ChatGPT wird zur Buchungsplattform: Expedia und Booking.com führen Apps im Chatbot ein

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OpenAI erweitert seinen KI-Chatbot zur Plattform und bindet Dienste von Drittanbietern direkt in die Konversation ein. Diese strategische Öffnung soll Reisemarken wie Expedia und Booking.com einen neuen Vertriebskanal und Nutzern eine nahtlosere Reiseplanung ermöglichen.

Integration von Reise- und Hotellerie-Apps

OpenAI hat im Rahmen seiner Entwicklerkonferenz die Einführung von Apps innerhalb von ChatGPT bekannt gegeben und nutzt dafür ein neues Apps SDK (Software Development Kit). Zu den ersten Partnern in der Reisebranche gehören Expedia und Booking.com, was den geschätzten 800 Millionen Nutzern von ChatGPT den direkten Zugang zu Buchungs- und Planungsfunktionen eröffnen wird.

Weitere namhafte Dienstleister wie Tripadvisor, Uber und TheFork sollen ihre Apps bald auf der Plattform folgen lassen.

Buchungen und Planung direkt im Chat

Durch die Integration können Nutzer Informationen zu Reisezielen abfragen, Hotel- und Flugoptionen vergleichen – inklusive Echtzeitpreisen – und interaktive Karten direkt von Expedia in der ChatGPT-Konversation sehen.

Ariane Gorin, CEO der Expedia Group, äußerte sich auf LinkedIn: „Wir sind einer der ersten Reisepartner mit einer App in ChatGPT, wobei unsere Flug- und Unterkunftsinformationen direkt in ChatGPT-Gesprächen erscheinen.“ Sie betonte das Potenzial: „Indem wir die Lücke zwischen der Planung in ChatGPT-Gesprächen und der Buchung auf Expedia schließen, sehen wir ein enormes Potenzial, nahtlose Reiseerlebnisse zu schaffen.“

Booking.com erklärte, die Zusammenarbeit baue auf der bestehenden Partnerschaft mit OpenAI auf, um das Reiseerlebnis zu verbessern: „Mit dieser Funktion haben Reisende eine neue Möglichkeit, die große Auswahl an Hotels, Ferienhäusern und einzigartigen Unterkünften auf unserer Plattform zu erkunden.“ Die App generiere relevante Optionen mit nahtlosem Zugang zur Buchungsplattform.

Verfügbarkeit und Technologie-Hintergrund

Die neuen ChatGPT-Apps sind aktuell für eingeloggte Nutzer außerhalb der Europäischen Union auf allen Tarifstufen (Free, Go, Plus und Pro) verfügbar. OpenAI hat angekündigt, die Funktion bald auch in die EU bringen zu wollen.

Die Anbindung der Apps an den Chatbot basiert auf dem Model Context Protocol (MCP), das es ChatGPT ermöglicht, externe Tools und Daten zu nutzen.

Nutzer können eine App im Chat ansteuern, indem sie deren Namen in die Anfrage eingeben. Alternativ kann ChatGPT eine App vorschlagen, wenn es eine relevante Verknüpfung zur Konversation identifiziert.

Tripadvisor fokussiert auf personalisierte Empfehlungen

Auch Tripadvisor kündigte an, durch die bevorstehende App die Partnerschaft mit OpenAI zu vertiefen. Rahul Todkar, Head of Data and AI bei Tripadvisor, sagte, die App werde „Tripadvisor-Bewertungen, -Empfehlungen und KI-Funktionen in ChatGPT“ bringen.

Todkar prognostiziert einen Wandel in der Reiseplanung: „Reisende werden ChatGPT nach personalisierten, kontextsensitiven Hotelempfehlungen fragen und eine interaktive, agentische Reise erkunden können, die einen der schwierigsten Teile des Reisens – die Suche nach der perfekten Unterkunft – rationalisiert.“ Er fügte hinzu, dies sei nur der Anfang, und kündigte an: „In den kommenden Wochen werden wir auf eine vollständige End-to-End-Reiseplanung erweitern, komplett mit der Entdeckung und Buchung von Aktivitäten.“

Herausforderung für den Direktvertrieb von Hotels

Die direkte Integration großer Online Travel Agencies (OTAs) wie Expedia und Booking.com in KI-Plattformen wie ChatGPT hat laut Branchenexperten weitreichende Konsequenzen für den Direktvertrieb von Hotels. Marktbeobachter sehen hierin sowohl erhebliche Herausforderungen als auch die Notwendigkeit für Hotels, neue Vertriebsstrategien zu entwickeln, um die Abhängigkeit von Dritten zu reduzieren.

Experten weisen darauf hin, dass die Anbindung der OTAs an einen Chatbot mit einer geschätzten Nutzerbasis von 800 Millionen den Aggregatoren einen neuen, mächtigen Vertriebskanal mit dem Potenzial für höhere Konversionsraten eröffnet. Fachleute sehen die Entwicklung kritisch, da der Einstieg der KI-Plattformen in den Reisevertrieb primär über Aggregatoren und nicht über individuelle Hotelbetriebe erfolgt. Diese Konsolidierung festigt die Position der OTAs, die ohnehin hohe Marktanteile halten und Kommissionen zwischen 15 Prozent und 30 Prozent verlangen.

Branchenprofis befürchten, dass Hotels nur schwer mit der Geschwindigkeit und dem Umfang der KI-Integrationen der OTAs konkurrieren können. Die Technologie wird von den OTAs genutzt, um ihre Position im Online-Vertrieb zu stärken, was zu einer weiteren Ausdehnung ihrer Marktmacht führen kann. Die Integration ermöglicht Nutzern ein nahtloses End-to-End-Erlebnis von der Reiseplanung bis zur Buchung innerhalb der KI-Konversation. Dies könnte das Abwandern von Nutzern auf die Direct-Booking-Kanäle der Hotels verhindern und somit deren Traffic reduzieren.

Branchenkenner erwarten zudem, dass die Integrationen in den Large Language Models (LLMs) kurzfristig zu einem häufigeren Erscheinen (Surfacing) von OTA-Ergebnissen führen werden. Experten analysieren, dass die neue Funktion Nutzer derzeit dazu auffordert, den Namen der App im Chat einzugeben, um deren Inhalte zu aktivieren. Das erforderliche Nutzerverhalten ist daher stark von der Bekanntheit der OTAs und ihren Werbebudgets abhängig. Ein durch den Nutzer ausgelöster Aufruf des OTA-Dienstes im Chat kann zwar die Sichtbarkeit der Hotelangebote auf den Portalen erhöhen, fördert jedoch nicht die Direktbuchung, da die Transaktion über die OTA abgewickelt wird.

Die unmittelbare Herausforderung für Hotels liegt daher in der Notwendigkeit, dringend eigene KI-Strategien zu entwickeln, die auf die Optimierung der eigenen digitalen Kanäle und die Integration in die neue, von KI dominierte Such- und Buchungslogik abzielen, um nicht den Anschluss an die technologiegetriebenen OTAs zu verlieren.


 

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