Kneipen und Restaurants dicht - Studenten brechen Nebenjobs weg

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Viele Studenten jobben normalerweise in Bars, Kneipen, Restaurants oder Läden - doch in der Corona-Krise sind die geschlossen. Das stürzt so manchen Studierenden zwischen Koblenz und Landau in arge finanzielle Nöte. Bei Studentenvertretern an den Hochschulen häufen sich die Anfragen oder Hilferufe. Der Mainzer AStA hat auch schon einen offenen Brief an die Landesregierung geschrieben, um auf die Lage aufmerksam zu machen.

Johannes Maurer, Referent für Hochschulpolitik des AStA an der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität, sagt, es gehe nicht darum, in diesen schweren Zeiten der Politik einen Vorwurf zu machen. Die müsse derzeit sehr viel regeln. Dennoch müsse auf die Situation der Studierenden aufmerksam gemacht werden. In der Gastronomie werde alles nach Stunden bezahlt. «Das ist jetzt alles weg.» Maurer berichtet, dass der Hilfsfonds des AStA verstärkt genutzt werde, doch der sei wie auch Hilfen der Studentenwerke nunmal begrenzt.

Manuel Schabel beispielsweise studiert in Mainz Philosophie und Theaterwissenschaften, gleichzeitig noch Psychologie. Gearbeitet hat er zuletzt in einem Restaurant und in einem Weinhandel, wobei der Restaurant-Job der wesentlich umfangreichere und damit wichtigere war, wie er berichtete. Doch dort sind die Türen nun geschlossen. Unter dem Strich fehlt dem aus Osthessen stammenden Schabel nun pro Monat ein ordentlicher dreistelliger Betrag, obwohl er sich einen Minijob im Einzelhandel gesucht hat.

Er habe ein bisschen gespart, sagt Schabel. Mit einer für Mainz vergleichsweise günstigen Miete von unter 300 Euro für sein WG-Zimmer könne er sich drei bis vier Monate einigermaßen über Wasser halten, sagte der 26-Jährige. Danach werde es aber definitiv knapp. «Das zehrt an den Reserven.» In seiner Mainzer WG ist das gesamte Spektrum dessen zu sehen, wie es gerade gehen kann. Ein Mitbewohner bekomme Bafög, einer Kurzarbeitergeld, einer sei in der gleichen Situation wie er und einer habe reiche Eltern. «Der kann gerade eher chillen.» Das Problem für die anderen sei die Unsicherheit, keiner wisse, wie lange die aktuelle Krise anhalte. Es machten sich schon Sorgen breit.

Auch Mathis Petri vom AStA der TU Kaiserslautern erzählt von einer steigenden Zahl von Anfragen von Studenten, wie es weitergehen könne und wo Unterstützung zu bekommen sei. Vielen sei bereits gekündigt worden oder dieser Schritt stehe unmittelbar davor, sagt Petri. «Die Beschäftigung findet aushilfsweise auf Stundenbasis statt und sie werden daher natürlich aktuell nicht mehr angefragt.»

Auch in Kaiserslautern stellt die Studierendenschaft Petri zufolge Mittel in Darlehensform für in finanzielle Nöte geratene Kommilitonen bereit. Doch bei rund 14 000 Studierenden und 13 Euro AStA-Semesterbeitrag sei klar, dass hier keine großen Summen zur Verfügung stünden. Viele dieser Einnahmen seien ohnehin fest in anderen Bereichen verplant. Beim für rund 20 000 Studenten in der Stadt zuständigen Studierendenwerk Kaiserslautern seien seit den letzten März-Tagen hunderte von Anträgen auf finanzielle Unterstützung gestellt worden.

Auch die Lockerungen beim Kurzarbeitergeld griffen bei Studenten kaum, sagt Petri - wegen der oft prekären Beschäftigungsverhältnisse. «Eine familiäre Unterstützung ist in dieser Situation oftmals auch schwierig, da Eltern gegebenenfalls auch unmittelbar finanzielle Einbußen haben.» Die Lebensgrundlage vieler Studenten sei akut gefährdet, befürchtet Petri. Für manchen könne einzig der Studienabbruch ein Ausweg sein. Es brauche eine Unterstützung von Studenten, und die dürfte nicht als Darlehen gezahlt werden.

In Landau sprach der AStA-Co-Vorsitzende Moritz Ranalder kürzlich von einem guten Dutzend Studierender, die sich bei dem Ausschuss gemeldet und um finanzielle Hilfe gebeten hätten. «Dazu kommen noch Dutzende weitere Mails, die andere Fragen stellen – zu Prüfungen beispielsweise. Am Ende kommt dann oft ein Satz wie "Ach, und wie ich meine Miete zahlen soll, weiß ich übrigens auch nicht".» Ranalder rechnet mit noch deutlich mehr Anfragen in den kommenden Tagen.

In dem offenen Brief des Mainzer AStA an die Landesregierung wird unter anderem vorgeschlagen, in Studierendenwohnheimen Betroffenen die Miete zu erlassen und dies durch Ausgleichszahlungen an die Studierendenwerke abzufangen. Bedacht werden müsse auch die Situation ausländischer Studierender. Die hätten zwar ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland, seien aber keine deutschen Staatsbürger. «Die Menschen können derzeit nicht einreisen und werden damit von ihrem sozialen Leben und ihrem Arbeitsplatz isoliert. Auch hier droht ein finanzieller Kollaps mit der Konsequenz, dass ein Studium nicht fortgeführt werden kann.»

Das Wissenschaftsministerium in Mainz teilte mit, man könne die Problematik der Studenten, die in dem Brief aufgeführt worden sei, nachvollziehen. Bund und Länder suchten nach Lösungen, um auch Studierenden in der Ausnahmesituation zu helfen. Es sei in der derzeitigen Situation besonders wichtig, dass BAföG-Leistungen durch die Einschränkungen im Vorlesungsbetrieb nicht eingeschränkt seien. Darüber hinaus seien bei der Novellierung des BAföG Anreize vorgesehen, um im Gesundheitswesen, in sozialen Einrichtungen oder in der Landwirtschaft eine Tätigkeit zu übernehmen. «Das Land setzt sich hier für eine Verbesserung der Bundesregelungen ein.»

Der Landesregierung sei bewusst, dass Studierende durch Mietzahlungen belastet seien. Das Land finanziert schon jetzt die Stipendienstiftung, welche an Studierende der Hochschulen in Rheinland-Pfalz Stipendien vergebe. Zudem verwies das Ministerium auf die Fonds für Studierende in Notlagen bei den Studierendenwerken. (dpa)


 

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