Wiesn-Wirt Peter Inselkammer: „Die Wiesn erfindet sich immer ein Stück weit neu“

| Gastronomie Gastronomie

Die Wiesn hautnah zu erleben ist für den Eigentümer des Armbrustschützenzeltes und Sprecher der Wiesn-Wirte Peter Inselkammer eine seiner größten Leidenschaften. Nach zwei Jahren Zwangspause geht es für ihn endlich wieder los. Doch lässt sich der Motor des Oktoberfests einfach wieder starten? Was gibt es Neues in diesem Jahr? Und welches ist der ganz persönliche Gänsehautmoment des Wiesn-Wirts?

Herr Inselkammer, zwei Jahre kein Oktoberfest sind eine lange Zeit. Wie haben Sie und die anderen Wirte die lange Durststrecke überbrückt?

Erst einmal galt es, den Schock der Wiesn-Absage zu verkraften. Besonders aufreibend war das Zusammenspiel aus Ungewissheit, Hoffnung und Phasen der Ernüchterung. In der Wiesn steckt ja enorm viel Vorbereitung – wir fangen mit den Planungen bereits im Februar an. Fast könnte man sagen, wir haben mit der Hoffnung auf die Wiesn die Durststrecke überbrückt, denn die war gleichermaßen bis zur Absage oder – wie jetzt, bis zur Zusage – immer da. Beschäftigt waren wir damit, uns Gedanken zu machen, wie wir die Zeit überbrücken und über die Runden kommen konnten. Wie konnten Kosten reduziert werden etc.

Es hat ja auch jeder der Wirte noch einen anderen Betrieb hinter seinem Zelt stehen, der Mitarbeiter in Beschäftigung gehalten hat, aber leider auch größtenteils stillstand. Doch wir haben uns nicht entmutigen lassen und aus der kreativen Zusammenarbeit der Wiesn- und Innenstadtwirte ist die WirtshausWiesn entstanden. Ein schönes Projekt, das wir dann doch noch in sehr kurzer Zeit realisieren konnten. Ein echter Wiesn-Wirt lässt sich halt nicht so einfach unterkriegen!

Wie fühlt sich das an: endlich wieder Wiesn nach zwei Jahren Pause? Ist man da dann eigentlich noch voll drin im Thema oder sind Sie etwas „eingerostet“?

Im Thema sind wir auf jeden Fall drin, wir haben uns schließlich Jahr für Jahr viele Gedanken um die Wiesn gemacht. Ob wir etwas eingerostet sind wird sich zeigen – vielleicht werden ein paar Prozesse nicht gleich auf Anhieb rundlaufen. Doch ich bin davon überzeugt, dass sich in der Praxis alles schnell wieder einspielen wird. Ich bin sehr gespannt, sobald der Aufbau losgeht, was dann doch noch auf uns zukommt – das wird bestimmt nochmal eine interessante Phase. Zudem stehen wir vor ganz neuen Herausforderungen, die wir so bisher noch nicht kannten, wie etwa der Rohstoffkrise – simple Bestandteile sind nicht mehr wie gewohnt lieferbar. Da heißt es jetzt, Dinge ganz neu denken und neue Lösungen zu finden.

Gesellschaftlich hat sich in der Zeit eine ganze Menge getan. Muss sich auch die Wiesn neu erfinden?

Die Wiesn erfindet sich immer ein Stück weit neu. Jedes Jahr verändert sich ein bisschen etwas und wir versuchen uns natürlich auch kontinuierlich zu verbessern. Das reicht von internen Prozessen bis hin zu neuen gesellschaftlichen Anforderungen. Uns beschäftigt derzeit beispielsweise das Thema „Nachhaltigkeit auf der Wiesn“ sehr. In vielen Dingen sind wir bereits Vorreiter. So schreiben wir unter anderem auch das Thema „Müllvermeidung“ ganz groß oder beziehen von der Stadt München ausschließlich Ökostrom. Darüber hinaus müssen wir unsere Speisekarten jedes Jahr neu denken und uns die Frage stellen, ob auch unsere Gäste anspruchsvoller geworden sind, was die Herkunft der Lebensmittel und Alternativen wie vegetarische oder vegane Gerichte angeht.

Im Jahr 2019 kamen 6,3 Millionen Besucher auf das Oktoberfest, der Rekord liegt bei 7 Millionen. Mit welchen Zahlen rechnen die Wiesnwirte 2022?

Wir rechnen tatsächlich mit ähnlichen Zahlen wie 2019. Seit wir wissen, dass die Wiesn stattfindet, hat sich die Nachfragesituation noch einmal verstärkt, das Interesse ist tatsächlich sehr groß!

Denken Sie, es wird eine geografische Verschiebung in der Gästestruktur geben? Also etwa mehr lokale und weniger internationale Gäste?

