Gerstners Gedanken: Mein 3G? Gesunde, glückliche Gastgeber*innen!

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Hallo Herbst! Hier sind wir wieder und irgendwie ist alles gleich wie letztes Jahr – und doch alles komplett anders. Die Stimmung im ganzen Land ist angespannt bis aggressiv, die Menschen sind müde und ausgelaugt. Eine gewisse Demotivation hat sich wie ein Nebel über alles gelegt. Das Alltagsszenario ist daher eher grau. Da hilft auch der eventuell eingeschobene Sommerurlaub nichts.

Der Sommer sollte es in unserer Branche wieder richten, wie im letzten Jahr. Urlaub in Deutschland, schönste Nächte in Biergärten und auf Terrassen, Wochenend-Ausflügler*innen und Menschen, die sich wieder etwas gönnen wollen. Aber leider war das Wetter beschissen und der Sommer einer der nassesten und kältesten seit langem. Zudem stöhnt die Branche unter dem Personalmangel und über immer neue Regularien.

Verunsicherung, wie man über den Winter kommen soll, macht sich breit. Drückt noch mehr auf die Stimmung. Heiter ist hier keiner. Finanzielle und gesellschaftliche Themen belasten die Situation in der Branche. Doch was viel bedenklicher ist, es geht langsam an vielen Orten die Kraft aus, die Kreativität sinkt, mancherorts kann man eine richtiggehende Mutlosigkeit spüren.

Ich persönlich bin immer ein durchweg positiver Mensch. Eigentlich. Aber ich muss zugeben, ich habe mich im letzten Herbst so sehr verschätzt. Dass es einen so harten Lockdown für die Branche geben wird, der noch dazu so lange andauert, daran habe ich nicht geglaubt – und habe bis zum Zeitpunkt des Lockdowns auch wirklich unerschütterlich an einen positiven Ausgang geglaubt. Mein Kampfgeist war auf „Wir schaffen das schon!“.

Manchmal kann ich nur mit dem Kopf schütteln, welche Wörter wie selbstverständlich in den letzten anderthalb Jahren in unseren Sprachgebrauch übergegangen sind: Reproduktionsrate, AHA-Regeln, Maskenpflicht, Ausgangssperre, Inzidenzwert, Hospitalisierungsrate, Impfquote … und jetzt 1G, 2G, 3G. Alles im Ursprung negativ assoziierte Wörter, die PR-Maschine für Positives, mutmachende Inhalte und nach vorne schauende Leichtigkeit ist schon lange ausgefallen.

Ich kenne viele Kolleg*innen, die lesen gar keine Zeitung mehr, halten sich von allen News fern und machen einfach weiter. So gut es eben geht. Ganz kann man sich diesem Corona Thema ja so und so nicht entziehen.

Dass aus uns allen einmal Menschen werden, die sich zum größten Teil nur noch über Krankheitsbilder, Impfstoffe und in diesem Zusammenhang über politisches Versagen äußern, hätte ich persönlich im Traum nie geglaubt. Deutschland, das Land der Fußball-Bundestrainer, hat sich verändert zu einem Land der Viren-, und Impfstoffexpert*innen. Unfassbar. Einfach schlicht unfassbar. Das hätte doch noch vor zwei Jahren niemand wirklich geglaubt, oder?

Der neueste Hype gilt den G-Regelungen. Ganz ehrlich, bisher kannten wir alle doch die „G“s nur im Zusammenhang mit Internetkapazitäten und -verfügbarkeiten. Was haben wir uns teils drüber lustig gemacht, dass es 5G in Deutschland nie flächendeckend schaffen wird. Oder halt noch Jahre dauern wird.

Das ist momentan aber dann auch vermutlich eher das kleinere Übel, Diskussionen über 1, 2 oder 3G spalten die Gesellschaft, Shitstorms im Internet überschütten diejenigen, die sich für weniger als 3G entscheiden, alles wird noch lauter, noch heftiger und auch noch bösartiger. Der Abwärtstrend der Negativ-Stimmungsspirale wird noch befeuert, obwohl die Stimmung eh schon im Keller ist. Puhhh …

Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Fakt ist, es gibt die 1-, 2- oder 3G-Regelung und das Wahlrecht selbst zu entscheiden, was man als Gastgeber*in anbieten möchte. Nur, wie kann man sich richtig entscheiden? Entscheidet man sich für 2 oder gar 1G, hat man quasi alle Freiheiten zurück, hat aber de facto eine Ausgrenzung vorgenommen. Vergleichbar mit Raucher*innen ist das Ganze nicht, weil man kann ja auch rauchende Mitbürger*innen ins Restaurant lassen, die sich dann im schön dekorierten Außenbereich für eine gemütliche Zigarette einfinden können.

