Hotellerie in Österreich: Volle Häuser, historisch niedrige Erträge

| Hotellerie Hotellerie

Die Ertragslage in der österreichischen Ferienhotellerie bleibt angespannt. Dies ist das zentrale Ergebnis des „Fitness-Check 2025“, der als größtes Benchmarking im Alpenraum gilt. Die Analyse wurde vom Fachverband Hotellerie der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in Kooperation mit der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (OeHT), der Prodinger Tourismusberatung sowie Kohl & Partner und weiteren Partnern auf Basis von Daten aus über 1.000 Betrieben vorgelegt.

Obmann Georg Imlauer vom Fachverband Hotellerie in der WKÖ fasste die Situation wie folgt zusammen: „Die Ergebnisse zeigen: Unsere Häuser sind ausgelastet, und die Nachfrage ist stabil. Aber: unsere Betriebsergebnisse spiegeln das nicht wider. Die Erträge stagnieren auf sehr niedrigem Niveau. Wenn das operative Ergebnis trotz voller Häuser auf ein historisches Tief rutscht, dann stimmt etwas Grundlegendes nicht – ein deutlicher Hinweis auf die enorme Belastung unserer Betriebe.“

Auslastung stabil, Umsatzwachstum ungleich verteilt

Die Studie belegt eine insgesamt leicht gesteigerte Auslastung, wobei insbesondere die 3- und 3-Sterne-Superior-Hotellerie Zuwächse verzeichnete. Dieses Segment bedient weiterhin eine hohe Grundnachfrage, die vor allem von preisbewussteren Gästegruppen getragen wird.

Demgegenüber stagniert der Umsatz je Zimmer in der 3- und der klassischen 4-Sterne-Kategorie oder verzeichnet nur minimale Zuwächse. In den höheren Segmenten (4S/5*) hingegen steigt der Umsatz deutlich, jedoch flacht in diesen Kategorien das Auslastungswachstum ab. Dies deute darauf hin, dass das Premiumsegment stärker konjunkturabhängig reagiere und seine Expansionsgrenzen erreiche.

Georg Imlauer analysiert die Diskrepanz wie folgt: „Die Nachfrage bleibt stabil, aber das Geld kommt nicht an: Während Premiumhäuser ihre Preise steigern können, steckt die Mittelklasse im Preiskorsett fest. Dies bedeutet: Unsere klassischen Familienbetriebe tragen die schwerste Last.“

Personalkosten und Energiepreise als Margendruck

Die gestiegenen Betriebskosten gelten als wesentliche Ursache für die schwachen Erträge. Der Fitness-Check verzeichnet in allen Hotelkategorien einen Anstieg der Lohnkosten um fünf bis sieben Prozent.

Obmann Imlauer betonte die Bedeutung der Mitarbeiter, wies jedoch auf die wirtschaftlichen Folgen der Kostenentwicklung hin: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind – neben der betrieblichen Hardware – unsere zentrale Ressource. Es ist unser oberstes Credo, leistbares beziehungsweise freies Wohnen und Verpflegung sowie gute Arbeitsbedingungen zu schaffen und faire, wertschätzende Löhne zu bezahlen. Gleichzeitig führt der anhaltend starke Anstieg der Personalkosten dazu, dass viele Betriebe weiter unter wirtschaftlichen Druck geraten. Diese Entwicklung ist für zahlreiche Häuser langfristig kaum zu kompensieren.“ Aus diesem Grund sei die Forderung nach einer Senkung der Lohnnebenkosten „aktueller denn je“.

Auch die Energiekosten tragen zur angespannten Ertragslage bei. Obwohl sich die Preise nach dem Preisschock der Vorjahre stabilisiert haben, verharren sie weiterhin auf einem Niveau, das deutlich über dem Vorkrisenniveau liegt. Investitionen in Effizienz und erneuerbare Energien seien zwar richtig, könnten jedoch die Mehrbelastungen ohne entsprechende Erträge nicht vollständig ausgleichen.

