Bayerische Wirte kritisieren fehlende Planungssicherheit bei Corona-Maßnahmen

| Gastronomie Gastronomie

Wiesn- und Innenstadtwirte in München kritisieren bei den Corona-Maßnahmen fehlende Planungssicherheit für ihre Branche. Die Politik müsse verlässlicher und vorausschauender planen, sagte der zweite Wiesnwirte-Sprecher und Nockherberg-Chef Christian Schottenhamel der Deutschen Presse-Agentur. «Wir reden seit Monaten von einer zweiten Welle. Es wäre schön, wenn wir von der Staatsregierung vorher informiert worden wären, was für diesen Fall geplant ist.»

Während seit Samstag in Bayern Bars wieder öffnen dürfen, sollen laut Kabinettsbeschluss bei Überschreitung von 50 Neuinfektionen in einer Region in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner striktere Regeln gelten. Etwa sollen sich nur fünf Menschen als Gruppe in der Öffentlichkeit aufhalten.

In München wurde dieser Wert laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mehrfach überschritten. Am Mittwochabend gab die Stadt eine entsprechende Allgemeinverfügung bekannt.

Damit dürfen nur noch fünf Personen zusammensitzen. Schottenhamel sagte die Reservierungen für seinen Festsaal mit unter Corona-Bedingungen rund 450 Plätzen bereits ab. Dort gibt es Tische für acht Gäste. Die Wirte hätten Verständnis, dass Maßnahmen nötig seien. Aber: «Wenn wir vorher gewusst hätten, dass es kommen kann, dass wir nur fünf Personen an einen Tisch setzen können, hätten wir vorher schon reagieren und nur Reservierungen für fünf Menschen am Tisch annehmen können.»

«Es wäre schön, vorausschauende und planbare Verordnungen zu bekommen, die es uns ermöglichen, in unseren Betrieben die Strukturen rechtzeitig entsprechend zu verändern», sagte auch der Sprecher der Innenstadtwirte und Chef des Augustiner Klosterwirt, Gregor Lemke. Es gehe etwa um das Reservierungsmanagement. Auch für neue Abstände, kleinere Einheiten, Trennwände und die Schulung von Personal sei Vorlauf nötig. Es gebe eine Reihe von Stornierungen - auch aus Sorge vor dem Virus. Vor allem sagten Gäste ab, weil Gruppen nicht wie geplant kommen könnten und sie «sich den Wirtshausgenuss nicht schmälern lassen wollen». Gruppen wollten nicht hinter Plexiglas oder an einem anderen Tisch sitzen und verschöben dann lieber den Besuch.

Die neuen Regeln bremsen auch die WirtshausWiesn, die am Samstag zum ursprünglich geplanten Oktoberfeststart begann. Damit wollen die Wirte bis 4. Oktober etwas Wiesnstimmung in die Stadt bringen. «Es ist schade, dass die WirtshausWiesn nun in dem Umfang nicht mehr stattfinden kann», sagte Schottenhamel. Die Resonanz sei zum Auftakt sehr gut gewesen, sagte Lemke. «Ich habe schon lang nicht mehr in der Innenstadt so viele fröhliche, gut gelaunte Menschen gesehen. Ich bin sicher, wir haben ihnen einen Tag Lebensfreude geschenkt.»

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen war allerdings Kritik an der Ersatz-Wiesn-Aktion laut geworden. In den sozialen Medien äußerten Menschen Unverständnis, dass Kinder mit Maske in der Schule sitzen sollten, in den Kneipen aber gefeiert werde. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Wie die Corona-Krise die Gastronomie trifft: Umsätze von März bis August 2020 sanken um 40,5 Prozent

Regionaler Lockdown, Kontaktbeschränkungen, Sperrstunde: Wie die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Gastronomie zeigt das Statistische Bundesamt. Die Umsätze sanken von März bis August 2020 um 40,5 Prozent, um 17,6 Prozent.

Brenner Kitchen: Kull & Weinzierl starten neues Restaurant in Schwabing

Mit der „Brenner Kitchen“ eröffnen Gastronom Rudi Kull und Architekt Albert Weinzierl in den ehemaligen Räumen des Restaurants Riva ein neues Gastro-Konzept in München-Schwabing. Gäste erwarten Klassiker und „Signature Gerichte“ aus dem Brenner, aber auch neue Kreationen.

Grenzlokal und Corona: In den Niederlanden bestellen, in Deutschland essen

Wer bei «Rick’s Vis» in Gronau essen will, durchläuft ein besonderes Prozedere: Erst geht es auf niederländischen Boden zur Bestellung. Zum Essen spaziert man dann einfach wenige Meter weiter auf die Terrasse auf deutschem Boden in Nordrhein-Westfalen.

Sternerestaurant Costes in Budapest zieht ins Riesenrad

Das Sternerestaurant Costes in Budapest hat sich für seine Gäste etwas ganz Besonderes einfallen lassen und ihnen ein Vier-Gänge-Menü im Riesenrad serviert. Damit sorgte Inhaber Karoly Gerendai nicht nur für ein absolutes Highlight, sondern auch für den größtmöglichen Corona-Schutz.

Bußgeld, Platzverweis, Schließung: Polizei greift bei Verstößen gegen Auflagen hart durch

In Gaststätten kommt es im Südwesten des Landes vermehrt zu Verstößen gegen die Corona-Auflagen. Die Behörden reagieren mit Bußgeldern und Platzverweisen. In Mannheim wurde eine Gaststätte nach schweren Verstößen geschlossen.

Weitere Entscheidungen zu Sperrzeiten in den Bundesländern gefallen

Regelungen zu Sperrzeiten in der Gastronomie beschäftigen Gerichte bundesweit. In einigen Regionen wurde jetzt geurteilt – mit unterschiedlichen Ausgängen.

Lockdown im Berchtesgadener Land: Lockerung bei To-Go-Gerichten

Im stark von dem Corona-Virus betroffenen Berchtesgadener Land können die Menschen nun auch nach 20.00 Uhr wieder Essen zum Mitnehmen bestellen oder abholen. Das Landratsamt änderte seine strenge Allgemeinverfügung diesem Punkt.

Kein Anstoßen mit Kollegen - Firmen verzichten auf Weihnachtsfeiern

Viele Unternehmen nutzen Weihnachtsfeiern zur Pflege des Betriebsklimas. Für Gaststätten, Bars und Hotels sind sie eine wichtige Einnahmequelle. Wegen der Pandemie werden viele Feiern dieses Jahr aber ausfallen - und dann ist da noch das Familienproblem.

Berliner Verwaltungsgericht entscheidet erneut gegen Sperrstunde

Das Verwaltungsgericht Berlin hat die Sperrstunde für weitere Berliner Gastwirte praktisch aufgehoben. Wie schon vor einer Woche gab das Gericht nun erneut mehreren Eilanträgen gegen die vom Senat zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beschlossene Regelung statt.

Kreativer Trick: Wirt spendiert Freibier für die richtigen Kontaktdaten

Immer noch gibt es viele Gäste, die beim Restaurantbesuch nicht ihre korrekten Daten angeben. Genau denen hat die kleine Brauerei Berg in Baden-Württemberg jetzt den Kampf angesagt. Allerdings nicht mit harten Bandagen, sondern mit Freibier.