Gastronomie in Deutschland: Wie man aus großen Vermögen ein kleines macht

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Wer in die Gastronomie investieren will, sollte sich auf die Aussage gefasst machen, ein großes Vermögen in die Hand zu nehmen, um am Ende ein kleines zu machen. Mit dieser ironisch-überspitzten Haltung hat die Mook-Group aus Frankfurt am Main in einer eigenen Analyse die Wirtschaftlichkeit von Investments in die handwerklich seriöse Speisegastronomie auf den Prüfstand gestellt. Dazu nutzte das Unternehmen die Sharpe-Ratio, eine Kennzahl aus der Finanzwelt, die sonst für die Bewertung von Aktien und Fonds herangezogen wird.

Eine "unorthodoxe" Idee und die kalte Dusche der Realität

„Nun kam uns die völlig unorthodoxe Think-out-of-the-Box-Idee, mithilfe eines simplifizierten Sharpe-Ratio-Modells einmal zu ermitteln, wie sinnvoll es tatsächlich ist, sein Geld als rational denkender Investor in die handwerklich seriös arbeitende Speisegastronomie zu investieren“, so die Mook-Group in ihrem Newsletter.

Die Ausgangslage ist dabei alles andere als rosig. In Deutschland scheitern laut Branchenberichten wie vom DEHOGA rund 80 Prozent aller Restaurants innerhalb der ersten fünf Jahre. Die Rendite liegt gleichzeitig bei mageren ein bis drei Prozent. Aus diesen Zahlen und dem Vergleich mit dem risikofreien Zinssatz hat die Mook-Group ein vereinfachtes Bernoulli-Modell aufgestellt. Das Ergebnis ist laut der Mook-Group eine „absurd negative“ Bilanz, die jeden vernunftbegabten Investor abschrecken sollte.

Das Fazit: Eine "katastrophale" Bilanz

Das triangulierte Modell der Mook-Group kommt zu einem vernichtenden Urteil. Die zu erwartende Fünfjahresrendite liegt bei minus 78 Prozent, die Sharpe-Ratio bei „absolut katastrophalen“ minus 2,05. Die Aussage der Mook-Group ist klar: "Dennoch zeigt unsere Berechnung schon erstaunlich präzise, dass kein Mensch, der noch bei klarem Verstand ist, in einem maximal gastronomiefeindlichen Umfeld wie Deutschland sein Geld in die handwerklich seriös arbeitende Speisegastronomie investieren sollte."

Hier der Originaltext der Mook Group

TRIANGULIERT

In unserem letzten Newsletter hatten wir Euch bereits erklärt, dass man ganz einfach ein kleines Vermögen machen kann, indem man ein großes in die Gastronomie investiert. Nun gibt es die von Wirtschaftsnobelpreisträger William F. Sharpe entwickelte Sharpe Ratio, mit der sich recht gut ermitteln lässt, wie attraktiv ein Investment im Verhältnis zu seinem Risiko tatsächlich ist. Ein ungemein mächtiges Instrument, das Investoren hilft, Chancen und Risiken rational zu quantifizieren. Nun kam uns die völlig unorthodoxe Think-out-of-the-Box-Idee, mithilfe eines simplifizierten Sharpe-Ratio-Modells einmal zu ermitteln, wie sinnvoll es tatsächlich ist, sein Geld als rational denkender Investor in die handwerklich seriös arbeitende Speisegastronomie zu investieren.

Die Sharpe Ratio, die typischerweise zwischen plus zwei für extrem attraktiv und minus zwei für total katastrophal schwankt, wurde eigentlich für Finanzinvestments entwickelt. Dort arbeitet man mit gewaltigen Datenmengen, klar messbaren Renditen und relativ kontinuierlichen Kursschwankungen. Man kennt die Historie, kann Verteilungen beobachten und auswerten und hat liquide Märkte, die Preise in Echtzeit abbilden. In der Gastronomie ist das ungleich schwieriger, weil sie extrem volatil ist, besonders anfällig für externe Schocks und es keine standardisierten Datenbanken gibt, die sämtliche Restaurants mit exakten Rendite- und Volatilitätskennziffern erfassen.

Wenn man allerdings weiß, wie hoch das belastbare Risiko ist, wie hoch die zu erwartende Rendite liegt und wie hoch der risikofreie Zinssatz aktuell ist, lässt sich die Sharpe Ratio trotzdem schon mithilfe dieser drei einfachen Datenpunkte erstaunlich präzise triangulieren. Glücklicherweise gibt es genau für diese drei Größen relativ genaue Informationen. Wir wissen beispielsweise, dass rund achtzig Prozent aller Restaurants innerhalb der ersten fünf Jahre scheitern und dass die Vorsteuerrendite in der handwerklich seriös arbeitende Speisegastronomie nach allen verfügbaren Branchenberichten wie DEHOGA, ETL Adhoga oder BBE seit Jahren in einem extrem niedrigen Korridor verläuft und sich im Schnitt nur zwischen einem und drei Prozent bewegt. Wir kennen also nicht nur das absolute Risiko, sondern auch eine sehr optimistisch gemittelte Jahresrendite von mageren zwei Prozent.

Für unsere Berechnung nutzen wir ein klassisches Bernoulli-Modell mit zwei Zuständen über fünf Jahre. Mit p = 0,8 tritt der Totalausfall ein, mit 1−p gelingt das Investment und erzielt im Erfolgsfall eine Gesamtrendite R, die sich aus der erwarteten Jahresrendite ergibt. Diese binäre Vereinfachung ist methodisch sauber, weil sie die entscheidende Frage auf den Punkt bringt, ob ein Restaurant die kritischen ersten fünf Jahre überlebt oder nicht. Aus genau diesen Datenpunkten ergeben sich Erwartungswert und Streuung direkt, gemessen am periodenkonsistenten Vergleich mit der fünfjährigen Benchmarkrendite der Bundesanleihe. Setzt man die drei Werte so an, erhält man selbst unter optimistischen Annahmen das absurd negative Ergebnis einer zu erwartenden Fünfjahresrendite von minus 78 Prozent, einer Standardabweichung von rund 44 Prozent und einer absolut katastrophalen Sharpe-Ratio von circa minus 2,05.

Unser trianguliertes Sharpe-Ratio-Modell ist im finanzmathematischen Sinne selbstverständlich keine feingranulare Berechnung, sondern lediglich eine heuristische Annäherung. Dennoch zeigt unsere Berechnung schon erstaunlich präzise, dass kein Mensch, der noch bei klarem Verstand ist, in einem maximal gastronomiefeindlichen Umfeld wie Deutschland sein Geld in die handwerklich seriös arbeitende Speisegastronomie investieren sollte.


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