Fernsehtipp - «À la Carte! - Freiheit geht durch den Magen»

| Gastronomie Gastronomie

Dieser Film zeigt zwei Errungenschaften aus dem 18. Jahrhundert, die das Selbstverständnis der Franzosen bis heute prägen. Es geht um die Revolution von 1789 und die Entstehung der Restaurantkultur. Die Komödie «À la Carte! - Freiheit geht durch den Magen» läuft am Montag um 20.15 Uhr im ARD-«Sommerkino» des Ersten.

Es brodelt und zischt und duftet - ein mehrgängiges Festmahl wird in der großen Küche vorbereitet. Chefkoch Pierre Manceron (Grégory Gadebois) fing hier einst als Küchenjunge an. Als der Küchenchef nach der Schlemmerei zu seinem Herrn, dem Duc de Chamfort (spitz: Benjamin Lavernhe), zitiert wird, hagelt es aber nur Hohn, Spott und Kritik von der undankbaren Tischgesellschaft. Insbesondere motzen sie über eine neue Vorspeise, Kartoffelsoufflé mit Trüffeln. «Alles, was unter der Erde wächst, ist unwürdig» schallt es dem gedemütigten Koch entgegen. Da Manceron eine Entschuldigung verweigert, muss er das Schloss verlassen und kehrt mit seinem erwachsenen Sohn Benjamin (Lorenzo Lefèbvre) auf den verlassenen Hof der Familie zurück.

Als eines Tages die angebliche Marmeladenköchin Louise (Isabelle Carré) vor ihm steht, um ausgerechnet bei ihm eine Lehre zu machen, weist Manceron sie mit den Worten «Kochen ist Männersache» ab. Auch findet er sie zu alt für eine dreijährige Ausbildung und hält sie für eine Lügnerin, doch sie gibt ihm ihre gesamten Ersparnisse. Er bringt ihr bei, nur ihrem Mund zu vertrauen, und sie nötigt ihm mit ihrer zupackenden Art alsbald Respekt ab. Als sich sein früherer Herr samt Entourage zu einem neuerlichen Festmahl ankündigt, legt sich Manceron richtig ins Zeug.

Grégory Gadebois (46, «Bis an die Grenze») spielt einen geradezu begnadeten Koch, der ganz genau weiß, welche kreativen Talente er hat. Er verleiht seiner gutmütigen Figur die entsprechende Statur und vor allem das notwendige Rückgrat - und er schenkt Louise zunehmend Vertrauen, auch Zuneigung, was sich - trotz seiner guten Menschenkenntnis - als trügerisch erweist. Bis sie gemeinsam etwas Neues wagen: Gäste jeden Standes sollen in ihrer Gaststube gemeinsam vorzüglich speisen können, mit einer Auswahl von Gerichten samt Speisekarte statt der sonst üblichen einfachen Kraftbrühe.

Regisseur Éric Besnard (59, «Birnenkuchen mit Lavendel», «Meine geistreiche Familie») setzt auf satte Bilder in stimmungsvollen Farben der vier Jahreszeiten, die fast wie Gemälde wirken und für viel Atmosphäre rund um das Backen und Kochen sorgen. Das keineswegs nur idyllische Landleben und die hübsch erfundenen vorrevolutionären Ideen (Pommes frites und Restaurants gab es bereits) fangen er und Kameramann Jean-Marie Dreujou außerordentlich gelungen ein. Und so ist dieser wunderbare Film eine pralle Hommage an die kulinarischen Genüsse des Lebens mit all ihren Facetten und verschiedenen Geschmackssinne, denen es Respekt zu erweisen gilt. Einfach köstlich.

Zurück

Vielleicht auch interessant

Laut YouGov ist der Anteil der Alkoholtrinker in Deutschland innerhalb von zehn Jahren von 78 auf 68 Prozent gesunken. Der Barmanager der Hamburger Skyline Bar 20up berichtet zugleich von steigender Nachfrage nach alkoholfreien Cocktails – ihr Anteil am Cocktailverkauf liege bei rund 30 Prozent.

Uber hat den Kauf der US-Cateringplattform ezCater für 2,3 Milliarden US-Dollar vereinbart. Mit der geplanten Übernahme soll Catering in das Angebot von Uber Eats eingebunden werden; der Abschluss steht noch unter Vorbehalt.

Die meisten Gourmetrestaurants seien weniger gefragt als noch vor einigen Jahren, erklärt Gusto-Gründer Markus Oberhäußer und verweist auf ein Überangebot an Fine-Dining-Konzepten. Zum Koch des Jahres kürt der Restaurantführer Sebastian Obendorfer vom Eisvogel in Neunburg vorm Wald.

True Food Kitchen hat ein Chapter 11-Verfahren beantragt und zwölf Restaurants geschlossen. Die US-Kette, an der Oprah Winfrey weiterhin beteiligt ist, betreibt noch 34 Standorte und plant einen gerichtlich beaufsichtigten Verkaufsprozess.

Am 2. November verkündet der Michelin Guide Schweiz seine Restaurantauswahl für das Jahr 2026. Die Zeremonie findet dieses Jahr auf fast 1.500 Metern Höhe in Andermatt in den Schweizer Alpen statt.

Das Münchner Oktoberfest ist ein Millionen-Spektakel. Doch noch nie war so viel los wie in diesem Jahr. Von einer «Gute-Laune-Wiesn» spricht die Stadt - doch wo viel Licht ist, gibt es auch Schatten.

Paris führt das Streetfood-Ranking von Radical Storage vor Athen und Thessaloniki an. Die Untersuchung aus April 2026 vergleicht 6.897 Betriebe und berücksichtigt unter anderem Anbieterdichte, Preise und Bewertungen.

Napoli on the Road in London führt die Rangliste 50 Top Pizza World 2026 vor Una Pizza Napoletana in New York und Confine in Mailand an. Pizza Zulu in Fürth erreicht als einziger deutscher Betrieb Platz 33.

Das Münchner Oktoberfest ist bisher ausgesprochen gut besucht. Bis inklusive Mittwoch kamen 5,2 Millionen Besucher, wie aus anonymisierten Mobilfunkdaten hervorgeht. Das waren rund 700.000 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Das «Fogón Asado» in Buenos Aires steht in der jährlichen Tripadvisor-Rangliste ganz oben in der weltweiten Gunst der Restaurantbesucher. In dem Grilllokal wird Fleisch ähnlich wie Wein verkostet.