Streit um Wiesn-Zelte: Wirt will bis zum EuGH ziehen

| Gastronomie Gastronomie

Die traditionellen Oktoberfestzelte gelten als Sinnbild bayerischer Gemütlichkeit und Herzstück des größten Volksfests der Welt - sollen sie wirklich europaweit ausgeschrieben werden? Mit einem entsprechenden Vorstoß sorgt ein Münchner Wirt für Wirbel. Im ersten Anlauf ist er gescheitert: Die Vergabekammer Südbayern wies seinen Nachprüfungsantrag gegen die Vergabe von zwei großen Wiesnzelten zurück, wie die Regierung von Oberbayern mitteilte. 

Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne), Wiesnchef Christian Scharpf (SPD), Wiesnstadträtin Anja Berger (Grüne) und die Vereinigung der Wiesnwirte begrüßten die Entscheidung. Sie sei ein wichtiges Signal, bestätige das Vorgehen der Stadt - und unterstreiche, dass kommunales Handeln auch im Spannungsfeld europäischer Rahmenbedingungen Raum für den Schutz lokaler Traditionen lasse, sagte Krause. Doch der Streit ist keineswegs beendet. 

Wirt kämpft um großes Wiesnzelt - und will bis zum EuGH gehen

Der Wirt Alexander Egger, Geschäftsführer der WE Gutshof GmbH, die den Antrag gestellt hatte, kündigte an, gegen die Entscheidung Beschwerde beim Bayerischen Obersten Landesgericht einzulegen. 

Die WE Gutshof GmbH hatte die Prüfung für zwei zentrale Zelte beantragt: das Paulaner-Festzelt und für das traditionelle Anzapfzelt Schottenhamel, das seit mehr als 150 Jahren - seit 1867 - in Händen der Familie Schottenhamel ist. 

«Wir wollen, dass die Stadt München die begehrten Festzeltplätze künftig nach transparenten, objektiven und fairen Kriterien vergibt, und damit allen leistungsfähigen Bewerbern eine reelle und gleichberechtigte Chance auf ein großes Festzelt eröffnet», ließ Egger mitteilen. «Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen – notfalls bis zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg –, damit auf dem Oktoberfest echte Chancengleichheit gewährleistet wird.»

Egger, der bisher mit der Münchner Stubn ein kleines Wiesn-Zelt betreibt, will nun ein großes Zelt bekommen, hatte sich hierfür beworben, ging aber bisher leer aus. Neben dem Antrag bei der Vergabekammer wandte er sich in einem Eilantrag gegen die Ablehnung seiner Bewerbung für das Volkssängerzelt auf der Oidn Wiesn an das Verwaltungsgericht München. Hier sei noch keine Entscheidung gefallen, teilte das Gericht auf Anfrage mit. 

Wirte warnen vor grenzenloser Kommerzialisierung 

Die Sprecher der Wiesn-Wirte, Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel - mit seinem Zelt direkt betroffen - warnten, bei einer europaweiten Ausschreibung gerate das Oktoberfest ins Visier multinationaler Konzerne. «Durch eine grenzenlose Kommerzialisierung würde unser Oktoberfest sein unverwechselbares Gesicht verlieren und nicht mehr so sein wie früher», sagt Inselkammer. Schottenhamel ergänzte, die Wiesn sei ein Stück Heimat und kulturelle Identität. «Wir dürfen sie nicht den internationalen Multis opfern, die nur auf Gewinnmaximierung aus sind.»

Oberbürgermeister Krause unterstrich, die Wiesn sei weit mehr als eine Großveranstaltung – «sie ist Ausdruck bayerischer Lebensart, ein Stück gelebter Kultur und ein weltweit bekanntes Symbol für München».

Wiesnchef und Wirtschaftsreferent Scharpf sagte nach der Entscheidung der Vergabekammer: «Das ist ein guter Tag für die Wiesn, denn sie wird damit nicht zu einer gesichtslosen Großveranstaltung irgendwo in Europa.» Er betonte: «Das Oktoberfest bleibt ein Münchner und bayerisches Volksfest mit einer über 200-jährigen Tradition, die weltweit einzigartig ist.»

Vergabekammer: Keine Voraussetzung für EU-Recht

Die Vergabekammer hatte zu prüfen, ob es sich bei der Zuteilung der Festzelte durch die Landeshauptstadt München um eine sogenannte Dienstleistungskonzession handelt und sich die Stadt daher anders als bisher bei der Zuteilung der Zelte nach den Regelungen des europäischen Vergaberechts richten muss. 

