In der Gastronomie gilt: „Jeder Blick über den Tellerrand ist ein guter“. Und nicht zuletzt deshalb, weil Deutschland nun einmal eine Nation der Grill-Fans ist, ist ein Barbecue (BBQ) für viele Häuser eine gute Möglichkeit, für einen Tag aus der gastronomischen Routine auszusteigen. Der Lohn: Lob von den Stammgästen, potenziell viele neue Kunden, tolle Außenwirkung.
Doch damit dieser Dreiklang stimmig zu einem erfolgreichen Geschmackskonzert wird, muss das Event-Barbecue einige Pflichten und Küren bestehen. Der folgende Artikel zeigt, worauf es ankommt.
Trick 1: Es muss zum Hauscharakter passen
Den meisten Häusern ist gemein, dass sie vornehmlich eine Form von landes- oder regionaltypischer Küche anbieten. Das gilt für den gutbürgerlichen Landgasthof ebenso wie für das chinesische Restaurant oder den Franzosen im Brasserie-Stil.
Falsch wäre es in diesem Sinne, BBQ nach Schema-F zu machen: Also deutschem Stil mit Grillwurst, Schweinenackensteak und Nudelsalat. Jedes Land hat Köstlichkeiten, die sich perfekt auf ein Barbecue übertragen lassen. Das ist für ein stimmiges Gesamtbild absolut grundlegend.
Tipp: Das US-amerikanische Barbecue hat so viele regionale Eigenheiten, teils mit vielen europäischen Wurzeln, dass man hier immer einen Recherche-Blick wagen kann.
Trick 2: Ein Barbecue-tauglicher Platz muss vorhanden sein
Es mag verlockend klingen: Draußen steht der Grill und die Gästeschar nimmt die davon stammenden Köstlichkeiten im Restaurant ein. Doch leider läuft es so nicht.
Barbecue ist immer ein Outdoor-Event
Der Grill muss ebenso draußen stehen wie die Sitzgelegenheiten und im Idealfall auch eine Zapfmöglichkeit für Getränke. Das hat nur zum Teil mit der Sommerhalbjahr-Attitüde des Grillens zu tun. Auch das Zusehen bei der Entstehung ist wichtig. Zudem würde es den Event-Charakter gehörig reduzieren, wenn in den normalen Gasträumen gespeist würde.
Eine Terrasse ist das Minimum; besser ist eine Wiese. Mangelt es daran, sollte überlegt werden, ob und wie der Parkplatz „naturnah“ umgestaltet werden kann. Dazu gehört auch:
Trick 3: Wer sich auf das Wetter verlässt, wird verlassen
In der Vorstellung ist Barbecue eine Wochenend-Veranstaltung, die bei bestem (aber nicht zu heißem) Sommerwetter von mittags bis in die Dunkelheit andauert. In der Realität haben wir jedoch einen Klimawandel und Sommer, die, gelinge gesagt, mit Wetterkapriolen aufwarten.
Natürlich, man sollte für die Terminierung zumindest beim Deutschen Wetterdienst eruieren, welches der für den Restaurant-Standort statistisch sonnenscheinreichste Monat ist. Aber darauf verlassen sollte man sich in diesen Zeiten nicht. Auch nicht darauf, dass es kein ausgesprochen heißer Tag wird.
Neben der groben Planung sollte auf jeden Fall folgendes vorhanden sein:
Je nach aktueller Wettervorhersage entweder direkt Pavillons (als Sonnen- und Regenschutz) für alle Gäste oder zumindest so, dass diese rasch aufgestellt werden können.
Wetterfeste Installation der Grillzone, Stromversorgung usw.
Je nach aktueller Wettervorhersage zusätzliche Maßnahmen, etwa zusätzliche Getränkekühler, mehr Eis usw.
Ferner sollte kein paralleler Normalbetrieb stattfinden. So hat man bei einem heranziehenden Unwetter die Option, das Event ohne Unterbrechung im Gastraum weiterlaufen zu lassen.
Tipp: Auch im Herbst und bei stabiler Hochdrucklage (kalt, aber trocken) selbst im Winter kann ein Barbecue-Event stattfinden. Mit Heizpilzen, Decken und Co. ist das kein Problem.
Die meisten Küchenprofis haben zumindest grundlegende Grillkenntnisse. Allerdings ist der Grill in der geschlossenen Restaurantküche doch etwas anderes als ein offenes Feuer im Freien.
Denn darauf kommt es an: Auch wenn es Gas- und Elektrogrills gibt, erwarten die meisten Menschen bei einem Event-Barbecue schwelende Glut. Dabei ist ein (oder eher mehrere) Grill(s) nur ein Teil der Miete. Die andere besteht darin, die fachmännischen Glut-Basics zwischen dem richtigen Anzünd- und Brennstoff, dem korrekten und sicheren Anfeuern und dem richtigen Grillen zu beherrschen.
Im Zweifelsfall: Den Koch zuvor trainieren lassen. Das sollten selbst Küchen-Routiniers tun, sofern sie nicht auch regelmäßig am (Outdoor-)Grill stehen. Zu den Event-Basics gehört auch noch etwas anderes:
5. Das Fleisch muss absolut erstklassig sein
Ein Event bedeutet immer, dass den Gästen dabei etwas Besonderes geboten wird. In diesem Sinne erfüllt natürlich ein Outdoor-Barbecue schon einen Teil dieser Regel, aber nicht alles.