Die Münchner Gäste und die aus dem Großraum München waren schon immer der Haupttreiber der Wiesn, sie werden es in meinen Augen auch zukünftig bleiben und das ist gut so. Wir gehen davon aus, dass das internationale Publikum dieses Jahr noch nicht so stark zurückkommt. Das kann dazu führen, dass vermehrt Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Wiesn besuchen – und insbesondere natürlich die Münchner. Wie aktuell auf dem Frühlingsfest zu sehen, ist der Nachholbedarf am gemeinsamen Feiern sehr groß.

Gibt es ein persönliches Wiesn-Highlight für Sie, von dem sie sagen, allein deswegen lohnt sich der Besuch?

Ich persönlich habe mehrere Highlights. Einerseits der Einzug der Wiesnwirte am ersten Tag. Das ist Vorfreude pur! Alle freuen sich darauf zu sehen, wie die viele Arbeit, die sie zuvor geleistet haben, die Besucher glücklich macht. Und dann natürlich der Anstich des ersten Fasses – ich mache das schon einige Jahre, doch es ist immer wieder etwas ganz Besonderes für mich. Was mir persönlich auch sehr gefällt, ist das Platzkonzert der Wiesn-Kapellen vor der Bavaria – immer mit weiß-blauem Himmel. Ich kann mich nicht erinnern, dass es hier schon einmal schlechtes Wetter gab. Am Ende singen wir gemeinsam die Bayernhymne – ein echter Gänsehautmoment. Faszinierend finde ich zudem den Trachtenumzug, dessen Besuch ich unseren Gästen sehr ans Herz lege. Wer dann auch mal eine ganz besondere „Münchnerische Stimmung“ erleben will, der sollte Sonntagmittag auf die Wiesn gehen. Das ist eine ganz andere, viel getragenere Atmosphäre als die am pulsierenden Samstagabend. Danach ein paar Runden mit dem Teufelsrad und der Tag ist perfekt. Die Wiesn hat so viel zu bieten, man muss das Zusammenspiel aus all den faszinierenden Dingen einfach immer wieder selbst und vor allem hautnah erleben!


Zurück

Vielleicht auch interessant

Feinkost Käfer baut seine Aktivitäten in Japan aus. In Fukuoka hat die erste Käfer Alps Kitchen eröffnet. Das Engagement des Münchner Unternehmens in Japan reicht bis 1992 zurück – und bereits 2016 gab es Pläne für eine eigene Coffee-Shop-Kette.

Bei den Uber Eats Awards 2026 wurden durch ein öffentliches Online-Voting 16 Betriebe als Bundesland-Gewinner für das Halbfinale ermittelt. Eine Jury um Sternekoch Tim Raue kürt im Finale in Berlin den Sieger des mit 40.000 Euro dotierten Titels.

Das Gastronomiekonzept The Dawn eröffnet einen neuen Standort mit 250 Sitzplätzen auf dem Dach des Kalle Neukölln in Berlin. Neben ganztägigem Frühstück setzt der Betrieb auch auf kulturelle Veranstaltungen.

Das Berlin Food Network ist mit rund 100 Gästen in der Hauptstadt gestartet. Der neue Verein will Akteure der gesamten Food-Branche vernetzen, ihre Sichtbarkeit erhöhen und sie auch bei politischen Terminen vertreten. Eine GRW-Förderung für den weiteren Aufbau ist bereits bewilligt.

Das britische Gastronomieunternehmen Loungers expandiert erstmals nach Deutschland und eröffnet im Oktober einen Standort in Essen-Rüttenscheid. Unter dem Markennamen Southville wird das Konzept für den deutschen Markt angepasst.

Frank Buchholz übergibt sein Mainzer Bootshaus zum 1. September an das Gastronomieunternehmen Cuisyn. Küchenchef Lucas Kriesel und Betriebsleiter Slim Ennakhla bleiben im Restaurant und übernehmen Verantwortung für den Betrieb.

Hackbällchen in Tomatensoße im Sternerestaurant: Das Berliner Nobelhart & Schmutzig serviert Polpette nach einem Familienrezept. Das Gericht ist Teil der Reihe „Wir kochen Heimat“.

Die schwedische Gastronomiekette Pincho Nation kündigt für 2027 die Eröffnung eines neuen Standorts in Lübeck an. Das Unternehmen mietet dazu ein denkmalgeschütztes Bürgerhaus in der Innenstadt und setzt seine Expansion in Norddeutschland fort.

Die Berliner Traditionsmarke Rogacki soll zunächst mit einem Kochbuch zurückkehren. Die Crowdfunding-Kampagne stößt auf LinkedIn auf überwiegend positive Reaktionen. Eine Wiedereröffnung des Stammhauses zum Jubiläum 2028 bleibt ein weitergehendes Ziel.

Was im Sommer 2011 mit einem einzigen Restaurant an der Linzer Promenade begann, ist heute ein Netzwerk von 17 Restaurants in ganz Österreich geworden. Anlässlich des Jubiläums lud L'Osteria Österreich nun zu einer Feier an genau jenen Ort, an dem alles begann.