Einblick ins Gstaad Palace - Tradition, Anspruch und der Alltag der Mitarbeitenden

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Das Gstaad Palace, ein Fünf-Sterne-Traditionshotel im Berner Oberland, gewährt erstmals einen umfassenden Blick hinter seine Kulissen. Eine neue SRF-Dokumentation beleuchtet den täglichen Betrieb, die Herausforderungen und die Mitarbeitenden des Hauses, das seit über einem Jahrhundert Gäste aus aller Welt empfängt. Die mehrteilige Serie startete am 14. November auf der Streamingplattform Play.

Anspruchsvolle Kundschaft und luxuriöse Vorbereitung

Die Dokumentation zeigt die intensiven Vorbereitungen des Luxushotels vor der Wintersaisoneröffnung Mitte Dezember. Rund 300 Mitarbeitende bringen das Haus, das 90 Zimmer und Suiten anbietet, auf Hochglanz. Die Preise pro Nacht bewegen sich zwischen rund 1000 und 16.000 Franken.

Der kulinarische Direktor Franz Faeh probt mit seinem Küchenteam neue Gerichte, darunter Hummer, Kobe Beef und Entenleber. Faeh, der seine Lehre im „Gstaad Palace“ absolvierte, kommentiert die Menüauswahl: „Unsere Gäste wollen das, dann bieten wir es ihnen natürlich auch an.“

Auch die Housekeeping-Equipe unter Leitung von Michaela Gäng arbeitet auf Hochtouren. Die Chefin bereitet Gästezimmer mit Fehlern vor, die ihre Zimmermädchen vor der Saison entdecken und beheben müssen.

Sonderwünsche: Kaviar für Hunde und ethische Grenzen

Die Klientel des Hauses gilt als extrem anspruchsvoll. Andrea Scherz, Besitzer des Hotels und Leiter in dritter Generation, beschreibt die Gäste als „auf einem sehr hohen Level verwöhnt“.

Die hohen Ansprüche äussern sich in teils ausgefallenen Sonderwünschen. Franz Faeh berichtet von einem Hund, der jeden Nachmittag Kaviar fraß, und kommentiert dies mit dem Zitat: „Money talks, bullshit walks.“ Er fasst die Haltung zusammen: „Unsere Gäste saugen uns aus.“

Trotz des Credos, die Wünsche der Gäste zu erfüllen, gibt es Grenzen. Barbara Branco Schiess, Guest Relations Managerin, betont, dass man sich „im ethischen Bereich“ bewegen müsse und beispielsweise keinen Escortservice organisieren würde.

Manche Gäste zeigen ihre Dankbarkeit mit Geschenken. Branco Schiess erhielt schon eine Louis-Vuitton-Tasche, einen Hermès-Gürtel und eine Halskette. Sie versichert jedoch: „Darüber freue ich mich natürlich, aber bestechlich bin ich deshalb nicht.“ Sie lehnte es ab, Bestechungsgelder für die Zuteilung eines Zimmers anzunehmen.

Die Geschichte der Familie Scherz

Das Hotel wird in dritter Generation von der Familie Scherz geleitet. Andrea Scherz führt das Haus seit 29 Jahren, nachdem bereits sein Vater und sein Grossvater die Gastgeberrolle innehatten. Die Geschichte des „Gstaad Palace“ war von schwierigen Zeiten geprägt, die Innovation und Unternehmergeist forderten. Andrea Scherz erinnert sich: „Einmal haben sie uns das Telefon abgestellt, weil wir die Rechnungen nicht bezahlen konnten.“

Grossvater Ernst Scherz lockte in den 1950er-Jahren Showgrössen wie Louis Armstrong nach Gstaad. Später kamen Persönlichkeiten wie Julie Andrews, Mick Jagger, die Königin von Thailand und arabische Prinzen. Um finanzielle Engpässe zu überwinden, ließ Ernst Andrea Scherz, Andrea Scherz’ Vater, Chalets auf dem Hotelgelände bauen und verkaufte diese.

Beziehungen unter Mitarbeitenden und die nächste Generation

Die Beziehungspflege zu den Gästen ist ein wichtiger Bestandteil des Hotelbetriebs. Franz Faeh beschreibt den Umgang als „so freundschaftlich wie möglich und gleichzeitig genügend distanziert“, ein „schmaler Grat“. Das Ziel sei es, die Gäste gut zu umsorgen, damit sie wiederkommen und das Hotel weiterempfehlen.

Auch unter den Angestellten entstehen Beziehungen. Barbara Branco Schiess lernte ihren Ehemann Luis Branco, der im Mitarbeiterrestaurant „Marmite“ arbeitet, vor 25 Jahren im Palace kennen. Sie schwärmt: „Es war Liebe auf den ersten Blick! Er hat mir sofort gefallen – seine Muskeln, sein blendendes Aussehen.“

Andrea Scherz denkt über die Nachfolge nach. Seine beiden erwachsenen Kinder, Alexandre und Sabrina, sehen ihre berufliche Zukunft im Hotel. Alexandre absolvierte die Hotelfachschule, Sabrina hat einen Bachelor in Psychologie. Scherz betont, dass sie die Entscheidung frei treffen sollen und der Aufgabe gewachsen sein müssen: „Es soll nicht ein Scherz sein, der das Hotel zugrunde richtet!“ Sabrina Scherz bestätigt die Bereitschaft: „Ja, ich will! Wir Geschwister ergänzen uns bestens, Alexandre wird im Vordergrund tätig sein, ich eher hinter den Kulissen.“


 

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