Es geht um die Currywurst! Zwischen Kult und scharfen Trends

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Sie brutzelt, sie duftet und sie macht satt – die Currywurst landet millionenfach in Kantinen und Imbissen und auf dem Teller oder in der Pappschale. Heiß geliebt wird sie vor allem in Berlin und im Ruhrgebiet. Dort ist sie kollektive Esskultur und regionale Identität. Glücklich ist der, der ums Eck einen guten Imbiss hat, denn Currywurst ist oft Ehrensache. Geschmackssache ist sie sowieso. Doch wie mag der Berliner seine Wurst? Und wie wird sie im Pott gegessen?

Berlin oder Ruhrgebiet: Jeder nach seiner Façon

«Mein Großvater Max Konnopke machte Currywurst, meine Mutter machte Currywurst und ich mache Currywurst», so stellt sich Mario Ziervogel, Berliner Imbissbetreiber in dritter Generation, vor. «Konnopke’s Imbiss» ist Ost-Berliner Currywurst Geschichte. Ziervogel, der mit «Ziervogel’s Kult-Curry» eigene Wege geht, weiß, wie die Berliner ihre Currywurst mögen: typischerweise ohne Darm, weich, hell und eher mild im Geschmack. 

Dazu eine fruchtig-süß würzige Soße mit feiner Konsistenz und reichlich Currypulver obendrauf. Als Beilage laufen Pommes der klassischen Berliner Schrippe den Rang ab. Außerdem mögen es die Gäste heute schärfer, so Ziervogel. Chili-Soßen als Ergänzung sind fast überall erhältlich.

Im Ruhrgebiet hingegen bevorzugt man die Bratwurst mit Darm: gebräunt vom Grill, knackig und bissfest. Dazu eine dickere, meist dunkle und würzige Soße. Was handfest ist und nach Maloche klingt, hat im Pott Kultstatus. Mit Pommes rot-weiß wird eine Manta-Platte draus.

Eine gute Wurst als Grundlage

Ob nun die Soße oder die Wurst wichtiger ist, darüber lässt sich streiten. Fakt ist, die beste Soße ist nichts ohne eine gute Wurst. «Bei uns enthält die Currywurst weniger Gewürze als die Bratwurst. Sie ist neutraler im Geschmack», sagt Ziervogel. In den meisten Imbissen ist es jedoch die gleiche Wurstsorte, meist eine vorgegarte, feine Brühwurst. 

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Wurst-Geschmäcker geändert. «Bockwurst war früher der Hit. Heute will sie keiner mehr», so Ziervogel. Dafür hat er sein Angebot um fleischlose Alternativen erweitert. «Ich will ja nicht, dass jemand hungrig daneben sitzt», so Ziervogel.

Mag die Wurst geschmacklich nicht rausstechen, trotzdem zahlt sich Qualität vom Metzger aus. Eine Wurst mit hohem Fleischanteil und kurzer Zutatenliste, die fest, aber nicht gummiartig ist, eignet sich gut. Ob mit Darm oder ohne, ist übrigens keine Frage der Qualität, sondern nur der Textur.

Kreative Varianten vom Currywurst-Festival

Mag die Currywurst in Berlin und dem Ruhrgebiet ein kulinarisches Kulturgut sein, wird in anderen Regionen erfolgreich mit ihr experimentiert. In Neuwied etwa findet jedes Jahr das Festival der Currywurst statt. Mehr als 30 Anbieter präsentieren dort ihre unterschiedlichen Interpretationen des Klassikers. «Die Vielfalt überrascht uns immer wieder», sagt Oberbürgermeister Jan Einig. Viele Kombinationen klängen zunächst ungewöhnlich, seien am Ende aber sehr beliebt.

Als fast noch klassisch dürften Currywurst mit Jack-Daniels-Soße, Trüffelbratwurst und grobe Wildbratwurst aus Hirsch und Reh mit einer Curry-Pflaumen-Zimt-Soße durchgehen. Schon experimenteller sind Currywurst aus Lachs, schwäbische Maultaschen gefüllt mit Currywurst, vegane Currywurst Carbonara-Style oder der Currywurst- Burger. Ganz mutige Besucher durften Ahoi-Currywurst mit Brausepulver-Topping oder Bubblegum-Currywurst, eine Wurst mit schaumig-cremiger, blauer Soße, genießen.

Ein Stück deutsche Imbisskultur

Ist bei der Currywurst also alles erlaubt? «Blattgold oder Trüffel? Das sind Modeerscheinungen, die sind schnell wieder weg», sagt Ziervogel. Für ihn, wie für Millionen andere Fans der Currywust, liegt deren Stärke im vertrauten Geschmack. Manta-Platte, Schimanski-Teller oder von Herbert Grönemeyer besungen - die Currywust ist längst Teil der Popkultur. Und poppt gerade in den Sozialen Medien als Bestandteil des Taxitellers wieder auf. Das nicht nur Taxifahrer sattmachende Gericht hat es in sich: Es besteht aus Gyros, Zaziki, Pommes und Currywurst.

Ob die Currywurst in Berlin, Hamburg oder Duisburg erfunden wurde, wird leidenschaftlich diskutiert. Die Antwort mag im gelben Pulverdunst der Geschichte liegen, doch dass es die Currywurst gibt, ist ein Glücksfall. Bleibt nur noch zu klären, ob eine oder «zwei Currywurst». Entscheidet der Appetit, lautet die Antwort meist: «Doppel-Currywurst.» (dpa)


 

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