Google baut Hotelsuche in Europa grundlegend um – Direktvertrieb unter Druck

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Google baut seine Hotelsuche in Europa um. Die Änderungen sollen die Vorgaben des Digital Markets Act (DMA) erfüllen und betreffen unter anderem die Suche nach Hotels. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, erhalten spezialisierte Suchdienste neue Positionen in den Ergebnissen. Google warnt, dass dadurch Online-Vermittler gegenüber lokalen Unternehmen gestärkt würden.

Das Unternehmen bezeichnete die Änderungen gegenüber Reuters als die größte Verringerung der Qualität der Google-Suche in ihrer 29-jährigen Geschichte. Der Suchmaschinen-Blog Search Engine Roundtable griff diese Aussage am 8. September ebenfalls auf und befasste sich insbesondere mit den Auswirkungen auf die Hotelsuche.

Spezialisierte Suchdienste erhalten prominentere Positionen in den Suchergebnissen

Google erklärte gegenüber Reuters, nach Einschätzung des Unternehmens begünstigten die Änderungen Preisvergleichsseiten beziehungsweise sogenannte Vertical Search Services (VSS) aus Bereichen wie Hotels, Flugreisen und Restaurants. Reuters nennt in diesem Zusammenhang Expedia und Booking.com. Diese Dienste erhielten mehr Sichtbarkeit gegenüber Unternehmen aus den jeweiligen Branchen, die mit Links zu ihren Internetseiten, Telefonnummern und Adressen angezeigt würden.

Nach dem Reuters-Bericht wird in den überarbeiteten Suchergebnissen zunächst ein spezialisierter Suchdienst oben auf der Seite hervorgehoben. Darauf folgen zwei weitere Anbieter mit weniger Informationen. Ein Karussell mit beispielsweise Hotels, Fluggesellschaften oder Restaurants werde darunter angezeigt. Funktionen wie Echtzeitpreise würden dort entfernt. Die Rangfolge werde weiterhin durch Googles Algorithmus bestimmt.

Neues Hotel-Modul zeigt weiterhin Links zu einzelnen Hotels

Search Engine Roundtable verweist zusätzlich auf aktuelle Beobachtungen des Suchmaschinenexperten Lluc B. Penycate, der die Veränderungen am 8. September auf X dokumentierte. Nach seinen Beobachtungen verschwindet das bisherige „Hotel Local Pack“. An dessen Stelle trete ein Modul mit mehreren Anbietern, darunter Booking.com, Expedia, Priceline, Reserving und Google.

Penycate beschreibt noch eine weitere Änderung. Das bisherige „Places Sites“-Modul werde durch ein eigenes „Hotel Sites“-Modul ersetzt. Darin würden einzelne Hotels, Preise und Links zu den offiziellen Internetseiten der Häuser angezeigt. Hotels verschwänden somit nicht aus den Suchergebnissen.

Nach Einschätzung Penycates verliere der Direktvertrieb durch die neue Darstellung an Sichtbarkeit, während Online-Reiseportale und andere Vermittler eine prominentere Position im Suchprozess erhielten. Zugleich verweist er darauf, dass die tatsächlichen Auswirkungen nun gemessen werden müssten.

Google warnt vor Vorteilen für Vermittler gegenüber lokalen Unternehmen

Google bewertet die Folgen des Umbaus kritisch. Nick Fox, Senior Vice President Knowledge & Information bei Google, erklärte gegenüber Reuters, die Änderungen verschlechterten die Nutzererfahrung in Europa, stärkten Online-Vermittler auf Kosten lokaler Unternehmen und entfernten Funktionen, auf die Nutzer bislang zurückgegriffen hätten. Nutzer außerhalb der Europäischen Union seien nicht betroffen.

Google verwies gegenüber Reuters außerdem auf frühere Änderungen zur Umsetzung des DMA. Diese hätten nach Angaben des Unternehmens zu einem Rückgang des kostenlosen direkten Buchungsverkehrs zu europäischen Unternehmen um 30 Prozent geführt. Bereits im November 2024 hatte Google erklärt, Hotels, Fluggesellschaften und andere Unternehmen hätten Rückgänge bei kostenlosen Direktbuchungsklicks von bis zu 30 Prozent gemeldet.

Google-Test ließ Hotel-Traffic um mehr als zehn Prozent sinken

Im Jahr 2024 hatte Google in Deutschland, Belgien und Estland einen weitergehenden Test durchgeführt. Dabei wurden unter anderem die Karte mit Hotelstandorten und darunter angezeigte Hotelergebnisse entfernt. Stattdessen zeigte Google einzelne Links zu Internetseiten ohne zusätzliche Funktionen.

Die von Google im Dezember 2024 veröffentlichten Ergebnisse zeigten nach Angaben des Unternehmens eine geringere Zufriedenheit der Nutzer. Sie hätten länger gebraucht, um Hotels zu finden, häufiger weitere Suchanfragen durchgeführt und teilweise die Suche abgebrochen.

Auch beim Traffic habe es Unterschiede gegeben. Insgesamt sei der Verkehr zu Hotels und Vermittlungsseiten zurückgegangen. Hotels verloren nach Angaben von Google mehr als zehn Prozent ihres Traffics, wovon Hunderttausende europäische Hotels betroffen gewesen seien. Der Traffic zu Vermittlungsseiten sei dagegen weitgehend konstant geblieben. Search Engine Roundtable griff diese Ergebnisse anlässlich des aktuellen Umbaus erneut auf.

Der damalige Test unterschied sich von der nun ausgerollten Darstellung. Nach den aktuellen Beobachtungen Penycates werden weiterhin einzelne Hotels, Preise und Links zu den offiziellen Internetseiten der Häuser angezeigt.

EU-Kommission verlangte Änderungen nach Verstoß gegen den DMA

Hintergrund des aktuellen Umbaus ist ein Verfahren der Europäischen Kommission. Google wurde im Juli 2026 mit 460 Millionen Euro belegt, weil das Unternehmen nach Auffassung der Kommission eigene Dienste in den Suchergebnissen unter anderem in den Bereichen Shopping, Hotels, Transport und Sport bevorzugt hatte. Google erhielt 60 Tage Zeit, die beanstandeten Praktiken anzupassen.

Bereits während des Tests im Jahr 2024 hatte die deutsche Hotelbranche vor möglichen Folgen weiterer Änderungen gewarnt. Der damalige IHA-Vorsitzende Otto Lindner erklärte gegenüber Tageskarte: „Die Hotellerie ist auf einen ausgewogenen Zugang zu Verbrauchern bei der Online-Suche angewiesen. Leider haben jüngste Änderungen in der Google-Suche bereits zu einer Verringerung des Traffics und damit der Chancen für Direktbuchungen geführt. Es ist inakzeptabel, wenn ausgerechnet dominante Online-Plattformen durch die DMA-Umsetzung auch noch bevorzugt und unabhängige Hotels faktisch unsichtbar werden sollen.“

Bei der Erstellung dieses Artikels kamen KI-gestützte Werkzeuge zum Einsatz. Die Inhalte wurden redaktionell überprüft. Feedback nehmen wir gerne unter news@tageskarte.io entgegen.


 

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