Nach Auffassung der Vergabekammer liegen aber bei der von Egger angegriffenen Zuteilung von Schottenhamel-Zelt und Paulaner-Festzelt die Voraussetzungen für europäisches Vergaberecht nicht vor. Für eine ausschreibungspflichtige Dienstleistungskonzession müsste die Stadt als Veranstalterin der Wiesn gegenüber Brauereien und Festwirten einen einklagbaren Anspruch auf Betrieb der Festhallen während der Öffnungszeiten des Oktoberfests haben, hieß es. Die Zuteilungsverträge und die Betriebsvorschriften für das Oktoberfest 2026 sehen aber keine Rechtspflicht zum Betrieb der Zelte vor, wie die Regierung von Oberbayern erläuterte.

Hier will Egger mit seinen Anwälten ansetzen. Er moniert eine angebliche Streichung der Betriebspflicht, just um dem Nachprüfungsantrag entgehen zu können. 

Für die Wirte von Schottenhamel- und Paulaner-Zelt wird der Streit zur Hängepartie: Vorerst darf die Stadt die Zulassungsverträge hinsichtlich der beiden Zelte nicht abschließen. 

Neue Dimension im Streit um Bierzelte 

Sollte die Vergabepraxis doch noch kippen, wäre das ein Paukenschlag. Die Stadt München vergibt die Plätze für Zelte bisher nach einem Punktesystem, das gelegentlich kritisiert und von der Stadt immer wieder angepasst wurde. Um die Vergabe von Zelten wurde schon öfter vor Gericht gestritten. Die Forderung nach einer EU-weiten Ausschreibung ist aber neu. (dpa)


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Nach dem angekündigten Markteintritt von Taco Bell werden erste konkrete Ausbaupläne bekannt. Laut Medienberichten sind unter anderem mindestens 15 Standorte in Bayern vorgesehen.

Die Burgermeister-Gruppe hat nach eigenen Angaben mit der Eröffnung ihres 30. Standorts einen weiteren Expansionsschritt vollzogen. Der neue Betrieb befindet sich in München und wurde am 12. April 2026 in der Türkenstraße eröffnet, wie das Unternehmen mitteilt.

Wie Restaurantbetreiber die Mindestlohnerhöhung auf 13,90 Euro 2026 in ihrer Preiskalkulation richtig berücksichtigen – mit konkreten Methoden, Faustregeln und Kommunikationstipps für faire Preise.

Im Wuppertaler Luisenviertel bietet das Restaurant „Al Moudyaf“ nach Berichten von Talzeit und Bild regelmäßig kostenlose Mahlzeiten für Bedürftige an. Betreiber Ahmad Daoud bewirtet demnach auch Gäste ohne Geld und stellt ihnen eine Speisekarte ohne Preise zur Verfügung.

Bei den Halbfinals des Rudolf Achenbach Preises 2026 sind nach Angaben der Veranstalter insgesamt sechs Nachwuchsköche für das Finale ermittelt worden. Die Wettbewerbe fanden in Düsseldorf, Fulda und Osnabrück statt. Insgesamt 24 Auszubildende nahmen daran teil, nachdem sie zuvor aus mehr als 70 Bewerbern ausgewählt worden waren.

Das Maschseefest 2026 in Hannover startet in diesem Jahr bereits am 22. Juli mit angepassten Öffnungszeiten. Die Veranstalter präsentieren zudem eine neu besetzte Foodmeile mit zusätzlichen kulinarischen Konzepten.

Es darf gezapft und gefeiert werden auf dem Stuttgarter Frühlingsfest. Was macht die große Sause auf dem Cannstatter Wasen in diesem Jahr besonders? Und wann lohnt ein Besuch?

Die Jugendherberge moun10 in Garmisch-Partenkirchen stellt als erstes Haus des bayerischen Landesverbands ihre Verpflegung komplett auf vegetarische Kost um. Die Umstellung ist Teil einer übergeordneten Strategie des Jugendherbergswerks.

Die Münchner Traditionsgaststätte Preysinggarten in München Haidhausen hat vor wenigen Wochen unter neuer Führung wieder eröffnet. Das Restaurant wird nun vom Gastronomieunternehmen Kull & Weinzierl betrieben. Francisco Corcoba und Julian Plochberger verantworten Konzept und Küche.

Mit der Eröffnung des Terminal 1 Pier  stellt der Flughafen München auch ein neues gastronomisches Angebot vor. Nach Angaben des Unternehmens werden im neuen Flugsteig insgesamt fünf Gastronomiekonzepte umgesetzt, die von der Allresto Flughafen München Hotel und Gaststätten GmbH betrieben werden.