Thüringens Gastgewerbe stabil - Kaum Preissenkungen

| Gastronomie Gastronomie

Thüringens Gastgewerbe hat sich nach dem Einbruch während der Corona-Zeit wirtschaftlich stabilisiert - vor allem in den Städten. Die Zahl der Betriebe sei in den vergangenen Jahren auf fast 4.300 gestiegen - das seien jedoch knapp 200 weniger als vor der Pandemie, sagte der Geschäftsführer des Thüringer Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Dirk Ellinger, in Erfurt. «Wir haben ein schleichendes Sterben auf dem flachen Land.»

Auf fehlendes Personal reagierten die Gastronomen vor allem in den ländlichen Regionen mit eingeschränkten Öffnungszeiten, mehr Ruhetagen, aber auch Geschäftsaufgaben. Zunehmend gebe es Schließungen, weil Interessenten für Betriebsübernahmen fehlten. 

Keine flächendeckenden Preissenkungen in Sicht 

Hoffnungen setze das Gastgewerbe auf die von der Bundesregierung geplante Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 7 Prozent für Speisen. Er erwartet, dass das Projekt nicht noch politisch zerredet werde, sagte der Verbands-Geschäftsführer. Es würde dem Gastgewerbe helfen, Kostensteigerungen vor allem bei Lebensmitteln und Energie zumindest teilweise zu kompensieren. 

Umfragen hätten gezeigt, dass nur ein Teil der Gastronomen ihre gestiegenen Kosten bisher komplett an die Gäste weitergegeben habe. Viele Betriebe befürchteten, sonst Gäste zu verlieren. Flächendeckende Preissenkungen für den Restaurantbesuch seien bei einer Mehrwertsteuersenkung deshalb nicht zu erwarten, so Ellinger. «Letztlich entscheidet aber jeder Unternehmer selbst.» 

Viele Teilzeitjobs in der Gastronomie

Ähnlich äußerte sich Thomas Günther, Vorstand der Allianz der Veranstaltungswirtschaft in Thüringen. Seiner Meinung nach ist jeder Unternehmer gut beraten, «der zumindest einen Teil der geplanten Mehrwertsteuersenkung zur Kostenkompensation nutzt». 

Die Zahl der Beschäftigten, die im Thüringer Gastgewerbe in Vollzeit arbeiten, liegt laut Dehoga mit fast 20.600 inzwischen etwas höher als 2019. Hinzu kommen nach Angaben von Ellinger etwa 45.500 geringfügig oder in Teilzeit Beschäftigte, ohne die der Betrieb nicht laufen würde. 

Für 2025 erwartet der Dehoga für die Branche eine ordentliche Geschäftsentwicklung. «Wir hoffen auf einen leicht positiven Umsatz ohne die massiven Kostensteigerungen wie bisher. Wir wollen aus der Corona-Delle heraus.»

Gäste bleiben im Schnitt 2,6 Tage 

Thüringens Hoteliers und Gastronomen hatten im vergangenen Jahr davon profitiert, dass die Zahl der Übernachtungen wieder die Schwelle von zehn Millionen übersprungen hat. Achillesferse bleibe aber die geringe Aufenthaltsdauer der Besucher von im Schnitt 2,6 Tagen. Am höchsten sei sie noch in der Rhön mit 4,3 Tagen, die wie der Thüringer Wald mit 3,2 Tagen Verweildauer vor allem das Ziel von Familien und Wandertouristen ist. Die Stadt Erfurt kam dagegen nur auf im Schnitt 1,8 Aufenthaltstage pro Gast, das Saaleland in Ostthüringen auf 2,4.

Die Auslastung der Gästezimmer habe im ersten Quartal 2025 bei im Schnitt 44,5 Prozent gelegen. Thüringen habe dabei noch Nachholbedarf. «Aber es ist schwer, wenn zu Jahresbeginn in den Wintersportgebieten kaum Schnee liegt», so Ellinger. Im deutschen Durchschnitt habe die Auslastung der Gästezimmer zwischen Januar und März bei 50,1 Prozent gelegen. 

Von der Politik erwarten sich der Dehoga und die Veranstaltungswirtschaft flexiblere Regelungen beim Arbeitszeitgesetz und weniger Bürokratie. Ellinger verlangte angesichts der Debatte in Erfurt um die Einführung einer Verpackungssteuer ein Verbot der Landesregierung für eine solche Steuer. Eine Studie in Tübingen hat nach seinen Angaben gezeigt, dass die Müllmenge durch eine Verpackungssteuer nicht messbar reduziert wurde. (dpa)


Zurück

Vielleicht auch interessant

Ab 22 Uhr gibt es im Münchner Univiertel künftig kein Bier mehr zu kaufen. Damit versucht die Stadt erneut, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Zwei Betriebe hatten bis zuletzt nicht mitziehen wollen.

60 Seconds to Napoli expandiert in der Domstadt und nimmt am 12. September den zweiten Standort im Mediapark in Betrieb. Neben dem bestehenden Betrieb am Heumarkt erweitert das Unternehmen damit sein Angebot in Köln.

Taco Bell will sein erstes öffentlich zugängliches Restaurant in Deutschland in Köln eröffnen. Der Franchisepartner Feel Better Holding bestätigt den Deutschland-Auftakt in der Domstadt, während auch in Bonn und Bayern Vorbereitungen laufen.

Ein neuer Report der US-amerikanischen National Restaurant Association untersucht die Bedeutung von Getränken für Restaurantbesuche. 50 Prozent der befragten erwachsenen Gen Z und 47 Prozent der Millennials kaufen demnach mindestens einmal pro Woche ausschließlich Getränke in Restaurants.

Vergangenes Jahr wurde er mit einer Flasche im Gesicht verletzt, seitdem kämpft Kneipenwirt Simsit für mehr Sicherheit in seinem Viertel: Das Alkoholkonsumverbot, das er initiierte, zeigt Wirkung.

Pommes Freunde leitet eine weitere Phase der Expansion im österreichischen Markt ein. Nach der Eröffnung des ersten Standorts in Wien strebt das Unternehmen den Aufbau eines flächendeckenden Filialnetzes an. Pro Jahr sind etwa fünf Neueröffnungen vorgesehen.

Die Plattform Listflix hat die Verteilung von Dönerläden in deutschen Großstädten für das Jahr 2026 ausgewertet. Dabei zeigt sich eine ungleiche regionale Versorgungsdichte, wenn die Anzahl der Betriebe auf die jeweilige Einwohnerzahl bezogen wird.

Sodexo Deutschland übernimmt die gesamte Gastronomie und das Event-Catering im neuen DKB-Campus Upbeat in Berlin. Die Zusammenarbeit umfasst auf 35.000 Quadratmetern Fläche mehrere Gastronomiebereiche sowie Konferenzservices.

Restaurants, Gaststätten, Imbissstuben, Cafés und Eissalons in Baden-Württemberg haben im Juni 2026 real 7,2 Prozent weniger umgesetzt als ein Jahr zuvor. Im ersten Halbjahr lagen ihre preisbereinigten Umsätze 5,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Biertreber als Appetizer, Futter nach Geheimrezept: Auf Gut Karlshof leben die Ochsen, die bald auf der Wiesn verspeist werden. Warum einer Sebastian heißt - und wie seine Haut zur Schürze wird.