Giesinger Bräu eröffnet Starkbierfest – und startet Bürgerbegehren für die Wiesn

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Die Münchener Brauerei Giesinger Bräu nutzt den Auftakt ihres Starkbierfestes für eine weitreichende politische Initiative. Mit einem Bürgerbegehren will das Unternehmen die exklusive Zulassung zum Oktoberfest erreichen und damit die jahrzehntelange Vormachtstellung der sechs etablierten Traditionsbrauereien aufbrechen.

Am Donnerstag wurde das Starkbierfest 2026 im WERK2 in der Detmoldstraße offiziell eröffnet. Vor rund 1.000 Gästen erfolgte der Anstich des Doppelbocks „Innovator“ durch Clemens Baumgärtner, den Oberbürgermeisterkandidaten der CSU. Flankiert wurde die Eröffnung von einer Ankündigung der Geschäftsführung, die auf eine Änderung der Betriebsvorschriften der Landeshauptstadt München abzielt.

Formale Voraussetzungen für das Oktoberfest erfüllt

Bislang dürfen auf dem Oktoberfest ausschließlich Biere der sechs großen Münchener Traditionsbrauereien ausgeschenkt werden. Voraussetzung hierfür ist, dass das Bier innerhalb der Stadtgrenzen, nach dem Münchner Reinheitsgebot von 1487 und mit Wasser aus eigenen Tiefbrunnen gebraut wird. Giesinger Bräu, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert, erfüllt diese Kriterien nach eigenen Angaben vollständig. Seit 2021 verfügt die Brauerei über die EU-geschützte geografische Angabe „Münchner Bier“ sowie einen eigenen Tiefbrunnen am Standort WERK2.

Steffen Marx, Gründer und Geschäftsführer von Giesinger Bräu, begründet den Vorstoß damit, dass man eine verwurzelte Münchener Brauerei sei. Wenn auf der Wiesn ausschließlich Münchener Bier ausgeschenkt werde, müsse die Frage erlaubt sein, warum sein Unternehmen dort nicht vertreten sei. Darüber solle nun die Stadtgesellschaft entscheiden.

Das Quorum: 35.000 Unterschriften benötigt

Das Bürgerbegehren wird gemäß Artikel 18a der Bayerischen Gemeindeordnung durchgeführt. Ziel ist ein Bürgerentscheid mit der Fragestellung, ob die Landeshauptstadt München ab 2027 auch den Ausschank von Giesinger Bräu auf dem Oktoberfest erlauben soll.

Um ein solches Verfahren einzuleiten, ist in München ein Quorum von rund drei Prozent der Wahlberechtigten erforderlich. Dies entspricht aktuell einer Anzahl von etwa 35.000 gültigen Unterschriften. Die Listen liegen ab sofort in verschiedenen Liegenschaften der Brauerei aus, unter anderem im Bräustüberl in der Martin-Luther-Straße sowie in den Stehausschänken in der Augustenstraße und Oberländer Straße. Auch ein Online-Download ist möglich.

Fokus auf Weiterentwicklung der Tradition

Die Geschäftsführung betont, dass es bei der Initiative nicht um Konfrontation, sondern um Fairness gehe. Jonas Seidl, ebenfalls Geschäftsführer bei Giesinger Bräu, führt aus, dass das Oktoberfest Teil der Münchener Identität sei. Daher sei es folgerichtig, die Bürger darüber abstimmen zu lassen, ob die Tradition um eine weitere lokale Brauerei ergänzt werden darf.

Die Brauerei verweist zudem auf ihre Erfahrung bei der Ausrichtung von Großveranstaltungen wie der Silvestermeile oder dem mehrwöchigen Starkbierfest, um ihre logistische Eignung für das Oktoberfest zu unterstreichen. Das aktuelle Starkbierfest im WERK2 ist aufgrund der hohen Nachfrage bereits verlängert worden und läuft noch bis zum 15. März. Neben dem Ausschank des „Innovator“ bietet die Brauerei dort ein Rahmenprogramm aus Blasmusik, Kabarett und dem neuen Format „Wiesn TV“.


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