Erholung bei Hotelinvestments erst ab Mitte 2024 in Sicht

| Hotellerie Hotellerie

Die gestiegene Gästenachfrage treibt die Auslastung auf den Tourismus- und Hotelmärkten in Deutschland und Österreich an. Dennoch bleibt der Investmentmarkt auch in dieser Assetklasse nach wie vor noch deutlich hinter den Aktivitäten und Transaktionsvolumina vor der Coronapandemie zurück. Die Gründe sind unter anderem in der noch nicht abgeschlossenen Preisbildung zu finden. Gleichzeitig notiert die Performance der Hotellerie, insbesondere der Ferienhotellerie, hinter den Werten aus 2022. Das sind einige Ergebnisse einer Live-Diskussion von mrp hotels, bei der Martin Schaffer, Geschäftsführender Partner bei mrp hotels, und Maximilian Ludwig, Head of Asset Management Hotel, Living, Retail & Logistics der Real I.S. AG, die neuesten Entwicklungen erörterten.

Hotelmarkt: Performance der Ferienhotellerie bleibt noch hinter den Erwartungen

Martin Schaffer: „Die Umsätze entwickeln sich gut, auch inflationsbereinigt. Sie haben aber noch Luft nach oben, da vielerorts die Nachfrage noch nicht gänzlich auf Vor-Corona-Niveau zurück ist. Es wird erwartet, dass die operative Performance hinter den Werten von 2019 bleibt, da das erste Quartal noch etwas schwächer war. In der Ferienhotellerie kommt hinzu, dass die Nachholeffekte der letzten Jahre nachlassen und – gepaart mit der nach wie vor hohen Inflation und den ungünstigen konjunkturellen Aussichten – das Wachstumstempo bei den Neubuchungen leicht abnimmt. Für viele Hotels, insbesondere Ferienhotels, wird es eine Herausforderung, die Forecasts auf Basis der Erfahrungswerte aus 2022 zu erreichen.“

Erholung der Investmentmärkte lässt auf sich warten – Budget- und Ferienhotels bleiben aber attraktiv

Martin Schaffer kommentiert: „Vor dem Jahresende 2023 ist aus unserer Sicht auf den Investmentmärkten keine wesentliche Erholung in Sicht. Am ehesten wird der Hotelinvestmentmarkt Mitte 2024 wieder Fahrt aufnehmen, sobald sich das Investment- und Finanzierungsumfeld stabilisiert haben, Zinsen seitwärts bewegen und mehr Klarheit und Planbarkeit, auch was die Preisfindung angeht, herrschen wird. Vor allem institutionelle Anleger bleiben in ihren Investmententscheidungen sehr zurückhaltend. Sie scheiden derzeit als Käufer von Hotelimmobilien, sowohl von Projektentwicklungen als auch von Bestandobjekten, aus.“ Maximilian Ludwig ergänzt: „Wir sehen darüber hinaus, dass das Anlegerverhalten die Entwicklung des Investmentmarktes maßgeblich beeinflussen wird. Insgesamt sehen wir bei einigen Anlegern vor dem Hintergrund der sich veränderten Marktverhältnisse eine Überallokation an Immobilien. Ein kurzfristiger Abbau dieser Überallokation gestaltet sich allerdings als schwierig, da Immobilien ein illiquides und langfristiges Investment darstellen und kurzfristig notwendige Verkäufe meist einen erheblichen Preisabschlag erfordern.“

Als Kaufinteressenten würden aktuell vor allem High Net Worth Individuals (HNWI), Family Offices, Owner/Operator-Kombinationen oder All-Equity-Käufer in Frage kommen, also eigenkapitalstarke Investoren. Martin Schaffer: „Käufe kommen vor allem dann zustande, wenn keine Eigenkapitalrendite benötigt wird und ‚All Equity‘ gekauft werden kann. Gleichzeitig sollte der Wertzuwachs durch die Inflation als Teil der Rendite eingepreist sein.“

