„Enorme Anstrengungen“: Christian Bau über Gastro-Führer und schnorrende Journalisten

| Gastronomie Gastronomie

Jedes Jahr nach dem Erscheinen der neuen Restaurantführer stellen Außenstehende die Seriosität der Bewertungen infrage. Dabei betrieben die professionellen Tester einen großen Aufwand, um zu fairen Einschätzungen zu kommen, glaubt Drei-Sterne-Koch Christian Bau rüffelt indirekt schnorrende Blogger und Journalisten.

„Ich möchte eine Lanze für die Führer brechen, die den größtmöglichen Aufwand betreiben, die Restaurants anonym testen und ihre Rechnung selbst bezahlen, während Journalisten und Blogger sich stets ankündigen und bis auf wenige Ausnahmen erwarten, eingeladen zu werden“, schreibt Bau in einer Kolumne für Iconist.

Es sei leicht, einem angekündigten Gastrokritiker die größte Aufmerksamkeit und eine besonders üppige Nocke Kaviar zukommen zu lassen, so der Spitzenkoch. Doch wenn alle Tische gleichzeitig besetzt seien, der Service an seine Grenzen gebracht werde und dann noch ein Tester unangekündigt und inkognito im Restaurant sitze, würde es eng werden, so Bau. „Ein Profi erkennt leichte Schwankungen in der Tagesform schon an den Bildern der Gerichte, die von den Gästen im Netz gepostet werden“, erklärt der Drei-Sterne-Koch in der Kolumne.

Außerdem räumt er mit dem Vorurteil auf, dass die Tester der großen Restaurantführer wie „Guide Michelin“, „Gault&Millau“ oder „Gusto“ durch bestimmte Autokennzeichen oder anderen Merkmalen zu erkennen seien. „Die Anstrengungen, die die Tester auf sich nehmen, um nicht erkannt zu werden, sind enorm. Sie buchen sich immer unter Pseudonymen ein, für die sie eigene E-Mail-Adressen anlegen. Die hinterlegten Telefonnummern stammen von Prepaid-SIM-Karten und ändern sich laufend“, so Bau. Außerdem kämen die Tester oft zu zweit oder zu dritt, um nicht aufzufallen. „Und sie legen auch keine Notizbüchlein auf den Tisch, wie manche Leute glauben.“

Sternekoch Christian Bau stellt daher klar: „Wer sich in Deutschland auf diese drei unabhängigen Führer verlässt, statt auf das tendenziöse Hoch- oder Niederschreiben in den Kommentarspalten und Blogs, der erlebt selten eine Enttäuschung.“


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Hackbällchen in Tomatensoße im Sternerestaurant: Das Berliner Nobelhart & Schmutzig serviert Polpette nach einem Familienrezept. Das Gericht ist Teil der Reihe „Wir kochen Heimat“.

Die schwedische Gastronomiekette Pincho Nation kündigt für 2027 die Eröffnung eines neuen Standorts in Lübeck an. Das Unternehmen mietet dazu ein denkmalgeschütztes Bürgerhaus in der Innenstadt und setzt seine Expansion in Norddeutschland fort.

Die Berliner Traditionsmarke Rogacki soll zunächst mit einem Kochbuch zurückkehren. Die Crowdfunding-Kampagne stößt auf LinkedIn auf überwiegend positive Reaktionen. Eine Wiedereröffnung des Stammhauses zum Jubiläum 2028 bleibt ein weitergehendes Ziel.

Was im Sommer 2011 mit einem einzigen Restaurant an der Linzer Promenade begann, ist heute ein Netzwerk von 17 Restaurants in ganz Österreich geworden. Anlässlich des Jubiläums lud L'Osteria Österreich nun zu einer Feier an genau jenen Ort, an dem alles begann.

Waschbär mit Rotwein-Preiselbeersoße? In Weimar schafft ein Kochkurs für Jäger neue Geschmackserlebnisse. Was beim Zubereiten und bei der Kontrolle des Fleisches besonders zu beachten ist.

Ein Restaurantbesuch des Gastro-Influencers Kemal Üres bei Timberjacks in Bannewitz bei Dresden hat sich zu einem öffentlichen Schlagabtausch entwickelt. Üres kritisierte das Essen der Restaurantkette in einem Instagram-Video​​​​​​​ massiv. Timberjacks widerspricht seiner Darstellung. Inzwischen hat die Auseinandersetzung auch eine rechtliche Ebene erreicht.

Mitchells & Butlers verlängert den Mietvertrag für das Alex Dortmund um 15 Jahre, schließt den Standort Ende August 2026 jedoch für einen zweijährigen Umbau. Nach der Neugestaltung soll der Betrieb 2028 mit vergrößerter Fläche und neuem Konzept wiedereröffnen.

Die Akzeptanz für digitales Trinkgeld steht und fällt mit dem passenden Setup. Ein Viertel der Restaurantgäste in Deutschland fühlt sich durch die automatischen Vorschläge schlicht unter Druck gesetzt, mehr zu geben als eigentlich geplant.

Burgermeister expandiert nach Tschechien und eröffnet Anfang 2027 eine neue Filiale am Prager Wenzelsplatz. Der Standort im Stadtbezirk Prag 1 bildet den Auftakt für ein geplantes Wachstum im tschechischen Markt.

Der Koch und Gastronom Jörg Müller ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Müller starb am vergangenen Wochenende nach längerer, schwerer Krankheit. Der gebürtige Freiburger führte seit 1988 sein eigenes Restaurant in Westerland auf Sylt.