«Herr Raue reist»: Tim Raue mit eigener Kochshow bei MagentaTV

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Der Berliner Spitzenkoch Tim Raue (47) bekommt eine neue Fernsehshow und geht auf Reisen. Dabei stellt er Fragen wie: Schmeckt ein Döner in Kreuzberg wie in Istanbul? Wie ist richtiges Thai-Essen? In «Herr Raue reist! So schmeckt die Welt» (MagentaTV) geht der Meister auf Entdeckungstour, in Straßenküchen, bei Landwirten und in Spitzenrestaurants.

«Das, was bei uns als Chinesisch, Spanisch oder Kroatisch verkauft wird, hat wenig mit der echten Küche dieser Länder zu tun», erklärt Raue dazu. «Die meisten Menschen haben ein völlig verschobenes Bild von den Küchen dieser Welt – und leider viel zu oft ein schlechtes.» Er wolle zeigen, dass die Küchen dieser Länder mehr und besser seien als die Klischees. Die ersten Folge (28. Oktober, 17.00 Uhr) widmet sich Istanbul. Weitere Station sind zum Beispiel Madrid und New Orleans.

In Istanbul haben ihm besonders die Dolma, die gefüllten Weinblätter, gut geschmeckt. Und: «In der Dönerbude habe ich den besten Hamburger meines Lebens gegessen», erzählte er bei der Vorstellung der Show am Dienstagabend. Den besten Döner gebe es aber in Berlin - für ihn gehören die Soßen zu dem Fladenbrot-Snack einfach dazu.

Ein Koch auf der Suche nach der authentischen Küche weltweit: Das Format erinnert an internationale Produktionen mit Jamie Oliver oder Anthony Bourdain. Tim Raue, Unternehmer und Sternekoch, hat schon oft in Fernsehsendungen mitgemacht. Bei Vox duelliert er sich zum Beispiel in «Kitchen Impossible» mit Tim Mälzer.

Raue sitzt auch in der Jury von «The Taste» (Sat.1). Netflix widmete ihm eine Episode in der Serie «Chef's Table». Das Restaurant «Tim Raue» in Berlin-Kreuzberg rangiert auf der Liste der 50 besten Restaurants der Welt. (dpa)


«Herr Raue reist! So schmeckt die Welt», 12 Folgen – immer zwei Folgen pro Monat, Premiere bei Magenta TV am 28. Oktober 2021 um 17.00 Uhr


Interview mit Tim Raue auf der Telekom Seite

Wird dann beim Wettbewerber automatisch analysiert, oder können Sie abschalten und den Abend genießen?

Ich bin ein leidenschaftlicher Gast. Da ich nahezu nie zuhause koche, gehe ich eigentlich fast nur auswärts essen. Und bei jedem Essen lerne ich etwas dazu, sehe Positives oder Negatives. Wenn mir etwas nicht schmeckt oder stilistisch nicht gefällt, behalte ich das für mich und gehe einfach nie wieder hin. Wenn mir jedoch ein handwerklicher Fehler auffällt, wie zum Beispiel eine Gräte im Fisch oder ein Haar im Salat, dann gebe ich das schon weiter, mache aber keinen Aufstand. Kein Küchenpersonal macht so einen Fehler mit Absicht, das kann mal passieren.

Ab und an sind Sie auch bei Mustafas Gemüse-Kebap anzutreffen. Es darf also zwischendurch auch mal was ganz Bodenständiges sein?

Klar! Ich reise ja durch die gesamte Welt und kann mich an einem Döner Kebap, einer Nudelsuppe vom Motorrad auf Phuket oder einem Brötchen mit Jamón Ibérico genauso wie an einem Essen bei besternten Kolleg*innen erfreuen.

Sie sind kein großer Freund der veganen Küche. Warum eigentlich nicht?

Das hat sich tatsächlich verändert. Wir haben seit über zwei Jahren sogar ein veganes anstatt eines vegetarischen Menüs auf der Karte. Ich mochte damals einfach die Leute mit dem erhobenen Zeigefinger, die mir ihre vegane Ernährung wie Sektengurus aufdrücken wollten, nicht. Nachdem ich angefangen hatte, mich selbst mehrfach pro Woche vegan zu ernähren, und gemerkt habe, wie gut das meinem Körper tut, haben wir es relativ schnell umgesetzt.

Nicht alle können sich mehrmals pro Woche gutes Bio-Fleisch leisten. Dennoch wollen viele Discounter zukünftig Billigfleisch nicht mehr anbieten. Der richtige Schritt?

Das ist erst der Anfang. Industrielle Lebensmittel haben uns zuckerabhängig gemacht. Sie sind für die ganzen Laktose- und Glutenunverträglichkeiten verantwortlich, weil sie uns jahrzehntelang damit vollgeballert haben. Wir müssen den nächsten Generationen schon im Kindergarten beibringen, wie wichtig gesunde Ernährung ist, genauso wie den maßvollen Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten. Aber auch ich bin kein Heiliger. Ich fliege um die ganze Welt und betreibe Restaurants auf der TUI Mein Schiff-Flotte. Doch habe ich einen realistischen Blick auf mein Handeln und arbeite stets daran.

Welche Gäste sind Ihnen die liebsten? Was ist ein No-Go bei Besucher*innen? Gibt es da einen Unterschied, ob Sie selbst in der Küche stehen oder am Nebentisch sitzen?

