Hotelkonzerne warnen vor Risiken durch Künstliche Intelligenz

| Hotellerie Hotellerie

In den aktuellen Geschäftsberichten der globalen Hotelkonzerne Marriott International und Hilton taucht ein neuer, gewichtiger Risikofaktor auf. Die Unternehmen warnen ihre Anteilseigner explizit vor den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz (KI) auf die bisherigen Vertriebsstrukturen. Branchenexperten wie der Hotelier Marco Nussbaum sehen darin ein deutliches Signal für eine mögliche Verschiebung der Machtverhältnisse in der digitalen Distribution.

Gefahr für Markenbindung und Direktvertrieb

In seinem offiziellen Jahresbericht für das Geschäftsjahr 2025 (Form 10-K) formuliert Marriott International die Bedenken unmissverständlich. Die Einführung von KI-Funktionen durch bestehende und neue Reisevermittler könne die Art und Weise, wie Gäste Reisen planen, buchen und bezahlen, grundlegend verändern.

In dem Bericht heißt es dazu wörtlich: „In addition, the introduction of AI capabilities by existing and emerging travel intermediaries may change the way guests plan, book, and pay for travel, which may disrupt how our products and services are marketed and distributed, potentially eroding brand loyalty, increasing distribution costs, and negatively affecting our Loyalty Program…“

Die Konzerne befürchten, dass diese technologische Entwicklung die Markenloyalität schwächen und die Kosten für den Vertrieb der Zimmer erhöhen könnte. Auch die Bedeutung der teuren Kundenbindungsprogramme, die bisher als Rückgrat des Direktgeschäfts galten, steht laut den Pflichtmitteilungen zur Debatte.

Experten sehen Markenwerte unter Druck

Der Unternehmer Marco Nussbaum ordnet diese juristisch formulierten Warnungen als strategisch hochrelevant ein. Auf der Plattform Linkedin weist er darauf hin, dass die Diskussion darüber, ob KI lediglich bestehende Buchungsplattformen ersetzt, zu kurz greife. Die zentrale Frage sei vielmehr die künftige Relevanz der Hotelmarken selbst.

Wenn KI-gestützte Assistenten individuelle Präferenzen besser auswerten als jedes Treueprogramm und Buchungen ohne Markenbindung vornehmen, verliere das bisherige Vertrauensverhältnis zur Marke an Wert. Laut Nussbaum rücke dadurch das reale Gasterlebnis vor Ort wieder stärker in den Fokus. Er vertritt die These, dass am Ende der unmittelbare Leistungserbringer gewinne, während jede technologische Zwischenstufe zwischen Gast und Hotel zu einer potenziellen Kostenfalle werde.

Marktanteile und technologische Reaktion

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Entwicklung ist für die Branchenriesen erheblich. Marriott verfügte Ende 2025 über rund 1,78 Millionen Zimmer weltweit. In den USA werden circa 75 Prozent der Übernachtungen über Mitglieder des eigenen Loyalitätsprogramms gebucht.

Um dem drohenden Kontrollverlust entgegenzuwirken, investiert der Konzern bereits in eine umfassende technologische Transformation seiner Systeme für Reservierung und Bestandsverwaltung. Ziel ist es, die eigenen digitalen Kanäle attraktiv zu halten und neue Erlöspotenziale in einem Umfeld zu sichern, das zunehmend von Algorithmen statt von Markenpräferenzen gesteuert wird.


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Die MHP Hotel AG hat den Betrieb des Andaz Vienna am Belvedere unter einem neuen Franchisevertrag mit Hyatt übernommen. Das Hotel wird ab April 2026 unter der Marke Hyatt Regency weitergeführt.

Das Aus für das Congress Hotel gleicht einem Stich ins Herz von Chemnitz. Deswegen treibt die Sorge um die Zukunft des früheren Interhotels nicht nur die Beschäftigten um. Wie kann es weitergehen?

Mit dem Aethos Club Palma eröffnet ein neuer Member-Bereich in einem restaurierten Stadthaus in der Inselhauptstadt. Das Konzept kombiniert Arbeitsbereiche, Wellness-Angebote und kulturelle Events und ist Teil einer europaweiten Expansionsstrategie der Marke.

Der neue Trendreport von Hilton beleuchtet den Wandel in der Veranstaltungsbranche. Im Mittelpunkt stehen der Wunsch der Teilnehmer nach authentischen Begegnungen, die wachsende Bedeutung von Erholungspausen im Programm und die gezielte Nutzung von Technologie.

Wie wandelt sich die Hotellerie digital? Ein neuer Bericht des Tourismusinstitut der HES-SO Valais-Wallis analysiert die Entwicklung von fast 400 Hotels zwischen 2000 und 2025 im Schweizer Kanton. Die Daten liefern allen Tourismusakteuren wertvolle Erkenntnisse für den Sprung von der reinen Online-Präsenz zur qualitativen Optimierung.

Hotel-Pionier Ian Schrager und Highgate bündeln ihre Kräfte für die weltweite Expansion der Marke Public. Der frisch mit dem SevenRooms Icon Award ausgezeichnete Visionär behält die kreative Leitung, während Highgate den Betrieb übernimmt, um das Konzept „Luxus für alle“ global zu skalieren.

Das Parkhotel Quellenhof in Aachen schließt eine weitere Etappe seiner Revitalisierung ab. Mit Investitionen von knapp zwei Millionen Euro wurden 98 Zimmer modernisiert und die Technik des Grand Hotels auf den neuesten Stand gebracht. Damit steigen die Gesamtinvestitionen seit 2020 auf über zehn Millionen Euro.

Mehrere Medien berichten übereinstimmend über den Verkauf des Hotel Excelsior in der Münchner Innenstadt. Die Hoteliersfamilie Geisel veräußert das traditionsreiche Vier-Sterne-Haus nach 88 Jahren im Familienbesitz an den US-Investor Blackrock Real Estate.

Umfassender Umbau in Sulden: Das Hotel Die Post am Ortler präsentiert sich nach einjähriger Bauzeit mit neuem Design, erweiterten Luxussuiten und einer 4.200 Quadratmeter großen Wellnesslandschaft direkt am Fuße von Südtirols höchstem Gipfel.

Das Wiener Palais Coburg erfindet sich neu: Bis Sommer 2026 wandelt sich das Luxushotel in ein exklusives privates Gästehaus mit nur 36 Suiten. Während die Renovierung läuft, bleiben die Sternegastronomie und das berühmte Weinarchiv weiterhin für Gäste geöffnet.