hohe Biersteuer und das Rauchverbot halten viele Briten vom Kneipenbesuch ab. In Städten war dort bislang hingegen oft kaum ein Platz zu bekommen.

Britische Medien rechnen nun damit, dass trotz Pandemie viele Pubs, Restaurants, Hotels und Friseurläden ab 4. Juli wieder ihre Dienste anbieten dürfen - aber wohl mit bestimmten Sicherheitsvorkehrungen. Die Maßnahmen gelten nur für England: Jeder britische Landesteil entscheidet über seine eigenen Maßnahmen im Kampf gegen das Virus.

Voraussetzung für die Pub-Öffnungen dürfte wohl sein, dass auch die bislang wegen der Pandemie geltende Zwei-Meter-Abstandsregel in England gelockert wird. Denn viele Betreiber halten den Betrieb von Pubs und Restaurants ansonsten für unrealistisch, sie fürchten viel zu geringe Umsätze. Im Gespräch ist eine Reduzierung um einen Meter.

Kritiker warnen hingegen vor verfrühten Maßnahmen: Großbritannien hat die meisten Corona-Todesopfer in Europa. Der Regierung wird zudem vorgeworfen, zu spät und falsch auf die Pandemie reagiert zu haben.

Ob eine Ein-Meter-Abstandsregelung sinnvoll ist und das Bier in den Pubs bald wieder in Strömen fließen wird? Zeshan Qureshi, Leiter einer Studie zur sozialen Distanz, hat da so seine Bedenken: Viele Untersuchungen zum Abstandhalten bei der Übertragung von Krankheitserregern fußten auf alten Daten und seien gar nicht auf das Coronavirus bezogen, sagte der Londoner Mediziner der BBC. Sein Fazit: «Mehr soziale Distanz ist besser als weniger soziale Distanz.» (dpa)


 

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