Im Schneeregen und bei Minusgraden draußen unterm Heizpilz zu sitzen, ist weder in der Pizzeria noch im Sternelokal besonders romantisch. Die Situation ist schwierig. Für unsere Branche auch doppelt komplex. Denn, wenn jetzt die Tests auch noch bald Geld kosten werden, stellt sich halt einfach die Frage, wieviel Menschen tatsächlich dann noch ins Restaurant gehen, oder ob sich wieder Vieles in die privaten Räume und auf die Lieferdienste verteilen wird. Und was ist dann wiederum mit unserer Planungssicherheit? Alles ungut, alles nervig, stressig und einfach nur kopflastig und negativ. Schlicht beschissen.

Das einzig Gute an der Sache: Man ist mit und in der Situation nicht alleine. Es geht ja allen so. Magerer Trost, ich weiß das. Aber Zusammenhalt in der Branche, im Ort und im Team war schon in den Lockdowns das, was uns am meisten geholfen hat. Da gibt es diesen saudoofen Wandkalenderspruch: „Gemeinsam ist man nicht so alleine!“ – oder so ähnlich. Aber das ist das, was es ist. Lasst euch nicht vor den Karren spannen, der immer bedrohlicher und negativer wird, sondern blockt das ab und versucht euch auf das, was ihr habt zu konzentrieren! Super schwer, aber gemeinsam mit anderen schafft man das.

Tauscht euch aus, über Verbände, Ortsgruppen, Arbeitsgemeinschaften, Kolleg*innen-Stammtische, auch die sozialen Medien haben gute Gruppen anzubieten – wenn es die bei euch nicht gibt, vielleicht macht es Sinn, so etwas ins Leben zu rufen!? Sprecht über eure Erfahrungen, teilt eure Sorgen und Ängste, haltet euch informiert. Vielleicht kann man auch gemeinsam kreative Lösungen finden für das eine oder andere Problem, man kann sich Inspiration holen von anderen und über den eigenen Tellerrand schauen.

Und, für mich wieder einmal das Wichtigste: Team, Team, Team! Setzt euch zusammen, haltet zusammen, trefft Entscheidungen zusammen. Ihr seid das Kerngeschäft, die Truppe, die das Rad am Laufen hält.

Jede*r im Unternehmen, und ich meine wirklich jede*r, sollte an gewissen Entscheidungsprozessen teilhaben dürfen – wenn eure Teams zu groß sind, haltet zumindest die interne Kommunikation am reibungslosen Verlauf! Klärt auf, begründet, kommuniziert offen. Der Zusammenhalt im Team ist jetzt entscheidend.

Letzter Tipp: Passt eure Prozesse an! Schaut euch alle Abläufe, Vorgaben, Fakten in euren Betrieben an. Kalkuliert erneut und spitz. Vielleicht macht es Sinn in diesen stressigen Zeiten mehr Ruhezeiten einzuplanen, heißt Fünf- statt Sieben-Tage-Woche. Das Team dankt es euch, wenn es am Sonntag gemeinsam mit der Familie Kraft tanken kann. Lässt sich die Speisekarte verkleinern? Jetzt schon Liefer- und Abholangebote formulieren? Vielleicht auch für die kommenden Festtage? Abends Zwei-Gäste-„Schichten“ und der Lunch fällt dafür aus? Erhöhung des Pro-Kopf-Umsatzes durch kreative Angebote?

Schaut auf eure Zahlen. Was macht Sinn und was kann gestrichen werden? Ihr habt so viel gelernt im letzten Winter! Holt nochmals alles raus und lasst euch nicht entmutigen. Und dann heißt bei euch 3G vielleicht ganz bald: Glückliche und gesunde Gastgeber!

Fragen, Anmerkungen oder sonst einen Kommentar? Schreibt unserer Agentin einfach eine Nachricht. Antworten sind eigentlich recht zügig zu erwarten. Eine Übersicht über den Gerstner Agent*innenalltag findet ihr hier: www.ccm3-consulting.com. Und wer Interesse an einer Zusammenarbeit hat: Das erste Orientierungsgespräch ist immer kostenfrei.

Dieser Text erschien zuerst bei Nomyblog. Tageskarte sagt danke!


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