Britische Aufsichtsbehörde verbietet Hotelanzeigen wegen irreführender „Ab-Preise“ – Hotelmarken gerügt

| Hotellerie Hotellerie

Die britische Aufsichtsbehörde Advertising Standards Authority (ASA) hat Beschwerden gegen große Akteure der Reisebranche, darunter die Hotelgruppen Hilton, Travelodge und Accor sowie das Buchungsportal Booking.com, stattgegeben. Der Vorwurf: Irreführende Werbung mit sogenannten „Ab-Preisen“ („from“ prices) für Hotelzimmer. Das berichtet die BBC.

Die Entscheidungen der ASA sind Teil einer umfassenderen Untersuchung zur Verfügbarkeit beworbener Hotelpreise. Dabei setzte die Aufsichtsbehörde unter anderem Künstliche Intelligenz (KI) ein, um irreführende Anzeigen zu identifizieren.

Wächter sieht Kunden getäuscht

Die Wächter kamen zu dem Schluss, dass die Werbeanzeigen die tatsächlichen Angebote übertrieben darstellten, da die beworbenen Preise nur für eine geringe Anzahl von Zimmern tatsächlich zur Buchung verfügbar waren. Dieses Vorgehen sei unfair gegenüber Verbrauchern, die nach guten Angeboten suchten oder informierte Entscheidungen treffen wollten.

Emily Henwood, Operations Managerin der ASA, bekräftigte die Notwendigkeit von Preisklarheit: „Werbepreise müssen mit der realen Verfügbarkeit übereinstimmen. Wenn nur wenige Zimmer tatsächlich zum angezeigten Preis angeboten werden oder der Preis nur für ein bestimmtes Datum gilt, muss diese Information klargestellt werden, um eine Irreführung der Menschen zu vermeiden.“ Sie fügte hinzu: „Menschen sollten den Preisen in Anzeigen vertrauen können, und diese Entscheidungen zeigen, dass wir handeln werden, wenn die Regeln gebrochen werden.“

Deutliche Kritik an Hilton und Travelodge

Besonders die Hilton Hotelgruppe und Travelodge wurden wegen mehrerer Anzeigen gerügt.

Der Hilton Hotelgruppe wurden zwei Anzeigen untersagt, darunter eine, die Aufenthalte in Newcastle ab £59 bewarb, sowie eine weitere mit dem Titel „Hampton by Hilton Hamilton Park From £68“. Obwohl Hilton Beweise vorlegte, dass Zimmer zu den jeweiligen Zeitpunkten der Anzeigenschaltung buchbar waren, kam die ASA zu dem Schluss, dass die Verfügbarkeit der beworbenen Zimmer übertrieben wurde. Die Hotelkette wurde angewiesen, die Anzeigen nicht erneut zu veröffentlichen, und ermahnt, künftige Preisangaben müssten Angebote widerspiegeln, die für einen „significant proportion of rooms“ (einen signifikanten Anteil von Zimmern) verfügbar seien.

Ein Sprecher von Hilton erklärte, das Unternehmen habe im April einen „glitch“ (technische Störung) bei seinem Werbeanbieter erlebt, wodurch zwei Anzeigen „incorrectly“ (falsch) angezeigt wurden. Der Sprecher äußerte sich dazu: „Obwohl Zimmer für Gäste zu den beworbenen Preisen buchbar blieben, arbeiten wir daran sicherzustellen, dass wir dies künftig besser belegen können, und zwar in einer Weise, die den Berichtsanforderungen der ASA entspricht.“

Bei Travelodge wurden zwei Anzeigen verboten: eine für Zimmer in Nottingham Riverside „ab £25“ und eine weitere für Zimmer in Swansea „ab £21“. Die ASA stellte fest, dass die beworbenen Preise nur für eine einzige Übernachtung zur Verfügung standen. Die Behörde warnte Travelodge, künftig sicherzustellen, dass Deals „across a range of dates“ (über eine Reihe von Daten) verfügbar sind. Travelodge teilte mit, dass die betreffende Anzeige bereits vor dem Urteil entfernt worden sei und man mit Google zusammenarbeite, um die Einhaltung der ASA-Richtlinien und die Transparenz der Anzeigen zu gewährleisten.

Ähnliche Befunde bei Booking.com und Accor

Auch das Buchungsportal Booking.com und die Hotelgruppe Accor erhielten ähnliche Befunde. Accor erklärte der ASA, man gehe davon aus, dass die Anzeigen korrekt gewesen seien, da Zimmer zu oder unter den beworbenen Preisen in den Tagen nach der Veröffentlichung verfügbar waren. Ein Sprecher von Accor sagte zu BBC, dass die spezifisch kritisierte Anzeige seither nicht mehr gezeigt wurde. Man nutze die Gelegenheit zur weiteren Stärkung der internen Prozesse: „We are taking this opportunity to further strengthen our existing internal processes.“

Booking.com legte der ASA einen Screenshot vor, der sieben Buchungen zu den beworbenen Preisen demonstrierte. Ein Sprecher teilte BBC mit, dass das Unternehmen Preis und Verfügbarkeit zum Zeitpunkt der Anzeigenschaltung korrekt anzeige und mit der ASA zusammenarbeiten werde, um „any outstanding questions they might have“ (alle offenen Fragen) zu klären.

