Musikgenuss pur: Wellness im Listening-Café

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Inspiriert von einer Tradition aus Japan, angesagt in vielen Städten Europas und auch in Deutschland inzwischen längst mehr als ein Geheimtipp: Listening-Bars und Listening-Cafés eröffnen in immer mehr Städten, der pure Musikgenuss steht im Mittelpunkt. Die Musik kommt vom Plattenteller. Die Tonqualität ist top, die Atmosphäre entspannt, das Ambiente behaglich. Man kann runterkommen, sich leise austauschen oder still lauschen. 

Als eine der ersten Listening-Bars öffnete das OWLs in Bielefeld 

«Leider ist Musik heutzutage sehr oft Nebensache, nur Beiwerk. Wir hören Musik beim Kochen, beim Sport, bei der Arbeit, aber sie wird selten wirklich gehört», sagt Laurin Schafhausen. Er ist Mit-Inhaber der Listening-Bar OWLs, die als eine der bundesweit ersten im Sommer 2021 an den Start ging – und fast immer ausgebucht ist. «Unsere Gäste sind bunt durchmischt, es kommen Leute von 18 bis 80 Jahren.»

In den gemütlichen Listening-Room gelangt man über eine Klangschleuse. Die Geräusche aus dem Restaurant-Nebenraum sollen die Akustik nicht stören. Man kann sich in Sofas kuscheln, rund 25 Plätze, das Licht ist warm. Vorne steht eine hochwertige Anlage mit Plattenspieler, Tonbandmaschine, Lautsprechersystem. Gespielt wird Jazz, Funk, Soul, auch mal was Rockiges oder Reggae-Beats, erzählt Schafhausen. 

«Viele sagen, dass es für sie pure Wellness ist oder, dass sie erstaunt sind, wie sehr sie die Musik entspannt, auch Emotionen auslöst», schildert der Inhaber. «Manche Gäste kommen auch mit dem Verlangen, sich in lockerem Ambiente über Musik auszutauschen.» Es werde darauf geachtet, leise zu sprechen. Man veranstalte regelmäßig Listening-Events, bei denen Reden ganz tabu ist. 

Musikpsychologe: Wir haben das Hören verlernt

«Die Listening-Cafés und Bars treffen einen Nerv», sagt Musikpsychologe Gunter Kreutz von der Uni Oldenburg. Passend auch zur Schallplatten-Renaissance. Denn: «Oft geht man zu einem Streamingdienst und findet alles, aber eigentlich nichts», beobachtet er. «Musik ist oft kostenlos und mit der KI-generierten Musik wird es umso kostenloser.» Das Bewusstsein für die Wertigkeit der Musik gehe verloren. 

«Es ist ein Kulturwandel nötig, auch ein Wandel in der musikalischen Bildung, damit die Menschen wieder mehr von Musik haben», so der Wissenschaftler. In vielen Cafés sei es zu laut, die Akustik eine Katastrophe, die Leute hasteten schnell rein und wieder raus. Oft heiße die Devise: «Laut ist gut, lauter ist besser, am lautesten ist am besten. Eine Fehlentwicklung. Wir haben das Hören verlernt», betont Kreutz. 

«Ein Listening-Café macht das genaue Gegenteil. Es wird zu einem Wohnzimmer, man hat Zeit, Musik wird nicht einfach konsumiert, sondern man kann sich in Ruhe auf sie einlassen.» Das Angebot könne Menschen auch näherbringen. Kreutz findet: «Eine sehr erfrischende Initiative. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das noch weiter verbreitet, richtig einschlägt – und ich fände das auch sehr wünschenswert.»

Idee verbreitet sich immer weiter in vielen Städten

In Köln, Stuttgart, Berlin, München oder Hamburg gibt es solche Angebote, auch in mehreren kleineren Städten. Manche tragen das Konzept schon im Namen wie etwa «Café Vinyl» in Bremen. In Köln heißt es beim «Slow Listening Club Cologne»: «Musik wird überall gespielt und selten gehört» oder «Der Alltag ballert. Wir hören.» 

In den Listening-Rooms wird nicht mitgesungen, nicht getanzt. Die Platten oder vorbereiteten Playlisten werden ganz abgespielt. Manche Inhaber solcher Bars und Cafés verbinden ihr Angebot mit einem Restaurant – oder aber einem Plattenladen, so wie beim «mono» in Dortmund. 

Einige Betreiber verweisen auf die Kultur der japanischen «Jazzu Kissas»: Dort werden schon seit Jahrzehnten Jazz-Platten in kleinen Cafés aufgelegt – für aufmerksame Zuhörer, nicht als Hintergrundmusik.

Sich nicht anschreien

Besucherin Melanie (40) war schon mehrfach im OWLs: «In den meisten Bars ist es viel zu laut, da muss man sich richtig anschreien. Das hier ist mal etwas ganz anderes. Die Musik ist genau richtig, es hallt nicht, man kann gut zuhören und sich dabei noch locker unterhalten.» Ihre Freundin Caroline König (33) sagt: «Ich mag die Musik, die gute Akustik und die gemütliche Atmosphäre.» 

Für Laurin Schafhausen und seinen Geschäftspartner Kai Mosdzen ist es jedenfalls ein Herzensprojekt. Ohne Vorerfahrung und mitten in der Corona-Pandemie habe man losgelegt, um einen Ort der Begegnung zu schaffen. Es habe sie beide dann überrascht, wie sehr die Leute den ruhigen Listening-Room genießen. Schafhausen ist überzeugt. «Musik ist die universelle Sprache. Die Emotionen in der Musik verstehen wir auch ohne Worte». (dpa)


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