Hotel Luise in Erlangen: Vom Pionier zum Klimapositiven Vorbild der Hotellerie

| Hotellerie Hotellerie

Das Erlanger Hotel Luise hat sich unter der Leitung von Ben Förtsch zu einem Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit in der Hotellerie entwickelt. Das Hotel, das bereits in dritter Generation von der Familie Förtsch geführt wird, zählt zu den Pionieren für Umwelt- und Klimaschutz in Deutschland. Diese Philosophie führt der heutige Chef, Ben Förtsch (Jahrgang 1988), fort, nachdem er 2014 die operative Geschäftsführung von seinem Vater Klaus Förtsch übernahm.

Klaus Förtsch, der das Haus 30 Jahre lang führte, erhielt bereits 1991 die Auszeichnung „Umweltbewusster Hotel- und Gaststättenbetrieb“ vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Er investierte früh in Solarenergie, Regenwassernutzung sowie Wärmedämmung und verbannte Einwegverpackungen und Plastikmüll vom Frühstückstisch. Ben Förtsch betont, dass Nachhaltigkeit für ihn wie IT die Grundlage für alles sei und macht deutlich: „Ich habe keinen Fachkräftemangel“, was er auf die faire Personalpolitik zurückführt, die unter anderem geregelte Arbeitszeiten, faire Bezahlung und die Festeinstellung des Reinigungsteams umfasst.

Von Klimaneutral zu Klimapositiv

Das Hotel Luise war bereits 2010 das erste klimaneutrale Hotel in Franken. Dies wurde 2015 übertroffen, als der Betrieb als erstes Hotel Deutschlands als klimapositiv zertifiziert wurde. Seit 2023 besitzt das Hotel auch das „EU-Ecolabel“. Der CO₂-Fußabdruck wird nach dem Corporate Value Chain (Scope 3) Standard des Greenhouse Gas Protocol berechnet. Um diesen Fußabdruck zu kompensieren, zahlt das Hotel an ein Wiederaufforstungsprojekt in Panama und überkompensiert dabei um zehn Prozent, was zum klimapositiven Ergebnis führt.

Das Hotel hat nach eigenen Angaben über 270 kleine und große Maßnahmen für mehr Umweltschutz umgesetzt. Diese werden auf der „Wall of Change“ mit laubblattförmigen Holzblättchen präsentiert. Die Wand dient als „Entry Point“ und soll die Gäste neugierig machen, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu belehren. Zu den konkreten Maßnahmen zählen unter anderem die Holzzimmerschlüsselkarte, Arbeitskleidung aus fairer Produktion und Blumentöpfe aus recycelten Materialien.

Nachwachsende Hotelzimmer und Tiny Forest

Ben Förtsch verschreibt sich dem Prinzip „Reuse, Reduce, Recycle“ (wiederverwenden, reduzieren, recyclen). Ein Beispiel für die konsequente Umsetzung ist das nach eigenen Angaben „nachhaltigste Hotelzimmer der Welt“. Hier bestehen der Teppich aus alten Fischernetzen, Wände und Decken sind mit gepresstem Stroh verkleidet und mit Ökofarbe behandelt.

Eine weitere Innovation sind die sogenannten „Astronautenduschen“. Diese bereiten das Duschwasser wieder auf, wodurch der tatsächliche Wasserverbrauch auf etwa zehn Liter reduziert und gleichzeitig Wärme für die Temperierung gespart wird. Insgesamt verursacht das Hotel laut Angaben 58,6 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als andere Hotels.

Im Außenbereich legte Ben Förtsch 2021 auf dem ehemaligen Gemüsegarten seiner Großmutter einen Mikrowald an. Nach dem Konzept des japanischen Hochschullehrers Akira Miyawaki wurden auf 100 Quadratmetern über 200 Bäume angepflanzt, um CO₂-Emissionen zu reduzieren, die biologische Vielfalt zu erhalten und das Mikroklima zu verbessern.

Veränderte Gästestruktur und Tagungsgeschäft

Seit der Corona-Pandemie hat sich die Gästestruktur im Hotel Luise verändert. Der Anteil der Geschäftsreisenden sank von zuvor 87 Prozent auf nunmehr unter 75 Prozent. Der Zuspruch von Privatreisenden sorgt für eine höhere Auslastung, insbesondere am Wochenende, und bringt höhere Preise als Kontingentvereinbarungen mit sich.

Zudem registriert Förtsch eine verstärkte Nachfrage nach Tagungen, die ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Anforderungen entsprechen. Die günstige Lage nahe des Erlanger Bahnhofs trägt zur Erreichbarkeit des Hotels bei. Ben Förtsch sieht im umfassenden Nachhaltigkeitsansatz, vom Frühstück bis zur Einrichtung, einen Grund für die Zufriedenheit der Gäste und den Erfolg seines Konzepts. Sein Anspruch ist es, zu zeigen, dass sich Nachhaltigkeit auch rechnet und kein Verzicht bedeute, um die breite Masse zu erreichen.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Wien führt ab Januar 2027 eine strikte Registrierungspflicht für Kurzzeitvermietungen ein und verschärft die Regeln für Umwidmungen, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern.

Das Rocco Forte Hotel Hotel Amigo in Brüssel präsentiert die Neugestaltung von drei Suiten, zu denen die neuen Grand Place Suites sowie die neu gestaltete Blaton Suite gehören. 

Maritim bestätigt den Datendiebstahl bei iHotelier und den Versand von 8.716 E-Mails an Gäste. Amadeus nennt den 11. September als Tag der Entdeckung. Die Atlantic Hotels bestätigen separat einen Angriff auf ihre Websites.

Die Five E Group übernimmt zum 1. Oktober das Management der Weißen Wiek in Boltenhagen. Das Lindner Hotel erhält einen neuen Namen; das Beech Resort wird weitergeführt.

Valk Exclusief hat den Baubeginn für ein Hotel im ehemaligen Postsortierzentrum an der Kölner Stolkgasse bekannt gegeben. Geplant sind 338 Zimmer, Suiten und Apartments; die Eröffnung ist für 2028 vorgesehen.

Im Rahmen der zwölften Ausgabe der World Spa Awards sind die Auszeichnungen für herausragende Betriebe und Marken der Wellness- und Spa-Branche vergeben worden. Das Guerlain Wellness Spa im Waldorf Astoria New York sicherte sich den Titel als bestes Hotel-Spa der Welt.

Das SO/ Berlin Das Stue wird im ersten Quartal 2027 in Sofitel Berlin Das Stue umbenannt und damit Teil des Portfolios der Luxusmarke Sofitel. Nun soll das Haus an die Standards der Marke angepasst werden.

Novum Hospitality hat die Schließung des Crowne Plaza Frankfurt bestätigt und nennt mehrere Mängel am Gebäude. Die Unternehmensmitteilung enthält keine Angaben zu den von der NGG genannten Kündigungen im Betriebsrat.

Der Michelin Guide führt 2026 insgesamt 130 deutsche Hotels mit einem, zwei oder drei Keys. Sechs Häuser bestätigen die höchste Einstufung, zehn Hotels erhalten erstmals einen Key und sieben kommen neu in die Kategorie mit zwei Keys.

Das Crowne Plaza Frankfurt Congress Hotel hat seinen Betrieb kurzfristig eingestellt. Medien berichten über Sicherheits- und Brandschutzprobleme sowie über Kündigungen im Betriebsrat.