Das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK) hat Geruchsmessungen an Holzkohlegrillanlagen in der Gastronomie beauftragt. Die am 6. Oktober 2026 veröffentlichte Vergabebekanntmachung nennt die Normec uppenkamp GmbH aus Ahaus als Auftragnehmer. Die Leistung sei ab Zuschlagserteilung bis zum 30. November 2026 zu erbringen.
Anlass seien Beschwerden aus der Nachbarschaft solcher Anlagen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am 8. Oktober 2026 unter Berufung auf eine Sprecherin des Landesamtes. Die Behörde wolle diesen Beschwerden nachgehen. Dazu sollten an den Abgasableitungen von Holzkohlegrillanlagen Proben genommen und die Geruchsstoffkonzentrationen bestimmt werden.
Die Vergabebekanntmachung sieht eine Probenahme nach DIN EN 13725:2022 vor. Anschließend sei die Geruchsstoffkonzentration mittels Olfaktometrie nach derselben Norm zu bestimmen. Dabei seien ergänzende technische Richtlinien zu berücksichtigen. Konkrete Grillanlagen oder deren Standorte nennt die Bekanntmachung nicht.
Fraunhofer-Forscher untersuchen Emissionen und Abgasreinigung an einem gewerblichen Holzkohlegrill
Mit den Emissionen solcher Anlagen befasst sich auch ein Forschungsbericht, den das Umweltbundesamt im Februar 2025 veröffentlicht hat. Die Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik wurde im Auftrag des Bundesamtes durchgeführt und im Mai 2024 abgeschlossen.
Das Forschungsvorhaben erfasste den Bestand und die Beschwerdesituation bei Speisenzubereitungsanlagen, darunter Holzkohlegrills, Räucherkammern sowie Brot- und Pizzabacköfen. Ein weiterer Bestandteil war die Untersuchung von Abgasreinigungssystemen für gewerbliche Holzkohlegrills.
Für die Versuche bauten die Wissenschaftler einen marktüblichen gewerblichen Holzkohlegrill mit mehrstufiger Abgasreinigung auf. Daran untersuchten sie unterschiedliche Brennstoffe und Speisen. Die Schadstoffbelastung und die Gerüche entstünden hauptsächlich durch die unvollständige Verbrennung von Brennstoffen und herabtropfenden Speisefetten, schreiben die Autoren. Der Fettgehalt des Grillguts habe einen maßgeblichen Einfluss auf die Emissionen.
Forscher berechnen die Ausbreitung von Schadstoffen in drei Städten
Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse berechneten die Wissenschaftler die Ausbreitung relevanter Schadstoffe und Gerüche für Mannheim, Göppingen und Stuttgart. Dabei modellierten sie verschiedene Emissionsszenarien an realen Anlagenstandorten. Untersucht wurden sowohl Einzelanlagen als auch die Überlagerung der Emissionen mehrerer Anlagen. Zur Überprüfung des verwendeten Ausbreitungsmodells erfolgten außerdem Immissionsmessungen am Mannheimer Marktplatz.
Nach der Zusammenfassung des Umweltbundesamtes könnten bereits einzelne Holzkohlegrills zur Überschreitung der Geruchsimmissionswerte in ihrer Umgebung beitragen. Bei einer Häufung mehrerer Anlagen im innerstädtischen Bereich seien zudem Überschreitungen der Immissionsgrenzwerte für Feinstaub und in ungünstigen Lagen auch für Benzol möglich.
Aktivkohlefilter erreichen in den Versuchen die höchste Wirksamkeit gegen Gerüche
Die untersuchte Abgasreinigung habe zahlreiche Schad- und Geruchsstoffemissionen mindern können, halten die Forscher fest. Für eine dauerhaft gewährleistete Abscheidung sei jedoch eine häufige Wartung der Reinigungsstufen erforderlich.
Die höchste Wirksamkeit bei der Abscheidung von Kohlenwasserstoffen und Gerüchen hätten in den Versuchen Aktivkohlefilter erreicht. Entscheidend sei die Vorbehandlung des Abgases gewesen: Dieses müsse von groben und feinen Fett- und Wassertropfen befreit sowie abgekühlt werden.
Einen konkreten Streitfall nennt die dpa mit den Holzkohlegrill-Restaurants am Kölner Eigelstein. Nach Beschwerden von Anwohnern habe die Stadt eingegriffen; der Fall sei vor dem Verwaltungsgericht gelandet. Ein Vergleich habe den Betrieb der Grills wieder ermöglicht, die Betreiber hätten jedoch neue Filteranlagen einbauen müssen. (mit dpa)