Das geliebte Kultgemüse ist zurück: Am Mittag (ab 12 Uhr) beginnt in Oldenburg offiziell die Grünkohlsaison - mit einem Grünkohl-Garten, Grünkohl-Bingo und dem Knüpfen von Perlenarmbändern «als Zeichen der Grünkohlliebe». Das Wintergemüse ist längst zum Spektakel geworden. Doch woher kommt diese Begeisterung? Hier sind zehn Gründe - zum Fachsimpeln bei der nächsten Kohlfahrt:
1. Von der Turnfahrt mit Rotwein zur Party
Der Oldenburger Turnerbund (OTB) gilt als Erfinder der Kohlfahrten. Am 15. Januar 1871 brachen die Sportler erstmals auf. «Nach dem erfrischenden Marsche mundete dies leckere und für deutsche Turner fast lukullische Mahl umso besser, als auch pro Mann ½ Flasche Rotwein verabfolgt wurde», ist in der Vereinschronik später zu lesen. Sie etablierten damit eine Tradition, die in der Region heute mehr denn je gefeiert wird - mit Bollerwagen voller Bier und Schnaps geht es zum deftigen Essen.
2. Grünkohlmajestäten
Dass Grünkohl heute so beliebt ist, liegt auch an dem Geschick der Oldenburger: Als der damalige Bundespräsident Theodor Heuss einen Termin in der Stadt absagte, fuhren die Stadtväter nach Bonn und servierten ihr Lieblingsgemüse. So begann 1956 das «Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten», bei dem Oldenburg bei politischen Entscheidern für sich und die Region wirbt. Traditionell wird ein Grünkohlkönig oder eine Grünkohlkönigin geehrt - unter den Würdenträgern waren schon Helmut Kohl und Angela Merkel (beide CDU), aktuell trägt Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) die Krone. Übrigens: Auch andere Städte wie Osnabrück küren eine Grünkohlmajestät, selbst in Dresden wurde einige Jahre der Brauch zelebriert.
3. «Kohltourhauptstadt»
Seit 2010 bezeichnet sich Oldenburg selbst als «Kohltourhauptstadt» und treibt den Hype um das Gemüse weiter voran. Mit Erfolg: Eine Umfrage des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) von Oktober 2024 bis März 2025 mit 900 Teilnehmenden zeigt, wie identitätsstiftend das Wintergemüse ist. Demnach verbinden 82 Prozent Oldenburg unmittelbar mit Grünkohl.
4. Grünkohl als Retter in der Wintersaison
Wie viele Menschen für Grünkohl anreisen, kann die Oldenburger Touristeninfo nicht beziffern. «Wir sehen aber anhand der Nachfrage zum Beispiel bei den Grünkohlsouvenirs und Stadtführungen, dass das Thema auch für Gäste interessant ist.» Bei Führungen wie «Kohl & Kultur» oder «Grünkohl Botanisch» erfahren Interessierte alles rund um das Wintergemüse, echte Fans können sich im Anschluss mit Grünkohl-Socken, -Taschen oder -Magneten eindecken.
Aber auch die Region profitiert längst von dem Hype: So werden in Bremen inzwischen Kohlpartys auf Schiffen organisiert, in Bremerhaven feiern jedes Jahr Hunderte Grünkohlparty und die großen Gasthäuser retten sich so über den Winter. «Die Kohlzeit hilft dabei, die ruhigere Jahreszeit wirtschaftlich zu nutzen und den vorhandenen Personalstamm auch im Winter zu beschäftigen», sagt Nathalie Rübsteck vom Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverband (DEHOGA) Bremen.
5. Je ausgefallener, desto besser?
Traditionell wird Grünkohl mit Pinkel, Kochwurst, Kassler, Speck und Kartoffeln serviert, seit einigen Jahren auch vegetarisch oder vegan.
Doch die Rezepte werden immer ausgefallener: Inzwischen können Interessierte auch zwischen Grünkohlpesto, Grünkohl-Sushi oder Grünkohl-Moussaka wählen, zum krönenden Abschluss dann ein Grünkohl-Eis oder eine Grünkohl-Praline.













