Gusto sieht gesunkene Nachfrage bei den meisten Gourmetrestaurants in Deutschland

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Die meisten Gourmetrestaurants in Deutschland seien derzeit weniger gefragt als noch vor einigen Jahren, erklärt Markus Oberhäußer, Redaktionsleiter und Gründer des Restaurantführers Gusto. Selbst in renommierten, hoch bewerteten Häusern seien auch an Wochenenden kurzfristig Tische verfügbar. Neben gestiegenen Preisen, der fragilen Wirtschaftslage und weltpolitischen Unsicherheiten sieht Oberhäußer ein deutliches Überangebot an Fine-Dining-Konzepten als weitere Ursache.

Seine Einschätzung veröffentlicht Gusto zum Abschluss der Testsaison 2025/2026 zusammen mit den Sonderauszeichnungen für Gusto 2027. Das Gourmetpublikum sei in den vergangenen Jahren nicht im gleichen Maß gewachsen wie die Zahl der Fine-Dining-Restaurants. Zugleich ähnelten sich viele kulinarische Konzepte zu stark.

Oberhäußer kritisiert die Konzentration vieler Köche auf aufwendige Gourmetprogramme

Zu viele ambitionierte Köche und Gastronomen konzentrierten sich vor allem mit Blick auf bestimmte Auszeichnungen ausschließlich auf ein aufwendiges Gourmetprogramm, erklärt Oberhäußer. Andere ergänzten ihren regulären Gastronomiebetrieb um ein kleines Separee mit exklusivem Fine Dining – meist nur an wenigen Abenden pro Woche und mit einem fest vorgegebenen Menü.

Restaurants, in denen in einem entspannten Rahmen und ohne die von Gusto als schablonenhaft bezeichneten „Sternerestaurant“-Statuten auf hohem Niveau gekocht werde, seien hingegen deutlich in der Minderheit. Angesichts der gewachsenen Zahl der Fine-Dining-Restaurants und der Ähnlichkeit vieler Konzepte wögen interessierte Feinschmecker genau ab, wie häufig und wo sie sich den kostspieligen Genuss gönnten.

Der Restaurantführer verweist zugleich auf Betriebe mit individuellen Konzepten, die weiterhin sehr gut besucht seien. Ihnen gelte auch bei den jährlichen Sonderauszeichnungen ein besonderes Interesse.

Gusto zeichnet Sebastian Obendorfer vom Eisvogel als Koch des Jahres aus

Die Auszeichnung Koch des Jahres erhält Sebastian Obendorfer vom Eisvogel in Neunburg vorm Wald. Er habe die Verantwortung für das Restaurant im familiengeführten Hotel Der Birkenhof Spa & Genuss Resort übernommen. Gusto begründet die Entscheidung unter anderem mit den klaren Ideen hinter seinen Gerichten und der Verarbeitung der eingesetzten Produkte.

Zum Aufsteiger des Jahres ernennt der Guide Ronny Pester von der Ratsstube in Limbach-Oberfrohna. Seine Küche beruhe auf klassischen Grundlagen und verbinde klare Aromen mit modernen Akzenten. Die Präzision der einzelnen Gänge habe in den vergangenen ein bis zwei Jahren zugenommen. Hinter dem Restaurant stehe weder ein Sponsor noch ein Hotel.

Die Auszeichnung „Newcomer des Jahres“ erhält der 31-jährige Jens Madsen vom Münchner Restaurant The Cloud by Käfer. Sein Konzept „Culinary Nomadism“ sehe vor, dass er künftig jedes Jahr einen anderen Erdteil bereise. Die dort gesammelten Eindrücke solle er über typische Produkte, Zubereitungsarten und Präsentationsformen in seinen Küchenstil einbinden.

Weitere Sonderauszeichnungen gehen nach Aue, Dresden und Frankfurt am Main

Als Sommelier des Jahres zeichnet Gusto Claudius Unger vom St. Andreas in Aue aus. Zur Begründung verweist der Guide unter anderem auf die Riesling-Auswahl, Weine aus dem Burgund und die glasweise angebotene Menübegleitung.

Zu den Gastgebern des Jahres kürt Gusto Nicole und Marcus Blonkowski vom Genuss-Atelier in Dresden. Die Geschwister betrieben das Restaurant seit mehr als zehn Jahren. Neben der Atmosphäre hebt der Guide die Wahl zwischen einem Menü mit vier bis acht Gängen und Gerichten à la carte hervor.

Die Auszeichnung Neueröffnung des Jahres geht an The Dune in Frankfurt am Main. Das Restaurant im Hotel The Florentin der Althoff-Gruppe in der ehemaligen Villa Kennedy habe zum Jahreswechsel 2025/2026 eröffnet. Lea Rupp und Niclas Nußbaumer seien zuvor bereits als Gastgeberin und Küchenchef in der Mühle in Schluchsee tätig gewesen.

Zum Abschluss seiner Testsaison vergibt Gusto Anfang Oktober Plaketten und Urkunden an knapp 1.000 anonym getestete Lokale. Der Restaurantführer zeichnet die besten Restaurants mit bis zu zehn symbolisierten Pfannen aus.

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