Stellen Sie sich vor, Sie sind bei Freund*innen zuhause. Genauso sollte man sich generell benehmen, wenn man ausgeht. Eine konstruktive, nett vorgebrachte Kritik bringt mehr als aggressive Unterstellungen. Niemand in der Küche hat wochenlang darauf gewartet, Frau XY ihr Steak durchzubraten. Das mag zwar ein Fehler sein, aber er ist menschlich und kann passieren. Für so etwas muss man keine fünfseitigen Beschwerde-Mails mit Drohungen verfassen. Die landen bei uns nur im Müll.

Wie keine zweite ist Ihre Küche für die asiatischen Einflüsse bekannt. Wie kamen Sie zu dieser Leidenschaft und woher nehmen Sie Ihre Ideen und Inspirationen?

Die Antwort auf diese Frage bedürfte eines mehrseitigen Aufsatzes. Daher kurz und knapp: Ich mag die Aromen-Wucht der thailändischen Küche, den Purismus aus Japan und die Kochtechniken der chinesischen Küche. Das alles habe ich zu einer einzigartigen Tim-Raue-Küche zusammengebracht. Ich reise regelmäßig nach Asien, um dort immer wieder die Aromen und Gerichte zu essen und mich davon inspirieren zu lassen.

Seit Sie 2005 als 24-Jähriger im Gault Millau zum Aufsteiger des Jahres gekürt worden sind, folgt eine Auszeichnung auf die andere. Ist es trotzdem noch etwas Besonderes, als bisher einziger deutscher Koch in der berühmten Netflix-Show Chef’s Table porträtiert worden zu sein?

JA! Denn dadurch strömen seitdem zehntausende Gäste aus aller Welt in das Restaurant.

Mittlerweile haben Sie viel Fernseh-Erfahrung gesammelt. Ob im Duell mit Tim Mälzer bei Kitchen Impossible oder als Juror bei The Taste, was sind dort die besonderen Herausforderungen?

Fernsehen funktioniert für mich als Person nur, wenn ich mich nicht verstellen oder eine Rolle einnehmen muss.

Stehen Sie dann gerne selbst hinterm Herd oder machen Sie es sich lieber auf dem Jurystuhl bequem?

Ich mag beides gerne.

Sind Sie und Tim Mälzer erst über die TV-Einsätze zu Freunden geworden oder kennen Sie sich bereits länger?

Wir sind Freunde im echten Leben und beim Drehen. Und auch in den miesesten Momenten gilt zwischen uns „Freunde für immer“.

Jetzt also die eigene Sendung. Erzählen Sie uns etwas über die Idee hinter Ihrer Sendung.

So schmeckt die Welt beschreibt exakt, wie Herr Raue reist: immer neugierig, immer auf der Suche nach neuen Lebensmitteln, Produkten und dem authentischen Geschmack der jeweiligen Stadt oder Region. Alle Reisen, meine Offenheit gegenüber Menschen und die bisherigen TV-Formate haben mich darauf vorbereitet. Es macht mir unglaublich viel Spaß und soll dem Publikum die Möglichkeit geben, mit mir die Kulinarik von Orten wie Madrid, Phuket oder Istanbul zu erleben. Ich wage mich an Klischees genauso wie an Zutaten, die ich vorher noch nie probiert habe. In Istanbul war ich Döner Kebap essen und habe den ursprünglichen Sinn des Gerichts verstanden, ein paar Straßen weiter hatte ich dann Kokoreç, einen Spieß mit knusprigem Lammdünndarm, den ich freiwillig niemals probiert hätte. Es war köstlich! Das Publikum hat dadurch bei eigenen Reisen natürlich später die Möglichkeit, diese Orte zu besuchen, zu erleben und zu essen, was ich aufgetan habe.

Jede Destination inspiriert mich im Anschluss an meinen Besuch zu einem 4-Gang-Menü, das ich kreiere. Hierbei verwende ich einige der authentischen Gerichte als Anregung, kopiere sie oder entwickle komplett neue Gerichte mit den Zutaten und Aromen der jeweiligen Destination. Das Einzigartige bei Herr Raue reist! So schmeckt die Welt wird für die Zuschauer die Möglichkeit sein, dieses 4-Gang-Menü zu genießen! Entweder Live vor Ort bei einem Event oder durch Food-Boxen bei sich zu Hause.

Welches berufliche Ziel streben Sie noch an? Vielleicht den dritten Stern?

Diese Entscheidung obliegt nicht mir, sondern anderen. Wir jedenfalls geben alles, um unsere Gäste zu begeistern.

Was würden Sie gerne abseits Ihres Jobs noch verwirklichen?

Nichts. Ich habe alles gesehen, gegessen und getrunken, was mir wichtig war. Ich genieße jeden Tag, so wie er kommt, und versuche, ihn bestmöglich zu absolvieren.

Verraten Sie uns, was der Food-Trend 2021 ist?

Keine Ahnung, ich mag Trends nicht. Sie sind kurzlebig. Ich möchte Gerichte und Konzepte realisieren, die lange begeistern.

Bei welchem Gericht können Sie nicht nein sagen?

Das ist jeden Tag anders, aber Königsberger Klopse, Döner Kebap, kantonesisches BBQ und Toast Hawaii gehen eigentlich immer und überall.

Herr Raue, vielen Dank für das köstliche Gespräch!


 

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