Keine Perspektive: Tim Mälzer ringt bei Markus Lanz um Fassung

| Gastronomie Gastronomie

Eigentlich sollte es in der Talkshow von Markus Lanz um Perspektiven für die Wirtschaft gehen.  Die Ausführungen der Politik machten den TV-Koch Tim Mälzer nicht nur sprachlos, sondern trieben dem Gastro-Unternehmer sogar die Tränen in die Augen.

Der Sprachlosigkeit von Tim Mälzer waren die Diskussionen in der Runde vorausgegangen, in denen Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärten, dass die Krise, ausgelöst durch das Corona-Virus, uns noch lange beschäftigen würde. Lauterbach sprach von mindestens eineinhalb bis zwei Jahren. Heil versicherte, dass das wirtschaftliche Leben nur Schritt für Schritt wieder stattfinden könne. Im Anschluss wollte Lanz von Mälzer wissen, wie die wirtschaftliche Lage bei ihm aussehen würde.  Doch Mälzer ist nach den Ausführungen von Hubertus Heil fassungslos. Auf die Frage, wie Mälzer mit der aktuellen Situation umgehe, winkte der Koch gleich ab. Unter Tränen sagte er: „Ich bin gerade echt angefasst. Stell mal eben jemand anderem eine Frage“, versucht Mälzer von sich abzulenken. Seine Augen füllen sich immer mehr mit Tränen. „Ich hör ja zu“, sagt er dann doch leise. „Und ich bin ja nicht doof, ich verarbeite ja Informationen, die jetzt hier im Gespräch geführt werden. Ich geh' mal kurz raus. Ernsthaft...“
 

Der Moderator wendet sich daraufhin noch einmal Hubertus Heil zu, der sagte, dass er derzeit in Gesprächen viele Unternehmer weinen höre, in Angst um ihre Existenz. „Ich bin kein kalter Hund, Herr Mälzer. Als reiner Arbeitsminister würde ich sofort alles wieder aufmachen. Aber wir haben Verantwortung für die gesamte Gesellschaft, es geht auch um den Schutz von Gesundheit“.

Mälzer unterstreicht, dass er dagegen auch überhaupt nichts habe. „Aber jetzt definiert sich das langsam. Wir sind alle unter enormem Stress, mit tagtäglich neuen Situationen. Es geht hier gar nicht um meine Existenz, sondern um eine ganze Branche, um meine gut 200 Mitarbeiter, für die ich mich verantwortlich fühle, denen ich eine Lösung anbieten will“. Mehrere seiner Restaurants müssten faktisch dauerhaft schließen, weil ihm für diese jegliche unternehmerische Vision fehle, auch, wenn er sie schon mit privatem Geld subventioniere.

230 Mitarbeiter hat Tim Mälzer. Für einige Läden, wie beispielsweise 'Die Bullerei' sehe es gut aus, weil über Jahre Rücklagen gebildet werden konnten. Andere Läden, so Mälzer klar, müssten jedoch Stand jetzt faktisch geschlossen werden. Das erkläre auch seinen Gefühlsausbruch, so Mälzer. „Wenn einem die Perspektivlosigkeit, in die man reinarbeitet, vorgeführt wird und auf einmal Menschen, Gesichter, Schicksale so vorgeführt werden, dann ist das ganz schön krass.


[Anzeige]
Für Hotels und Restaurants: Atemschutzmasken passend zur Marke
Wenn die Hotels und Restaurants wieder öffnen, ist das Tragen von Masken geboten. Und auch der Schutz Gäste und der Mitarbeiter funktioniert mit Stil und passend zur eigenen Marke (inkl. Unternehmens-Logo und -Farbe).
Mehr erfahren


 