Sonderfall Butlins: Sale-Frist unerlaubt verlängert

Die Kette Butlins wurde wegen eines anderen Verstoßes gegen den Werbekodex kritisiert. Das Unternehmen hatte Kunden per E-Mail unter Druck gesetzt, indem es schrieb, „The big Butlin's sale ends in four days“ (Der große Butlin’s Sale endet in vier Tagen) und „Time is running out“ (Die Zeit wird knapp). Die Frist zur Teilnahme am Sale wurde jedoch nachträglich um zwei Wochen verlängert. Die ASA sah dies als unfair an, da es Verbraucher unter Druck gesetzt hatte, vor der ursprünglichen Frist zu buchen. Butlins versicherte, dass durch die Verlängerung des Sale-Fensters keine Kunden benachteiligt worden seien.

Die Ergebnisse der ASA erfolgen kurz nachdem die Competition and Markets Authority (CMA) am Dienstag eine Untersuchung gegen acht Unternehmen wegen potenziell irreführender Online-Preisangaben eingeleitet hat.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Airbnb testet bei ausgewählten Gastgebern „Direct Booking Links“ mit reduzierten Servicegebühren. PhocusWire berichtet von sechs beziehungsweise zehn statt 15,5 Prozent, wenn eine Buchung über einen vom Gastgeber verbreiteten Link zustande kommt.

Die Odyssey Hotel Group hat einen Betreibervertrag für das Mövenpick Hotel Münster mit 224 Zimmern und Suiten abgeschlossen. Das zuvor von Revo Hospitality betriebene Haus soll umfassend renoviert werden.

Ein Gast bewertet eine Unterkunft auf Booking.com mit einem von zehn Punkten, obwohl er dort nicht übernachtet hat. Das Landesgericht Bozen ordnete die Löschung der Rezension an und setzte für Verzögerungen eine Zahlung von 50 Euro pro Tag fest.

B&B Hotels eröffnet ein neues Hotel in Bad Oeynhausen. Das Unternehmen wird bis Ende 2028 im bis dahin umgebauten und modernisierten City Center Neo ein Haus mit rund 100 Zimmern in Betrieb nehmen.

Die Hotelgruppe Mangias Hotels und Resorts hat an der Südostküste Siziliens das Iconas Costa Ragusa Resort eröffnet. Dabei handelt es sich um das erste Anwesen der neu eingeführten Luxusmarke Iconas Collection.

Seekda hat einen Sicherheitsvorfall in seinen Systemen bestätigt. Der ORF berichtet über betrügerische Nachrichten an Hotelgäste, während die Österreichische Hotelvereinigung von ersten Meldungen seit Ende Juli berichtet und Hotels Informationen zum Umgang mit Datenverlusten bereitstellt.

Das erst Anfang Mai eröffnete Holiday Inn – the niu Quay im Harburger Binnenhafen soll nach Medienberichten rund 340 Geflüchtete aus der Ukraine aufnehmen. Politiker aus CDU, SPD und FDP kritisieren die geplante Nutzung und fordern Aufklärung über Beteiligung und Kosten.

Hitzewellen beeinflussen nach Beobachtungen von HotellerieSuisse das Buchungsverhalten. Während Gäste kurzfristiger Aufenthalte in den Bergen buchen, berichtet ein Basler Hotel von Stornierungen an besonders heißen Tagen und investiert in die Kühlung seines Gebäudes.

IHA-Chef Markus Luthe kritisiert Aussagen von Booking-Chef Glenn Fogel zu den früheren Preisparitätsklauseln. Anlass ist ein Handelsblatt-Interview vor dem Hintergrund einer in Amsterdam anhängigen Sammelklage von 10.783 Hotels.

Anzeige

Der raue Ton, für den die Hotellerie lange bekannt war, funktioniert heute nicht mehr: Führung muss neu gedacht werden, um Mitarbeiter langfristig zu halten und ihnen einen Purpose zu geben, sagt Bernhard Patter, Geschäftsführer der diavendo GmbH. Im Gespräch mit Host Oliver Meyer gibt er in der neuen Folge des HotelPartner-Podcasts „AUSGEBUCHT!“ Tipps, wie Hoteliers mit guter Führung ihre Bottom Line aufbessern.