Politische Entlastung als dringender Appell

Der Fachverband Hotellerie wiederholte seine zentralen Forderungen an die Politik: die Senkung der Lohnnebenkosten, die Verkürzung der Abschreibungsdauern und ein wirksamer Bürokratieabbau. Die Politik müsse „jetzt vom Reden ins Tun kommen“, da jede Verzögerung Wettbewerbsfähigkeit koste.

Imlauer kritisierte aktuelle Gesetzgebungsvorhaben auf nationaler und europäischer Ebene als konträr zu den Zielen der Entbürokratisierung. Er nannte dabei unter anderem die Hitzeschutzverordnung oder die verpflichtende Herkunftsbezeichnung in Österreich sowie die Überarbeitung der Pauschalreiserichtlinie oder die Entwaldungsverordnung auf EU-Ebene.

Im Hinblick auf die unternehmerischen Rahmenbedingungen resümierte Imlauer abschließend: „Aktuelle EU-Vorhaben wie etwa in Österreich die Hitzeschutzverordnung oder verpflichtende Herkunftsbezeichnung oder auf EU-Ebene die Überarbeitung der Pauschalreiserichtlinie oder Entwaldungsverordnung zeigen auf, dass das Wort ‚Entbürokratisierung‘ häufig mehr Versprechen als Wirklichkeit ist. (...) Es reicht nicht, ständig zu betonen, dass sich Leistung lohnen müsse, wenn gleichzeitig Überstundenzuschläge und Feiertagsentgelt besteuert und gekürzt werden.“


 

Zurück

Vielleicht auch interessant

Spanien und die Kanaren dominieren die aktuelle Gunst der Urlauber für den Sommer 2026. Der HolidayCheck Award bestätigt zahlreichen Hotels in diesen Regionen eine über Jahre hinweg konstant hohe Gästezufriedenheit.

Die MHP Hotel AG hat ihren Umsatz im ersten Quartal 2026 deutlich gesteigert. Treiber waren laut Unternehmen unter anderem neue Hotels im Portfolio sowie veränderte internationale Reiseflüsse.

 

WorldHotels erweitert sein Portfolio um eine neue Glamping-Marke. Zum Start gehören drei Standorte in den USA und Honduras, weitere Projekte werden geprüft.

Ein LinkedIn-Beitrag von Marco Nussbaum hat eine Debatte über steigende Frühstückspreise in Hotels ausgelöst. In den Kommentaren schildern Hoteliers und Branchenvertreter unterschiedliche Beobachtungen zu Preis, Angebot und Nachfrage.

In Travemünde (Lübeck) soll ein neues Hotelprojekt realisiert werden. Die DSR-Gruppe stellte jetzt das geplante Henri-Hotel vor. Das Haus soll nach Angaben der Beteiligten im Jahr 2027 eröffnet werden.

Die MHP Hotel AG hat die Neupositionierung des Andaz Vienna am Belvedere zum Hyatt Regency Vienna erfolgreich abgeschlossen. Das Haus mit 303 Zimmern setzt künftig verstärkt auf internationale Geschäftskunden und das Tagungssegment.

Die Leonardo Hotels arbeiten künftig mit der SRH Fernhochschule zusammen, um ihren Mitarbeitern vergünstigte Fernstudiengänge und Zertifikate anzubieten. Bei entsprechender Karriereplanung unterstützt der Arbeitgeber die akademische Weiterbildung zudem finanziell.

Die Althoff Hotels bringen ihre Marke Urban Loft nach Zürich und planen für 2028 die Eröffnung eines Hauses mit 173 Zimmern im ehemaligen Löwenbräu-Areal. In Zusammenarbeit mit PSP Swiss Property wird dazu ein bestehendes Bürogebäude umgenutzt.

Die irische Staycity Group expandiert in Berlin und hat einen Pachtvertrag über 20 Jahre für das Projekt Brooks on East unterzeichnet. In den zwei Türmen des Quartiers Media Spree entstehen bis 2027 insgesamt 222 Apartments der Marke Wilde.

Nach einem Großbrand im Luxushotel Klosterbräu in Seefeld ist das Feuer gelöscht. Rund 400 Einsatzkräfte waren beteiligt, sieben Personen wurden leicht verletzt, die Ursache ist noch unklar.