Der TV-Koch hat zudem Angst, dass er durch die Teileröffnung seiner Läden die Kosten nicht tragen könne. Heil entgegnete: „Herr Mälzer, ich war mal bei Ihnen essen, ich will das auch wieder.“ Doch Lauterbach machte wenig Mut, dass das in naher Zukunft stattfinden könne: „Wenn gegessen und gesprochen wird, ist die Ansteckungsgefahr besonders groß. Über die Klimaanlage der Restaurants kann es auch übertragen werden.“

Auf absehbarer Zeit hält es Lauterbach für unmöglich, dass die Lokale wieder regulär öffnen. "Dann wären die Restaurants die Brandbeschleuniger der Pandemie", so der Politiker. Wenn die Betriebe am Leben gehalten werden sollen, dann müsse subventioniert werden.Mälzer stellte klar „Wenn ich verantwortungsbewusst sein möchte, schließe ich meinen Laden sofort. Ich brauche Antworten. Eine Teilöffnung gibt es nicht um jeden Preis. Wenn es nicht anders geht, dann akzeptiere ich es. Ich brauche Hilfe oder sagt, verreck! Ich muss mich nicht immer anbiedern.“

Epidemiologe und SPD-Politiker Lauterbach zeigte dafür Verständnis und sagte: „Selbst wenn wir es politisch wollten, wäre ihr Restaurant im Herbst nicht normal besetzt. Das würde nur wenige Wochen gut gehen. Das Virus schlägt sofort zurück und das muss man ehrlich sagen.“ Der Impfstoff würde frühstens in einem Jahr kommen.

Hier die komplette Folge Markus Lanz:


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Das „Weihenstephaner am Platzl“ in München ist eröffnet. Pächter und Betreiber des neuen Wirtshauses in den früher von Alfons Schuhbeck genutzten Räumen ist die Wirtsfamilie Zinner.

McDonald's Deutschland und MBRC the ocean haben eine strategische Kooperation gegen wilden Müll besiegelt, die durch datengestützte Sammelaktionen und mobile Einsatzfahrzeuge lokal für saubere Umfelder sorgen soll.

Burgermeister stellt die Geschäftsführung neu auf: Gründer Cebrail Karabelli übernimmt allein, CEO Robert Fügert scheidet aufgrund strategischer Änderungen der Expansionspläne aus. Noch im August hatte das Unternehmen konkrete Pläne für die internationale Expansion kommuniziert.

Ist das klassische Fine Dining am Ende – oder verändert es nur seine Form? Die Schließung von Bruno Verjus’ Pariser Zwei-Sterne-Restaurant hat eine Debatte über Preise, Zugänglichkeit und die Zukunft der Spitzenküche neu entfacht.

Yotam Ottolenghi ist einer der bekanntesten Köche der Welt. In Deutschland wächst die Fangemeinde stetig. Jetzt erschien sein neues Kochbuch - mit einer Grundidee, die nicht nur in der Küche hilft.

In wenigen Tagen stürmen die Massen wieder die Bierzelte auf der Wiesn. Sollen die künftig europaweit vergeben werden? Darum kämpft ein Wirt mit einer ganzen Garde von Anwälten.

Kommendes Wochenende bricht der Ausnahmezustand über München herein. Das 191. Oktoberfest beginnt. Was Besucher wissen sollten über die Zelte, das Bier und die No-Gos.

Vor mehr als 200 Jahren rief König Wilhelm I. von Württemberg nach Missernten und Hunger das Cannstatter Volksfest ins Leben. Schon damals strömten die Menschen zum Wasen - und das wird sich auch in diesem Jahr nicht ändern.

Sechs Münchner Brauereien bieten auf dem Oktoberfest ihr eigenes Festbier an – jedes nach geheimem Spezialrezept gebraut und mit individuellem Geschmack. Und: Das Wiesnbier hat es in sich.

Wolt startet in Berlin ein eigenes Catering-Angebot für Firmenkunden und geplante Veranstaltungen. Im Laufe des Jahres 2027 soll Wolt Catering schrittweise auf weitere deutsche Städte ausgeweitet werden.