Lap Coffee: Berliner Kaffeekette expandiert in weitere Städte und sorgt für Diskussionen

| Gastronomie Gastronomie

Die junge Kaffee-Kette Lap Coffee expandiert rasant. Innerhalb von zwei Jahren eröffnete das Unternehmen etwa 18 Filialen, davon 15 in Berlin und weitere in München. Eine Expansion nach Hamburg ist in Vorbereitung. Zum Vergleich: Der internationale Wettbewerber Starbucks unterhält in Berlin nur acht Filialen.

Der Name Lap Coffee steht für „Life Among People“. Das Konzept spricht vor allem jüngere, preisbewusste Kunden an. Mit einem Cappuccino für 2,50 Euro oder einem Espresso für 1,50 Euro liegt Lap Coffee deutlich unter den Preisen vieler Berliner und Münchner Cafés. Möglich machen das kleine Ladenflächen, ein Fokus auf Kaffee to gobargeldlose Bezahlung und große Abnahmemengen für bessere Einkaufskonditionen. Sitzplätze und Serviceelemente wie Toiletten sind bewusst gering gehalten.

Kundenbindung über Digitales und Social Media

Lap Coffee setzt auf digitale Abläufe: Gäste können per App vorbestellen und ein Treuepunkte-Programm nutzen. Auf Social-Media-Kanälen erreicht die Marke junge Menschen und nutzt ihre Filialen für Kooperationen mit Modefirmen, Laufgruppen oder Dating-Plattformen.

Investoren als Wachstumstreiber

Die Expansion und aggressive Preisstrategie werden durch mehrere Risikokapitalgeber ermöglicht. Neben den Gründern Ralph Hage und Tonalli Chavez gehören die Investoren HV Capital aus München, der Berliner Geldgeber FoodLabs, der französische Investor Roundtable sowie Origins Ventures aus den USA dazu. Im Juni 2025 stieg der New Yorker VC Insight Partners mit rund 15 Prozent Anteil ein.

Diese finanzielle Unterstützung erlaubt es Lap Coffee, in kurzer Zeit viele Filialen zu eröffnen und niedrige Preise zu bieten. Hage sagte: „Wir erzielen mit jeder Tasse Gewinn.“

Branchenkenner kritisieren jedoch, dass durch diese Kapitalbasis kleinere, unabhängige Cafés zunehmend unter Druck geraten.

Kritik aus der Branche

Der Berliner Unternehmer Philipp Reichel (Isla Coffee, Berlin Coffee Week) erklärt: „Wir versuchen seit Jahren zu zeigen, wie wertvoll Kaffee ist und warum er seinen Preis hat.“

Er sieht einen fairen Preis bei 3,50 Euro für einen Cappuccino als notwendig an, damit Produzenten, Röstereien und Cafés leben können. Reichel befürchtet, dass Lap Coffee mit seinem Investment hinter dem Rücken etablierter Betriebe zu deren Verdrängung führt. Gleichzeitig gesteht er ein, dass die Branche die Preisbildung für Kunden oft nicht klar kommuniziert habe.

Sicht des Unternehmens: Qualität trotz günstiger Preise

Im Interview betont Gründer Ralph Hage, dass niedrige Preise nicht auf schlechter Qualität beruhten: „‚Life Among People‘ funktioniert nur, wenn die Qualität erschwinglich bleibt. Deshalb basieren unsere Preise auf einem durchdachten Prozessdesign – und nicht auf billigeren Bohnen oder gekürzten Löhnen.“

Lap Coffee bezieht Spezialitätenkaffee mit SCA-Wertungen zwischen 84 und 87 vom Berliner Röstpartner 19grams. Zudem setze man auf effiziente Technik wie Mahlkönig-Mühlen und Eversys-Vollautomaten, die gleichbleibenden Geschmack und schnellen Service ermöglichen.

Unterschiedliche Wahrnehmung in Berlin und München

Während viele Berliner Cafés angesichts des Preiswettbewerbs unter Druck geraten, berichten Münchner Cafés von entspannter Konkurrenzsituation, da Lap Coffee dort vor allem eine andere, jüngere Zielgruppe bedient. Spezialitätenkaffees mit handwerklicher Note und höherem Preissegment finden dort nach wie vor Abnehmer.

Nachhaltigkeitsdebatte

Neben dem Preisdruck gibt es Kritik am Müll: Kunden würden oft Einwegbecher in der Öffentlichkeit entsorgen. Lap Coffee kündigte an, künftig verstärkt auf Mehrweglösungen und Kundenaufklärung zu setzen.


Zurück

Vielleicht auch interessant

Wenige Wochen vor dem Oktoberfest muss die Stadt München kurzfristig einen neuen Betreiber für die Fläche der Münchner Stubn finden. Nach dem Rückzug von Alexander Egger läuft die Suche unter engem Zeitplan – ein möglicher Nachrücker steht bereits im Fokus.

Ministerpräsident Boris Rhein und DEHOGA Hessen haben in Bensheim die besten Dorfgasthäuser Hessens 2026 ausgezeichnet. Beide hoben die Bedeutung der Betriebe als Treffpunkte, Arbeitgeber und Bestandteile des gesellschaftlichen Lebens in ländlichen Regionen hervor.

Frittenwerk hat sein 50. Restaurant in Deutschland eröffnet. Der neue Standort im Halle Leipzig The Style Outlets bietet rund 80 Sitzplätze und schafft etwa 20 Arbeitsplätze.

Der Michelin Guide ist erstmals in Neuseeland vertreten und markiert damit den offiziellen Start der Publikation in Ozeanien. Im Zuge der Premiere zeichneten die Inspektoren insgesamt 110 Restaurants in den vier Regionen Auckland, Wellington, Christchurch und Queenstown aus.

Das Regensburger Restaurant Storstad stellt seine kulinarische Führung neu auf. Mit Simone Kubitzek und Hella Eggers übernimmt eine Doppelspitze das Kommando in der Küche.

Ein Forschungsteam der Stanford University hat ein KI-Modell entwickelt, das Burger nach Geschmack, Nachhaltigkeit und Nährwert optimiert. Im Blindtest schnitten einzelne KI-Burger ähnlich gut oder besser ab als ein Big Mac. Ein öffentlich zugängliches Online-Werkzeug steht nun zur Verfügung, das personalisierte Burger-Rezepte erstellen kann.

Die Getränkebestellungen in der Gastronomie verändern sich. Während Kaffee und Bier ihre Spitzenpositionen behaupten, gewinnen Matcha, neue Spritz-Varianten und Premium-Getränke nach einer Auswertung von orderbird an Bedeutung.

Die britische Restaurantkette Loungers erwägt den Schritt auf den deutschen Markt. Das Unternehmen plant nach eigenen Angaben für die zweite Jahreshälfte 2026 die Suche nach einem ersten Standort.

Die Wirtschaftskammer Wien hat die Preisträger der diesjährigen Branchenpreise Goldener Schani und Goldene Jetti bekannt gegeben. Mit diesen Auszeichnungen werden Betriebe gewürdigt, die durch ihre Außenbereiche oder Freizeitkonzepte zur Attraktivität der Stadt beitragen.

Nach einem juristischen Krimi läuft nun der Oktoberfest-Aufbau. Wie auf Münchens größter Baustelle die Wiesn-Mini-Stadt wird – und was München-Besucher wissen müssen.