Barbecue ist, Zeitgeist hin oder her, weltweit und in den Köpfen der meisten Menschen eine sehr fleischige Veranstaltung (auch wenn man vegane Gäste niemals vergessen sollte).
Dafür sollte man nicht das gleiche Fleisch nehmen, das man sonst im Großhandel kauft, sofern nicht schon das ausnehmende Spitzenqualität hat. Irish Hereford, Eichelmast, trocken gereift. Das sind Schlagworte, nach denen man suchen sollte. Dabei stehen die Chancen allerdings eher schlecht, dass man das beim normalen Fleischgroßhändler bekommt, dazu muss man zum Fleischgourmet-Fachhändler.
Tipp: Wenn es zum Hauscharakter passt, kann im Herbst natürlich auch Wild gegrillt werden.
Genau aus diesem Grund, derart exquisites Fleisch, sollte man sich auch gewahr werden, dass das Barbecue keine Füllhorn-Veranstaltung sein kann.
Natürlich ist es unumgänglich, eine gewisse Variation anzubieten. Doch selbst im Vergleich mit zeitgenössisch reduzierten Speisekarten kann eine solche Veranstaltung keine große Variantenvielfalt anbieten.
Aus diesem Grund sollte man sich beschränken. Drei verschiedene Fleischspeisen können als guter Richtwert angesehen werden. Diese können gleichwertig sein (etwa Rindersteaks, Schweinswürstchen und Geflügel) oder eines kann als generelles Highlight herausragen, dem die anderen Speisen optional zur Seite gestellt werden (etwa der Klassiker, Spanferkel, zu dem auch Burger serviert werden).
Dabei kann man als Gastronom darauf vertrauen, dass die meisten Menschen wissen, dass ein Barbecue immer mit reduziertem Angebot gefahren wird.
Tipp 1: In jedem Fall sollte man anhand seiner bisherigen Gästestruktur eruieren, in wie weit abzusehen ist, dass auch vegetarische/vegane Gäste anwesend sein werden. Diese sollten a) gleichberechtigt behandelt werden, also ebenso Grill-Highlights bekommen und b) diese von einem eigenen Grill genießen können.
Tipp 2: Wenn es von der Ausrichtung des Hauses her passt, kann das Barbecue auch eine gänzlich vegane Veranstaltung sein und vielleicht den Bekanntheitsgrad des Hauses noch positiver steigern als selbst das beste „normale“ BBQ.
Trick 7: Die Werbetrommel rühren
Wer sich damit begnügt, auf der Webseite des Hauses, dem Aufsteller vor der Tür und vielleicht einem Einleger in der Speisekarte auf dieses Event hinzuweisen, darf sich nicht wundern, wenn die Gästezahl dabei sehr überschaubar bleibt.
Es muss natürlich keine große Werbekampagne im Salitos-Stil sein. Aber man sollte durchaus kräftiger die Werbetrommel rühren, als es normalerweise für den laufenden Betrieb der Fall ist.
Social Media ist heute schon deshalb der wichtigste Anlaufpunkt, weil es sehr niedrigpreisig ist. Vor allem ist es der mit Abstand schnellste Weg, um zu informieren, etwa über Planänderungen, weil das Wetter drauf und dran ist, den ursprünglichen Plan „wegzuspülen“. Dabei sollte sowohl regelmäßig im Vorfeld an das Event erinnert werden (wichtig vor allem für die bestehenden Follower) wie man für alle Neuankömmlinge auf der Seite den Flyer oder einen ähnlichen Hinweis anpinnen sollte.
Falls bereits ein Instagram-Account besteht und gute Follower-Zahlen aufweist, sollte auch er eingebunden werden, vom Aufbau des Grills über den Einkauf des Fleischs bis zum Aufbau der Sitzgelegenheiten. Natürlich versehen mit den korrekten Hashtags.
Viele Restaurants haben bereits einen gewissen lokalen Bekanntheitsgrad. Das Event-BBQ zu nutzen, um diesen noch zu steigern, kann auch Anlass sein, speziell für diesen Termin die (lokale) Presse einzuschalten. Viele Radiosender und noch mehr Zeitungen haben Veranstaltungstipps in Petto, in die man sich aufnehmen lassen kann, ohne die (Kosten-)Last eines echten Werbespots / einer Werbeanzeige tragen zu müssen.
Viele glauben, Wetter sei eine 50-50-Angelegenheit, also entweder gut oder schlecht. Stimmt nicht ganz. Speziell bei Outdoor-Events ist es eher eine 33-33-33-Angelegenheit: Zu schlecht, genau richtig, zu gut (heiß, trocken, schwül…).
Wichtig ist deshalb, dass man nie davon ausgeht, dass das Wetter ideal sein wird. Wettergeschützte Sitzgelegenheiten, wie sie bereits erwähnt wurden, sind die Basis. Doch ein guter Gastronom hat zwischen regnerischer Playlist und hitzebedingt atypisch großem Durst auf Nichtalkoholisches immer Lösungen auf Lager, um dieses Event auch dann noch zu einem vollen Erfolg zu machen, wenn Petrus etwas anderes geplant hat.
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