Hobby zum Beruf: Maximilian Wilm – der beste Sommelier Deutschlands im Interview

| Gastronomie Gastronomie

Ende letzten Jahres sicherte sich Maximilian Wilm aus dem Kinfelts Kitchen & Wine in Hamburg den Titel des 'Besten Sommelier Deutschlands'. Er setzte sich im Finale der fünften Sommelier Trophy gegen eine starke Konkurrenz durch. Für Wilm gibt es jedoch keine Zeit zum Verschnaufen – nach dem Wettkampf ist schließlich vor dem Wettkampf. Denn mittlerweile bereitet sich der 32-jährige Restaurantfachmann schon auf seine nächste große Herausforderung vor: „ASI Best Sommelier of Europe & Africa 2020.” Die Veranstaltung findet vom 16.-20. November in Limassol, Zypern statt.

Peer F. Holm, Präsident der Sommelier Union Deutschland, hat Maximilian Wilm getroffen und mit ihm über die Zypern-Vorbereitungen und aktuelle Trends gesprochen. 

Max, Du bist offiziell als ‚Bester Sommelier Deutschlands’ ausgezeichnet worden – was ist seither passiert? Hat sich Dein Leben verändert?

Wilm: „Mein Leben hat sich eigentlich nicht groß verändert. Ich bin immer noch der Gleiche! (lacht) Allerdings merke ich im Umfeld schon einige Veränderungen. Tatsächlich werde ich von vielen Gästen auf den Titel angesprochen. Auch Presseanfragen für Interviews oder Empfehlungen haben deutlich zugenommen. Ich habe in den letzten Monaten zudem tolle Einladungen bekommen – ich durfte z. B. als Gastkandidat an der norwegischen Sommelier Meisterschaft teilnehmen.“

Du hast sehr hart für die Sommelier Trophy gearbeitet – was haben Deine Gäste jeden Tag im Restaurant davon? Bietest Du jetzt andere Dinge an als vorher?

Wilm: „Ich wähle Getränke für meine Gäste schon immer mit sehr viel Bedacht aus. Es ist mir vor allem wichtig, dass ich ein spannendes Weinprogramm im Kinfelts biete. Es ist mal ein trockener Furmint aus dem Tokaj oder ein seltener Espumante von Dirk Niepoort aus dem Bairrada. Ich möchte immer wieder Weine offerieren, über die ich auch eine kleine Geschichte erzählen kann. Davon habe ich mir in der Vorbereitung auf die Trophy natürlich sehr viele angeeignet.“

Was sind für Dich aktuell die wesentlichen Getränketrends? Was fragen Gäste heute nach?

Wilm: „Unsere Gäste fragen immer öfter nach biologisch oder biodynamisch erzeugten Weinen und Produkten. Gerade jüngere Gäste legen sehr viel Wert darauf. Ebenso nimmt die Nachfrage nach Weinen mit niedrigeren Alkoholwerten spürbar zu. Vor ein paar Jahren war es eher üblich, Weine mit 14-15 Vol % auszuschenken. Heute geht es mehr in Richtung 12-13 Vol %. Manche Weingüter erzeugen aus diesem Grund ganz bewusst Weine mit einem reduzierten Alkoholgehalt. Große Spirituosenproduzenten sind in diesem Zusammenhang bereits dazu übergegangen, alkoholfreie Rums und Gins zu kreieren. Ob das ein nachhaltiges Konzept ist, bleibt abzuwarten. Ein dritter, seit längerem anhaltender Trend ist – zumindest im Finedining Bereich – das Interesse an deutschen Weißweinen. Auch die heimischen Rotweine werden immer beliebter.“

Du bereitest Dich gerade auf die Europa- und Afrikameisterschaft der Sommeliers vor. Wie muss man sich das ganz konkret vorstellen?

Wilm: „Es liegen neun Monate harte Vorbereitung vor mir. In den letzten Wochen habe ich zusammen mit meinen Trainern Frank Kämmer (Master Sommelier) und Marc Almert (amtierender Weltmeister) meinen Trainingsplan ausgearbeitet. In erster Linie arbeiten wir an meinen schwächeren Disziplinen, wie zum Beispiel das Blind Tasting oder Sake. Natürlich beschäftige ich mich auch intensiv mit Zypern und dem gesamten Mittelmeerraum. Ich versuche derzeit, neben der täglichen Arbeit 1-3 Stunden zu lernen.“

Warum hast Du den schönsten Beruf der Welt?

Wilm: „Ich habe jeden Tag mit tollen Menschen zu tun und darf meinen Gästen und Mitarbeitern immer wieder neue Geschichten erzählen. Die Genusswelt mit ihren Weinen, Spirituosen, Kaffees, Tees, etc. ist faszinierend. Ich sehe unseren Beruf als Reiseführer durch diese Welt. In diesem Kontext bin ich für eines besonders dankbar: Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Das ist ein echtes Privileg!“


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das Bayerische Oberste Landesgericht hat die Vergabe der Festzelte Paulaner und Schottenhamel für das Oktoberfest 2026 bestätigt. Ein Wirt hatte eine europaweite Ausschreibung gefordert.

Vier Gastronomiebetriebe haben das Finale der Uber Eats Awards 2026 erreicht und treten am 26. Oktober 2026 in Berlin gegeneinander an. Eine Jury um Tim Raue entscheidet über die Vergabe von insgesamt 55.000 Euro Preisgeld.

Der Leaders Club Deutschland besteht seit 25 Jahren und zählt inzwischen mehr als 450 Mitglieder aus über 230 Unternehmen. Das Jubiläum wird am 13. November 2026 im Rahmen des Leaders Club Award in Hamburg gefeiert.

Die Althoff Hotels starten mit dem Althoff Eats Club ein kostenfreies Angebot rund um Kulinarik, Wein und Reisen. Grand Chef Joachim Wissler teilt Restaurantempfehlungen und stellt Produzenten sowie kulinarische Entdeckungen vor.

Pizza Pilgrims kündigt sein erstes deutsches Restaurant für den 2. November 2026 in München an. Ein zweiter Standort soll im Januar 2027 folgen; insgesamt strebt die Marke bis zu 50 Standorte in Deutschland an.

Bayerns Gastronomie verzeichnete im August 2026 einen realen Umsatzrückgang von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Die Beherbergung erzielte dagegen preisbereinigt ein Plus von 2,6 Prozent.

Die Deutsche Kreditbank (DKB) hat gemeinsam mit Sodexo den neuen Campus „Upbeat“ in der Berliner Europacity eröffnet. Sodexo übernimmt die gastronomische Versorgung sowie weitere Bewirtungsleistungen am Standort.

Das Bristol Berlin hat am Kurfürstendamm das Restaurant Flaneur eröffnet. Die Brasserie bietet französisch geprägte Küche und verfügt über 120 Plätze im Innenbereich sowie 86 Terrassenplätze.

Das Hotel der Stern in Bad Hersfeld kündigt die Schließung des L’étable zum 2. Januar 2027 an und nennt fehlende Gäste als Grund. Küchenchef, Restaurantleiter und Mitarbeiter würden im Haus bleiben und an einem neuen gastronomischen Konzept mitarbeiten.

An einer Tankstelle in München kann man sich von einem Kochroboter Käsespätzle, Kaiserschmarrn oder eine asiatische Tom-Kha-Gai-Suppe kochen lassen. In etwa fünf Minuten bereitet der autonome Koch eine warme Mahlzeit zu.