Allerdings findet auch das klassische Core-Produkt derzeit keine Käufer. Potenzielle Anleger warten ebenfalls eher ab. Auch Produkte in Randlagen sowie Immobilien mit auslaufender oder variabler Finanzierung stehen deshalb vor Herausforderungen. „Gefragt sind allerdings Budgethotels, Midscale-Hotellerie und Serviced Apartments. Sie haben die Möglichkeit, hohe Pachtzahlungen zu leisten“, so Schaffer. Und weiter: „Hinzu kommt, dass der Developmentmarkt beinahe zum Erliegen gekommen ist. Das heißt, dass auch das Produktangebot gerade in diesem Bereich sehr eingeschränkt ist. Dabei beobachten wir, dass vor allem Conversions, also Umnutzung oder Sanierungen, in diesem Bereich an der Tagesordnung sind. Neubauprojekte haben es aktuell dagegen sehr schwer.“ Ob es zu einer Abwertung von Immobilien kommen würde, wie von manchen Marktbeobachtern erwartet, sei noch nicht ausgemacht. Martin Schaffer: „Wer aktuell im Bestand kauft, kann den vollen Upswing in den nächsten Jahren mitnehmen. Durch die Inflation werden die Preise wieder und weiter steigen. Die zur Verfügung stehenden Mittel werden aktuell zurückgehalten und in den kommenden Jahren angelegt.“ Maximilian Ludwig ergänzt: „Trotz der leicht eingetrübten Aussichten glauben wir nach wie vor an die Stärke und Attraktivität gerade von Ferienhotels. Diese Assetklasse wird auf Basis eines nach wie vor hohen Gästeaufkommens weiter das Anlegerinteresse auf sich ziehen.“


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Vom ehemaligen Bürogebäude in Berlin bis zum Neubau auf Sylt: Limehome setzt bei seiner Expansion auf unterschiedliche Immobilientypen. Bis 2030 will das Unternehmen 25.000 Einheiten unter Vertrag haben.

IHG Hotels & Resorts plant ein neues Vignette-Collection-Hotel im Zentrum von Madrid. Das San Bernardo soll im März 2028 mit 67 Zimmern eröffnen und das spanische Luxus-Portfolio des Konzerns auf 21 Häuser erweitern.

Die österreichische Hotelgruppe Cooee alpin erweitert ihr Portfolio von drei auf fünf Hotels. In Kaprun läuft der Umbau eines bestehenden Hauses, zugleich entsteht in Bad Goisern bis Dezember 2027 ein Neubau mit 78 Zimmern.

Das familiengeführte Flemings Mayfair Hotel in London feiert sein 175-jähriges Jubiläum. Das im Jahr 1851 von Robert Fleming errichtete Anwesen gehört zu den ältesten unabhängigen Hotels der britischen Metropole.

Die Falkensteiner Michaeler Tourism Group hat ihr neues Fünf-Sterne-Resort in Salò am Gardasee offiziell eröffnet. Das Investitionsvolumen für das Mixed-Use-Projekt beläuft sich auf rund 150 Millionen Euro.

Arabella Hospitality übernimmt den Betrieb des neuen Hotels Moxy Munich South im Münchner Stadtquartier The Source. Die Fertigstellung des 164 Zimmer umfassenden Hauses ist für das Jahr 2028 geplant.

Auf dem Ostkinberg in Scheidegg ist ein Wellness-Hotel mit rund 120 Zimmern und Suiten geplant. Laut Allgäuer Zeitung soll es Teil der Lerch Genusswelten werden; Geschäftsführer Thomas Lerch äußerte sich gegenüber der Zeitung zu dem Projekt.

​​​​​​​Alle acht Seminaris-Hotels durchlaufen einen Betreiberwechsel. Vier Häuser seien bereits zum 15. September 2026 an die Belvilla Deutschland GmbH übergegangen und werden bereits als Sunday-Hotels vermarktet. Die übrigen vier sollen zum 1. Oktober folgen. Das bestätigte Seminaris auf Anfrage von Tageskarte.io.

Der Hotelverband Deutschland sieht in den neuen Booking.com-Zusagen einen Fortschritt, will ihre Wirkung aber in der Praxis prüfen. IHA-Präsident Otto Lindner stellt insbesondere Fragen zum Genius-Programm.

Die EPH Group plant im Mittelburgenland ein Fünf-Sterne-Resort mit rund 300 Betten. Der Grundstückserwerb setzt insbesondere eine rechtskräftige Baubewilligung voraus.